Am 14. Februar wird in vielen Regionen des christlichen Abendlandes der Valentinstag gefeiert. Er gilt gemeinhin als Tag der Verliebten, an dem der Mann „seiner“ Frau ein Geschenk macht. Auch in Zeiten von Emanzipation, Gleichberechtigung und Homosexuellenrechten scheint dieses kommerzielle, kitschige und fast schon archaisch anmutende Ritual immer noch eine gewisse Anziehungskraft zu besitzen.

Spätestens seit der Serie „Sex and the City“ wissen wir, dass die traditionellen Beziehungsmuster, die sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der (ersten) industriellen Revolution etabliert hatten, heute kaum noch Bestand haben. Sogar im konservativen Luxemburg scheint dies der Fall zu sein. Nichteheliche Lebensgemeinschaften hätten sich zu einer gesellschaftlich akzeptierten und weit verbreiteten Form der gemeinsamen Haushaltsführung entwickelt, heißt es im rezent von der Uni Luxemburg veröffentlichten nationalen Bericht zur Situation der Jugend in Luxemburg.

80 Prozent unter 25 ledig

Allerdings scheinen nichteheliche Lebensgemeinschaften vor allem für junge Menschen attraktiv zu sein, denn wenn es auf die 30 zugeht, beschließen viele Paare, sich dann doch zu trauen.
Während 80 Prozent der jungen Menschen bis zu ihrem 25. Lebensjahr noch ledig sind, sind es bei den 34-Jährigen nur noch rund ein Drittel.

Zudem sind mehr als 56 Prozent der 34-Jährigen verheiratet. Die eingetragene Lebenspartnerschaft Pacs spielt mit 2,9 Prozent in der gleichen Alterskategorie kaum eine Rolle. Auch die Anzahl der Geschiedenen ist mit 5,6% recht gering.

Ferner heißt es in dem Bericht, dass junge Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss öfter und früher heiraten als solche mit Universitätsabschluss. Die gleiche Aussage gilt für Einwohner, die aus Portugal oder aus einem Nicht-EU-Land nach Luxemburg gekommen sind. Insgesamt hat sich das durchschnittliche Heiratsalter von 24,4 Jahren in 1981 auf 32,7 Jahre in 2011 nach hinten verschoben.

40 Prozent aller Kinder außerehelich

Auch die Familiengründung ist für drei Viertel der jungen Menschen in Luxemburg noch immer eine wichtige Angelegenheit. Jedoch ist auch hier eine ähnliche Tendenz wie beim Heiraten zu beobachten. 1981 lag das Alter, ab dem die meisten Frauen ihr erstes Kind bekamen, bei 26 Jahren, mittlerweile ist es auf über 30 Jahre angestiegen.
Auch bei den Geburten konnten die Forscher einen Zusammenhang mit dem Bildungsabschluss beobachten.
Eine weitere interessante Erkenntnis des Jugendberichts: Heute werden fast 40 Prozent aller Kinder außerehelich geboren. 1950 waren es nur 3,5 Prozent.

Doch was bedeuten diese Entwicklungen für den Valentinstag? Für Luxemburg gibt es dazu leider keine Studien.
In Deutschland ignoriert fast jeder Zweite den Valentinstag. Das ergab eine Umfrage der GfK Marktforschung im Auftrag der Apotheken Umschau. Rund 47 Prozent halten den 14. Februar lediglich für eine Verkaufsaktion der Blumenhändler. Ebenso viele Befragte sind dem „Tag der Liebenden“ gegenüber jedoch romantischer eingestellt.

Einer Online-Umfrage der österreichischen Geschenkeplattform Perfecto4U zufolge werden neben dem Partner zunehmend auch Familienmitglieder, Freunde und Kollegen am Valentinstag beschenkt. So würden 71,1% der Befragten in erster Linie ihren Partner/die Partnerin beschenken, während 15,9% der Familie und 8,9% ihren Freunden Geschenke machen. 1% denke am Valentinstag sogar an die Arbeitskollegen.

Die Geschenkexpertinnen von Perfecto4U vermuten, dass dieser Trend auf die Zunahme der Singles zurückzuführen sei, die trotzdem zum Valentinstag Geschenke machen möchten. Vielleicht liegt es aber auch nur an der Vermarktungsstrategie der Geschenkeplattform, um zahlungskräftige Singles doch noch dazu zu bewegen, ihr Geld für Valentinsgeschenke auszugeben.

In Luxemburg sind laut nationalem Jugendbericht 34,4 Prozent der 34-Jährigen ledig. Das heißt nicht, dass sie keinen Partner haben, sondern nur, dass sie nicht verheiratet oder gepacst sind.
Wie viele Menschen in Luxemburg tatsächlich single sind, wissen wir leider nicht. Einige von ihnen werden aber sicherlich am Samstag bei der „Nuit des célibataires“ im Casino 2000 zugegen sein.

LL