74 Jahre nach dem Ende des Holocaust und des Zweiten Weltkrieges ist der Antisemitismus in der Wahrnehmung der Europäer weiterhin ein Problem. Das geht aus eine Eurobarometer-Umfrage hervor, die dieser Tage veröffentlicht wurde.

Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass auch Luxemburg nicht von antisemitischen Vorfällen verschont bleibt. Während der Wahlkampagne kritzelte ein Unbekannter „Juden“ auf ein Werbeplakat der DP, auf dem die beiden liberalen Minister Xavier Bettel und Corinne Cahen zu sehen waren. Wohl blieb Luxemburg von weitergehenden Taten antisemitischen Charakters im Vergleich zu unseren Nachbarländern, wo es immer wieder zu Angriffen gegen Menschen und Einrichtungen jüdischen Glaubens kommt, weitestgehend verschont. Doch darf selbst eine solche Kritzelei nicht kleingeredet werden, da sie Ausdruck der gleichen Gesinnung ist, die sich andernorts zwar in Gewalt äußert, aber in gleichem Maße verurteilt werden muss.

Wie nun der Antisemitismus in den EU-Staaten wahrgenommen wird, hat eine Eurobarometer-Umfrage der EU-Kommission in Erfahrung gebracht, die unterschiedliche Resultate aufweist, dadurch aber nicht minder beunruhigend ist. In Luxemburg wird Antisemitismus nur von 19 Prozent der Befragten als Problem betrachtet, wohingegen dieser Wert im EU-Durchschnitt bei 50 Prozent liegt. Für 73 Prozent in Luxemburg (43 Prozent EU) ist er kein Problem, während acht Prozent keine Einschätzung dazu abgaben.

In acht Mitgliedstaaten wird Antisemitismus von der Mehrheit der Befragten als Problem angesehen: Schweden (81 Prozent), Frankreich (72 Prozent), Deutschland (66 Prozent), den Niederlanden (65 Prozent), Großbritannien (62 Prozent), Italien (58 Prozent), Belgien (50 Prozent) und Österreich (47 Prozent).

In Luxemburg gehen auch nur 19 Prozent (36/EU) davon aus, dass der Antisemitismus in den vergangenen fünf Jahren im Land zugenommen hat, lediglich sechs Prozent (10/EU) meinen, er habe abgenommen, während 39 Prozent (54/EU) keine Änderung vermuten und 15 Prozent (21/EU) nichts dazu angaben.

Thema Holocaust in den Schulen

Gemäß den Antworten auf die erste Frage fielen in Luxemburg auch die Angaben zur Frage aus, welche der genannten Situationen ein Problem im Land darstellen würden. Ob die Leugnung der Judenvernichtung (18 Prozent Luxemburg, 53 Prozent EU), Antisemitismus im Internet und sozialen Medien (22/L, 51/EU), körperliche Gewalt gegen Juden (14/L, 50/EU), Antisemitismus in Schulen/Universitäten (14/L, 43/EU), im politischen Leben (13/L, 43/EU), in den Medien (17/L, 41/EU) oder die Schändung jüdischer Friedhöfe (15/L, 50/EU), die Werte der Befragten in Luxemburg lagen jeweils weit unter dem EU-Durchschnitt.

Ein anderer Teil der Umfrage befasste sich mit der Frage, inwieweit die jeweilige Landesbevölkerung über die Geschichte und Traditionen der ansässigen Juden informiert seien. Hier unterschieden sich die Antworten der Befragten in Luxemburg nur wenig vom EU-Durchschnitt: 29 Prozent (27/EU) gaben an, die Bevölkerung sei gut informiert, 62 Prozent (68/EU) behaupteten das Gegenteil, die Verbleibenden gaben keine Antwort.

Größer ist der Unterschied hingegen in der Einschätzung, ob der Holocaust ausreichend in den Schulen des Landes behandelt wird. Hier gaben 32 Prozent der luxemburgischen Befragten (43/EU) an, dies sei der Fall, 40 Prozent (42/EU) meinten, es werde nicht genug in den Schulen über die Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten geredet, und 28 Prozent (15/EU) gaben dazu keine Antwort.

Schließlich wollte Eurobarometer wissen, ob nach Ansicht der Befragten die Anstiftung zu Hass und Gewalt gegen Juden in ihrem Land per Gesetz bestraft wird. In Luxemburg meinten 54 Prozent (61/EU), dies sei der Fall, 15 Prozent (21/EU) sagten Nein und 31 Prozent (18/EU) wussten es nicht. Die gleiche Frage wurde für die Leugnung des Holocaust gestellt. Hier meinten 32 Prozent der in Luxemburg Befragten (42/EU), das stehe gesetzlich unter Strafe, 25 Prozent (34/EU) meinten das Gegenteil und 43 Prozent (24/EU) wiederum hatten keine Antwort parat.

Tatsächlich ist es in Luxemburg so, dass nicht nur die Anstiftung zu Hass und Gewalt gegen Juden, sondern gegen alle erdenklichen (vermeintlichen) Minderheiten bestraft wird.

Ebenso verhält es sich mit der Leugnung des Holocaust. Im entsprechenden Kapitel des luxemburgischen Strafgesetzbuches wird dieser nicht explizit genannt, doch steht unter anderem das Leugnen von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit allgemein unter Strafe.

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