Für die mögliche Stationierung von Raketen in Europa hat Kremlchef Putin etliche Antworten parat. Vor allem die USA sollten sich keine Illusionen machen. Seinen Landsleuten verspricht er aber außer Sicherheit sonst noch eine ganze Menge.

Mit der Ankündigung weiterer neuer Waffensysteme hat Russlands Präsident Wladimir Putin die USA in aller Schärfe vor einem neuen Rüstungswettlauf gewarnt. Sein Land habe für jede Bedrohung die passende Antwort parat, sagte Putin am Mittwoch in Moskau in seiner Rede an die Nation. Sollten die USA etwa in Polen und Rumänien Mittelstreckenraketen stationieren, dann könne Russland seine Raketen als Antwort nicht nur auf die Stützpunkte dort richten. Ins Visier nehme das Land dann auch die Kommandozentralen, sagte Putin. Gemeint sind die USA und andere Nato-Staaten, die er aber nicht namentlich nannte.

Kritk aus dem Hauptquartier der Nato in Brüssel an Putins Auftritt ließ nicht lange auf sich warten. “Erklärungen, in denen gedroht wird, Verbündete ins Visier zu nehmen, sind inakzeptabel”, sagte der stellvertretende Bündnissprecher Piers Cazalet. Die Nato sei ein defensives Bündnis, aber jederzeit bereit, jedes Mitglied gegen jegliche Gefahr zu verteidigen.

Einen verteidigenden Charakter

Die USA sollten sich keine Illusionen machen, dass sie mit ihrer Raketenabwehr militärische Überlegenheit erlangen könnten, sagte Putin. “Die Antwort unseres Landes wird immer wirksam und effektiv sein”, betonte er. Es war seine erste Rede an die Nation, seit erst Washington und dann auch Moskau den INF-Abrüstungsvertrag aufgekündigt hat.

Russland hat zwar Vorwürfe zurückgewiesen, über die laut Vertrag verbotenen landgestützten und atomar bestückbaren Raketen mittlerer und kürzerer Reichweite (500 bis 5500 Kilometer) zu verfügen. Aber das Waffenportfolio, das Putin im Tagungszentrum Gostiny Dwor unweit des Kremls aufzählt, lässt die Gäste beeindruckt aufhorchen: Neben dem neuen Atom-U-Boot und dem unbemannten Waffensystem “Poseidon” nennt er die Namen ultramoderner Waffen wie “Avantgarde”, “Kinschal”, “Pereswet” und “Zirkon”.

Was die Nato und die USA warnen soll, ist zugleich und vor allem als Beruhigung für besorgte Russen gedacht: “All unsere Handlungen im Sicherheitsbereich tragen ausschließlich antwortenden, das heißt einen verteidigenden Charakter”, betont Putin. “Russland bedroht niemanden.” Seine inzwischen 15. Rede an die Nation hält der 66-Jährige vor Hunderten Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – Kulturschaffende und religiöse Anführer sind dabei – nach erprobtem Muster. Es ist ein Mix aus Versprechen sozialer Wohltaten für viele der von Armut geplagten Landsleute und aus außenpolitischen Seitenhieben gegen die EU und die USA.

Der Staat sollte den Leuten helfen

Putin verspricht mehr Geld für Familien. Er fordert, Ärzte und Lehrer auf dem Land besser zu bezahlen. Viele Russen stört, dass die Löhne zu niedrig sind, um sich mehr zu leisten. Fachkräftemangel ist in Russland – wie in der deutschen Politik – ein Thema. Putin, der seit rund 20 Jahren in unterschiedlichen Funktionen an der Macht ist, liest den anwesenden Regierungsmitgliedern, Provinzfürsten, Juristen einmal mehr die Leviten. Sie mögen mehr tun für die Entwicklung des Landes.

Klar wird aber auch bei dieser Rede, dass er nur sich selbst zutraut, die Probleme des Landes zu lösen. “Der Staat sollte den Leuten helfen”, sagte er. Er sprach auch davon, dass es Bürger gebe, die sich keine Kleidung, Medikamente und sogar kein Essen leisten könnten. Seinen zuletzt wegen der Anhebung des Rentenalters gesunkenen Zustimmungswerten tritt Putin entgegen, indem er etwa eine bessere medizinische Versorgung verspricht. Geschätzte Mehrausgaben von umgerechnet rund zwei Milliarden Euro sind für diese und andere sozialen Wohltaten nötig, wie Regierungspolitiker ausrechneten.

Das Geld dafür sei aber da, hieß es. Dass Putin 2024 tatsächlich auszieht aus dem Kreml, weil dann die laut Verfassung letzte Amtszeit endet, sieht der Großteil der Elite bisher nicht. Viele verbinden mit Putin die Hoffnung, dass er das Land in eine glanzvolle Zukunft führt. Kaum einer machte das zuletzt deutlicher als Wladislaw Surkow, einer der führenden Ideologen im Kreml. In einem von politisch interessierten Kreisen heiß diskutierten Artikel rief er den Putinismus als Jahrhundertprojekt aus. Das eigne sich sogar als Exportschlager für andere Länder. Schon jetzt orientierten sich viele regierende Politiker und Oppositionelle im Ausland an Putin. Mit ihm sei ein Staat neuen Typs entstanden, “wie es ihn noch nie gab”, jubelte Surkow vor einigen Tagen in der “Nesawissimaja Gaseta”.

Nun hat der Kremlchef zwar selbst daran erinnert, dass sein Leben endlich ist. Doch eine Alternative zu Putin ist nicht in Sicht – schon gar nicht in der zersplitterten Opposition. “Die große politische Maschine Putins nimmt gerade erst an Fahrt auf, sie ist auf eine lange, schwere und interessante Arbeit eingestellt”, meinte Surkow. Ihre volle Leistung werde sie erst noch erreichen.

5 Kommentare

  1. Kein Wunder wenn USA mit einem riesigen Zerstörer (Kriegsschiff James Cook) im Schwarzen Meer an Russlands Grenze entlang herum schippert! Was würde USA sagen wenn Russland seine Raketen und Panzerbataillone in Mexico, in Canada und Cuba aufstellen würde? Genau das macht USA momentan entlang der Russischen Grenze. Natürlich im Auftrag der Nato! Aber das sind nur Wortspiele, sonst gar nichts! USA provoziert bis in Europa der dritte Weltkrieg ausbricht!

  2. @Tomatenmann; Den “James Cook” “schippert ” den Moment fir un der Küst vun der Ukraine an vun der Krim. An d’Krim gehéiert bekanntlech jo zur Ukraine. Dat misst dir jo awer wessen!

  3. Ah bon, d‘Krim gehéiert zu der Ukraine! Dir gitt mir jo hoffentlech d‘Recht anerer Meenung ze sin? De plus, wéih noh un Russland? Wat ging USA am ömgekéierten Fall soen wann Russland virun der US Grenz töschent Cuba an Miami ging chipperen mat esou Boter déi Atomwaffen un Bord hun?

    • D’Krim war e Geschenk vu Russland. E Geschenk helt een sech normalerweis net rem zréck. Mee soss hutt der recht, den Obama huet jo zouginn dass se an der Ukraine e Regime Change wollten unzettelen.

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