Vor 200 Jahren, nach zähen Verhandlungen beim Wiener Kongress, wurde Luxemburg auf dem Papier als eigenständiger Staat gegründet, erinnerte der Staatschef bei seiner Rede zum Nationalfeiertag in der Philharmonie. Und stellte eine Verbindung zur Luxemburger Devise „mir wëlle bleiwe, wat mer sinn“ her. 1859 war die Einweihung der Eisenbahn ein großer Moment für das junge Land, dessen Integrität immer noch von den umliegenden Großmächten bedroht wurde, so Großherzog Henri. In diesem unsicheren Umfeld habe Michel Lentz den „Feierwon“ komponiert. In dem Lied wird der Freiheitsdrang und der Wunsch nach Unabhängigkeit der Luxemburger unterstrichen. In dem Lied kommt der Refrain „mir wëlle bleiwe, wat mer sinn“ vor, der schnell zur Devise der Bevölkerung wird. Er war ein Versprechen einer kollektiven Zukunft, so Großherzog Henri.

Eineinhalb Jahrhunderte später könne man mit Stolz feststellen, dass sich aus diesem Versprechen eine nationale Identität heraus kristallisiert hat. „Mir si bliwwe, wat mer sinn“ indem wir mit der Zeit gegangen sind und indem wir die Rückschläge in unserer Geschichte solidarisch überwunden haben, so der Staatschef.

Aus der Geschichte lernen

Wie Parlamentspräsident Mars Di Bartolomeo (Link) kam Großherzog Henri auf die 70-Jahr Feierlichkeiten des Endes des Zweiten Weltkriegs zu sprechen. Es gehe darum sich zu erinnern, um den Frieden zu erhalten. Man müsse aber auch den Weg sehen, den das Land seit seiner Gründung zurückgelegt hat, sei es im wirtschaftlichen, sozialen oder kulturellen Bereich. Man dürfe nie vergessen, was die Kriegsgeneration geleistet hat, indem sie unser Land wieder aufgebaut hat, warnt Großherzog Henri und machte den Appell auch an die Opfer zu denken, die für Luxemburg ihr Leben gelassen haben.

In einem Zeitalter des Friedens, der europäischen Integration und der Globalisierung müsse es gestattet sein die Frage nach der nationalen Identität zu stellen. Der Staatschef ist zuversichtlich: auch in einer globalisierten Welt werden die Unterschiede zwischen den Bevölkerungen und den Kulturen nicht verschwinden. Das Luxemburger Volk wird überleben, ist sich Großherzog Henri sicher.

Aufeinander zugehen

Luxemburger zu sein, heiße gemeinsame Eigenschaften zu haben, „die sich ergänzen oder auch manchmal widersprechen“. Man teile eine gemeinsame Geschichte oder Institution und gestaltet zusammen ein Projekt für die Zukunft. Man verständige sich durch eine gemeinsame Sprache, beherrsche aber auch u.a. die Sprachen der Nachbarn. Es sei die Fähigkeit sich zu Hause wohl zu fühlen, aber auch über die Grenzen hinweg zu schauen. Luxemburger sein heiße auch die Traditionen, Feste und Bräuche zu pflegen aber auch zu begreifen, was Nicht-Luxemburger „uns gebracht haben und bringen werden“. Man soll stolz auf das Geleistete sein, sich aber immer seinen Grenzen bewusst sein.

Vor zwei Wochen hätten die Luxemburger ihre Meinung über die Staatsbürgerschaft geäußert. Das Resultat sei klar gewesen und ein Aufruf an die politischen Verantwortlichen zusammen zu arbeiten, um unsere Schicksalsgemeinschaft weiter zu stärken. Das Zusammenleben zwischen Luxemburgern und Ausländern sei nicht einfach. Jeder müsse einen Beitrag leisten.Man müsse aufeinander zugehen, rät der Staatschef. Ausländer sollen sich weiter integrieren und Luxemburger sollen sich mehr für ihre ausländischen Mitbürger interessieren.

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