Bei den islamistischen Anschlägen vor genau zwei Jahren in Paris und vor dem Stade de France starben 130 Menschen, 350 wurden verletzt. Die koordinierten Anschläge wurden von drei Kommandos aus jeweils drei Terroristen verübt. Sie schossen wahllos auf Menschen und sprengten sich selbst in die Luft. Der in Belgien geborene Franzose Salah Abdeslam ist der einzige überlebende Attentäter des Terrors vom 13. November 2015. Er wurde nach monatelanger Fahndung im März 2016 in Brüssel gefasst und kurz danach an Frankreich ausgeliefert.

Abdeslam ist der meistüberwachte Häftling des Landes. Der Terrorverdächtige sitzt im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses Fleury-Mérogis bei Paris ein und wartet auf seine Prozesse. Tag und Nacht wird Abdeslam von Überwachungskameras in seiner Zelle gefilmt, sechs Wärter kontrollieren rund um die Uhr seine Aktivitäten.

Die Behörden machen sich dieser Tage große Sorgen um den psychischen Zustand des Häftlings. Abdeslam verweigert bislang die Aussage – weil der 28-Jährige zu Motiven und Taten eisern schweigt, legten seine Verteidiger Frank Berton und Sven Mary bereits vor einem Jahr ihre Mandate nieder. Doch auch im Gefängnis soll Abdeslam den ganzen Tag lang mit niemandem reden.

Haftbedingungen leicht gelockert

Nachdem die französische Justizministerin Nicole Belloubet vergangene Woche warnte, Abdeslam könne “einen Selbstmordversuch” begehen, wurden Le Figaro zufolge seine Haftbedingungen leicht gelockert.

Zuvor war dem Häftling jeglicher visuelle und akustische Kontakt zur Außenwelt strikt verboten. Nun wurde eine Plexiglasscheibe am einzigen Fenster seiner zehn Quadratmeter großen Zelle entfernt. Auch das Glas, das ihn im Besuchsraum von seinen Besuchern trennte, kommt jetzt weg. Dafür wird seine Zelle vor jeder Rückkehr aus dem Besuchsraum akribisch durchsucht.

Vier Zellen stehen für Abdeslam bereit

Insgesamt stehen in der Haftanstalt Fleury-Mérogis vier Zellen für Abdeslam zur Verfügung, schreibt Le Figaro weiter. Neben der Zelle mit seinem Bett gibt es eine zweite, in die er in einer Notfallsituation verlegt werden könnte. Außerdem stehen ihm ein Raum mit Rudermaschine für tägliche Sportübungen sowie ein Bereich mit Gebetsteppich und Koran zur Verfügung, damit er seine Religion praktizieren kann.

Mitte Dezember soll Salah Abdeslam in Brüssel ein erster Prozess gemacht werden. Dabei geht es um die Schüsse auf Polizisten bei seiner versuchten Festnahme im März 2016. Er wird dafür jeden Tag mit dem Helikopter von Paris nach Brüssel geflogen. Das zweite Verfahren zu den Pariser Anschlägen ist noch in Vorbereitung und wird voraussichtlich Ende 2019 oder 2020 stattfinden.

Gedenkfeier mit schlichten Zeremonien

Am Montag besuchten Präsident Emmanuel Macron und sein Amtsvorgänger François Hollande die sechs Pariser Anschlagsorte. Die Gedenkfeierlichkeiten begannen vor dem Fußballstadion Stade de France im Pariser Vorort Saint-Denis. Dort legte Macron gemeinsam mit dem örtlichen Bürgermeister Laurent Russier ein Blumengebinde vor einer Gedenkplakette für den ersten Toten der Anschläge nieder.

Im Anschluss nahmen Macron und Hollande an weiteren Gedenkzeremonien vor Restaurants und Cafés im Zentrum der französischen Hauptstadt teil. Daran beteiligten sich auch die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo, Macrons Frau Brigitte und andere Vertreter aus Politik und Gesellschaft.

(kle)

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