Vor drei Wochen hatte er noch Asche aufs Haupt gestreut, war als Vizekanzler und FPÖ-Chef zurückgetreten. Jetzt denkt Heinz-Christian Strache trotz neuer Enthüllungen über rechtsextreme Jugendsünden an ein Comeback als EU-Abgeordneter.

Von unserem Korrespondenten Manfred Maurer, Wien

Straches Umtriebe im neonazistischen Milieu der späten 1980er Jahre sind bekannt. Schon vor Jahren waren Bilder aufgetaucht, die ihn bei wehrsportähnlichen Paintballspielen im Wald zeigten. Er war damals um die 20 und rechtfertigte die Aktivitäten später damit, dass er ein politisch Suchender gewesen sei. Legendär seine Erklärung für ein 2007 aufgetauchtes Foto, das ihn mit dem neonazistischen Drei-Finger-Gruß zeigt. Nein, das sei nicht der Kühnen-Gruß gewesen, sondern er habe die drei Finger lediglich hochgespreizt, um drei Bier zu bestellen. „Ich war nie ein Neonazi und ich bin kein Neonazi“, beteuerte Strache und kam damit durch.

Nazi-Gruß oder Bierbestellung?

Auch jetzt wird diese Verteidigungsmasche wahrscheinlich wieder funktionieren. Das Magazin Falter hat soeben ein Foto des jugendlichen Strache vor einer Karte Nazi-Deutschlands veröffentlicht. Außerdem wurde den Falter-Journalisten eine angeblich 1990 von Strache gezeichnete Postkarte zugespielt, in denen der damals 21-Jährige „Heilgrüße“ nach „Deutsch-Österreich“ verschickte. „Diese Bilder haben nichts mit NS oder Nazitum zu tun, sondern mit einer Mensur und der Deutschen Burschenschaft“, postete Strache gestern. Und die Landkarte sei „keine NS-Karte“, sondern zeige „die Deutschen Sprachinseln, Sprach- und Siedlungsgebiete vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges“.

Seinen Fans wird die Erklärung genügen. Die hielten ihm auch die Treue, als Mitte Mai das inzwischen weltberühmte Video auftauchte, das ihn im Ibiza-Urlaub beim angeregten Plausch mit der vermeintlichen schwerreichen Nichte eines russischen Oligarchen zeigte und Strache samt türkis-blauer Regierung vorerst aus der Bahn werfen sollte. Weil er detailreich über die Möglichkeiten illegaler Parteispenden, den Verkauf der Kronen-Zeitung an Russen zwecks Einflussnahme auf die Berichterstattung zugunsten der FPÖ sowie über die Privatisierung des Wassers geplaudert hatte, schien Straches politische Karriere zu Ende.

Doch mittlerweile streut er keine Asche mehr aufs Haupt, sondern reckt selbiges wieder so selbstbewusst hoch, dass sogar mancher Parteifreund unangenehm berührt ist.
Eifrig arbeitet Strache an der Entwicklung des Opfermythos, wonach er auf Ibiza von Kriminellen hereingelegt worden sei. Täglich postet er angebliche Indizien zur Stützung dieser Theorie. Und nahezu täglich teilt er mit, dass er noch nicht entschieden habe, ob er dem neuen EU-Parlament angehören wird.

Empfohlen von den Identitären

Das Recht auf ein Mandat hat er. Denn für eine Änderung der Kandidatenliste war der Ibiza-Skandal zu spät ausgebrochen. So blieb Straches Name auf dem eigentlich absolut aussichtlosen 42. Platz der FPÖ-Liste stehen.

Weil die Hardcore-Strachisten von Anfang an eine böse Verschwörung gegen ihr Idol gewittert hatten, zeigten sie ihm ihre Solidarität mittels Vorzugsstimme.
Auch die rechtsextremen Identitären, mit denen Strache und die FPÖ angeblich gar nichts zu tun haben wollen, gaben eine entsprechende Empfehlung ab. So kamen mehr als 45.000 Vorzugsstimmen für Strache zusammen, das neuntbeste Ergebnis aller österreichischen Kandidaten.

Damit steht dem vor drei Wochen noch ins politische Nirwana Entschwundenen eines der drei FPÖ-Mandate zu. Gerüchte, die FPÖ wolle ihn notfalls per Parteiausschluss vom Gang nach Straßburg abhalten, wurden umgehend dementiert. Der neue Parteichef Norbert Hofer hat nur eine einzige Bedingung: Wenn Strache EU-Abgeordneter wird, darf er kein Parteiamt ausüben.

 

3 Kommentare

    • Na ja… Manche Fälle sind hoffnungslos. Vor allem Nazis sind fast nicht heilbar. Es ist ja auch kein Problem für ihn, zu dementieren, dass er ein Neonazi ist. Er ist schlichtweg ein Nazi, so wie Le Pen, De Wever, Farage, Trump, Orban, usw. Das “Neo” gilt nicht mehr. Diese Leute sind Nazis aus Fleisch und Blut, nur mit einer teils anderen Maske.

  1. Die Grundstellung hat der Strache ja schon mal intus für Straßburg. Jetzt noch Glatze und Springerstiefel dann ist er voll im Trend.

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