Nach der Befragung des Piloten der Unglücksmaschine, Claude Poeckes, am Mittwoch war der damalige Generaldirektor Christian Heinzmann am Donnerstag an der Reihe. Auch er sitzt mit zwei anderen vormaligen Firmenchefs auf der Anklagebank. Eingangs der Sitzung hatte der Anwalt von Claude Poeckes das Gericht, dass sein Mandant nicht anwesend sein könne.

Der Vorsitzende der Strafkammer erklärte eingangs, dass man sich vorrangig um die “Service-letters” von Fokker an die Fluggesellschaften kümmern werde. Heinzmann sagte aus, er hätte vor dem Crash keine Kenntnis von den Dokumenten gehabt. Die Piloten hätten ihn nach dem Unfall über die technischen Probleme informiert. Zuerst habe man ihm gesagt, dass es sich um ein technisches Versagen handele. Später jedoch sei klar geworden, dass auch der menschliche Faktor eine Rolle spiele. Nach dem Unfall habe man nicht gewusst, wonach man genau suchen müsse, sagte Heinzmann.

Auf Fachpersonal vertrauen

Vor dem Unfall hatte Heinzmann für eine andere Airline gearbeitet, die ebenfalls Fokker 50 besaß. Er war von 2001 bis 2004 Generaldirektor der Luxair. Es sei aber nie ein Problem mit den Propellern festgestellt worden, so der Angeklagte. Er sei kein Techniker, betonte er anschließend. Er musste seinem Fachpersonal vertrauen.

Wie steht es mit den Vorschriften über die technischen Voraussetzungen der Maschinen und die Kompetenzen der Piloten, wurde er gefragt? Das Flugbuch sei viel detaillierter als die internationalen Richtlinien, betonte Heinzmann. Er sei nur bei finanziell substanziellen Fragen konsultiert worden. Alle anderen Dossiers seien nicht über die betroffenen Abteilungen hinaus gekommen.

“Dem Ruf geschadet”

Wenn er über das Sicherheitsproblem informiert gewesen wäre, hätte er die Behebung der Sicherheitlücke angeordnet. Luxair habe nie bei Sicherheitsfragen gespart, unterstrich Heinzmann. Von einem Anwalt auf das Alter des Unglückspiloten angesprochen, sagte der Angeklagte weiter, es gebe kein ideales Alter, um Flugkommandant zu sein. Die Papiere des Piloten seien alle in Ordnung gewesen, betonte der ehemalige Generaldirektor weiter. Die Gerüchte über mangelnde Qualifikationen von Poeckes hätten allerdings dem Ruf der Fluggesellschaft geschadet.

Einer der Anwälte wollte wissen, weshalb nach dem Crash fünf Personen entlassen wurden. Der Richter betonte jedoch, dass Zweck des Prozesses nicht sei, das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu bewerten. Der Ex-Direktor sagte lediglich, man hätte diesen Personen nicht mehr vertrauen können. Der Staatsanwalt erinnerte daran, dass es angeblich Unstimmigkeiten bei der Einstellung von Claude Poeckes im Jahre 1995 gab. Sie sollen auch einer der Gründe für die Entlassung des Vaters des Crash-Piloten gewesen sein. Es habe jedoch nie juristische Schritte gegeben, gab Richter Klein zu bedenken. Seine Fluglizenz sei nie infrage gestellt worden.

Christian Heinzmann hat eigenen Aussagen zufolge Probleme, nach der Anklageerhebung in Luxemburg einen neuen Job zu finden.

Nicht mit technischen Fragen befasst

Nach einer Pause wurde dann Jean-Donat Calmes, Vorgänger von Christian Heinzmann befragt. Er war von 1998 bis Ende 2000 Luxair-Chef und Mitglied des Verwaltungsrats, als die Fokker 50 von der Luxair bestellt wurden. Auch er hatte nichts mit technischen und operativen Fragen zu tun, mit Ausnahme jener, die eine große Investition erforderten. Er half dabei, die internationalen Zertifizierungen zu erhalten. In seine Amtszeit fällt auch die neue Luxair-Struktur mit Verantwortlichen für die Wartung, die Qualität und die Ausbildung der Piloten. 1998 hatte die “Direction de l’aviation civile” bemängelt, dass die nationale Fluggesellschaft in vielen Punkten nicht konform zu den europäischen Richtlinien sei.
Man habe ihn jedoch zu keinem Zeitpunkt über erhebliche Mängel bei Fokker-Flugzeugen informiert. Auch ihm waren Sicherheitsprobleme bei der Fokker nicht bekannt. Calmes glaubte, das Flugzeug sei zu 100 Prozent zuverlässig.

Kam es nie in den Sinn, jemanden mit einer Kontrolle der “Service-Letter” des Flugzeugkonstrukteurs zu beauftragen, so eine Frage. “Nein”, antwortete der Ex-Generaldirektor. Er finde es jedoch unfassbar, dass die Firma (Veritas), die bei der Luxair mit der Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen befasst wurde, die Risiken einer Fehlfunktion des Schubhebels verharmlost habe. Auf diese Weise sei bei der Chefetage der Luxair nie eine Information über die Gefahr einer falschen Manipulierung des Hebels angekommen.

Bei Luxair funktionierte die Wartung auf optimale Art und Weise, unterstrich Calmes. Man hätte nie versucht, etwas zu verbergen. Die Kosten für die Verbesserung des Sicherheitssystems (Kauf von zwei Dioden und zwei Widerständen pro Flugzeug) hätten den Finanzrahmen sicherlich nicht gesprengt.

Am Montag wird noch einmal Claude Poeckes befragt, ehe man sich weiteren Luxair-Direktoren zuwenden wird.

rh./Tageblatt.lu

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