Nach dem Tod des US-Studenten Otto Warmbier nach eineinhalb Jahren in nordkoreanischer Haft haben die USA erneut an China appelliert, Nordkorea zur Abkehr von seinem Atom- und Raketenprogramm zu bewegen. US-Außenminister Rex Tillerson und Verteidigungsminister Jim Mattis forderten den chinesischen Staatsrat Yang Jiechi und den Generalstabschef der Volksbefreiungsarmee, Fang Fenghui, am Mittwoch bei einem Treffen in Washington auf, mehr wirtschaftlichen und diplomatischen Druck auf Pjöngjang auszuüben.

Wenn China eine neue Eskalation in der Region verhindern wolle, müsse es deutlich mehr Druck auf Nordkorea ausüben, sagte Tillerson. Peking habe in dieser Frage eine “diplomatische Verpflichtung”. Peking müsse auch den “kriminellen Aktivitäten” entgegenwirken, mit denen Nordkorea sein Atom- und Raketenprogramm finanziere, sagte Tillerson. Als Beispiele nannte er Geldwäsche, Cyberkriminalität und Erpressung. China ist der engste Verbündete Nordkoreas.

Der Fall Warmbier

Die US-Regierung hatte Peking zuletzt dazu gedrängt, eine Abkehr Pjöngjangs von seinem Atom- und Raketenprogramm zu erzwingen. Präsident Donald Trump warnte wiederholt, die USA würden notfalls im Alleingang gegen Nordkorea vorgehen. Militärische Maßnahmen schloss er dabei nicht aus. Der Tod des 22-jährigen US-Studenten Warmbier hat das ohnehin zerrüttete Verhältnis Washingtons zu Pjöngjang zusätzlich belastet.

Warmbier hatte mit einer Reisegruppe Nordkorea besucht und war im März 2016 wegen Diebstahls eines Propagandaplakats und “Verbrechen gegen den Staat” zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Ungefähr seit dieser Zeit soll er im Koma gelegen haben. Vergangene Woche wurde Warmbier nach fast 18 Monaten in Haft freigelassen und in die USA ausgeflogen. Am Montag starb er. Trump und Warmbiers Familie machten Nordkorea für den Tod des Studenten verantwortlich.

Tageblatt.lu/AFP