Finnlands Regierung will keine halben Sachen mehr machen. Bis 2030 soll das Land rauchfrei sein. Im Jahr 2010 wurde das Ziel gefasst, bis 2040 dem Tabak den Garaus zu machen. Das Stichdatum wurde nun um zehn Jahre nach vorne gerückt.

Mit Beginn dieses Jahres können Wohnbaugesellschaften das Rauchen auf Balkonen, Terrassen und in den Höfen, die zum Wohnhaus gehören, verbieten. Alles, was sie dazu brauchen, ist die Erlaubnis der zuständigen Gemeinde. Menthol-Zigaretten oder andere Zigaretten mit extra Geschmacksnoten sind mittlerweile vom finnischen Markt genommen, wie der „Business Insider Nordic“ schreibt.

Verkauf soll sich nicht mehr lohnen

Das ist aber noch nicht alles. Ein Ziel ist es, den Verkauf von Zigaretten unprofitabel zu machen. Zu diesem Zweck werden die Tabak-Verkaufsstellen mit hohen Gebühren belegt. Wer Nikotin-Produkte verkauft, soll daraus keinen Gewinn mehr machen können.

In einem kleinen Supermarkt in der finnischen Stadt Espoo stieg die Gebühr dem Bericht nach von 215 Euro im Jahr 2016 auf nun 4.000 Euro. Für einen größeren Supermarkt in derselben Stadt sieht es noch bitterer aus. Hier sollen nun Kosten von 12.500 Euro anfallen. 2016 habe dieser Laden noch 470 Euro an Gebühren gezahlt.

Seit Jahren ein harter Kampf

Die deutsche Supermarkt-Kette Lidl, mit 160 Niederlassungen die drittgrößte im Land, denkt darüber nach, Zigaretten und Tabak nur noch in ausgewählten Geschäften anzubieten. Bei durchschnittlich sechs Kassen pro Lidl-Supermarkt würden die Kosten sonst außer Kontrolle geraten.

Finnland führt bereits seit Jahren einen harten Kampf gegen Tabak und Raucher. Das Ziel, rauchfreies Land zu werden, wurde im Jahr 2010 gesetzlich verankert. Werbung für Nikotin-Produkte ist seit 1978 verboten. Am Arbeitsplatz gilt seit 1995 ein absolutes Rauchverbot, in Bars und Restaurants ist dies seit 2007 der Fall.

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Seit 2012 dürfen Verkäufer von Nikotinprodukten keine Zigaretten oder Tabak mehr öffentlich zeigen, weder im Schaufenster noch im Laden. Das einzige, was seitdem in Bezug auf das Rauchen noch sichtbar sein darf, sind Kaugummis oder Pflaster zur Raucherentwöhnung.

Offizielle Zahlen der staatlichen finnischen Gesundheitsbehörde zeigen einen steten Rückgang der Raucherzahlen im Land für die vergangenen 20 Jahre. 2015 waren 17 Prozent der finnischen Bevölkerung Raucher. Vor Jahrzehnten lag dieser Prozentsatz noch bei 60 Prozent der Bevölkerung.

Immer weniger rauchen

Finnland gehört damit zu den europäischen Ländern mit verhältnismäßig wenig Rauchern. Neben Finnland greift nur in Schweden und Großbritannien weniger als jeder Fünfte gelegentlich zur Zigarette oder zu anderen Tabakerzeugnissen.

Laut diesen Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat ist mehr als jeder Fünfte (21,6 Prozent) im europaweiten Schnitt täglich Tabakrauch in Innenräumen ausgesetzt. Die relativ betrachtet meisten Passivraucher gibt es demnach in Griechenland (64,2 Prozent), die wenigsten in Schweden (5,9 Prozent).

Tageblatt.lu/A.B.