Der mutmaßliche Attentäter, der am Donnerstag in Paris erschossen wurde, war in Luxemburg polizeilich bekannt. Das schreibt die Staatsanwaltschaft am Montag. Im Morgenpanorama von Radio 100.7 war der Kabinettchef von Premierminister Xavier Bettel, Paul Konsbrück, zitiert worden, er könne zu diesem Zeitpunkt nicht bestätigen, ob der Verdächtige sich in Luxemburg aufgehalten habe. Konsbrück war bereits am Sonntag vom Radiosender kontaktiert worden.

Den Informationen der Staatsanwaltschaft zufolge geht es konkret um einen Handtaschendiebstahl vom 16. Oktober 2013. Damals wurden Fingerabdrücke von einer Person sichergestellt, die mit den Abdrücken des mutmaßlichen Paris-Attentäters übereinstimmen, bestätigen die Luxemburger Behörden.

Keine Verbindung

Allerdings konnte diese Person “im Laufe des weiteren Untersuchungsverfahrens nicht in Verbindung mit der Tat (gewaltsames Entreißen einer Damentasche) gebracht werden”, schreibt die Justiz.

Jetzt nehmen auch die zuständigen Behörden in Luxemburg die Identität und den Aufenthaltsort des am 7. Januar getöteten Mannes genauer unter die Lupe. Die Ermittlungen gestalten sich jedoch schwierig, da der Islamist immer wieder falsche Identitäten angenommen hat, worauf auch Etienne Schneider, Minister für Innere Sicherheit und Verteidigung, am Montagmorgen bei einer Pressekonferenz hinwies.

In diesem Zusammenhang stellt am Montag der Abgeordnete Laurent Mosar (CSV) eine dringende parlamentarische Anfrage an Staatsminister Xavier Bettel (DP), an den für Innere Sicherheit zuständigen Minister Etienne Schneider (LSAP) sowie an Justizminister Félix Braz (déi gréng). Mosar fragt, ob die Minister bestätigen können, dass Tarek Belgacem tatsächlich in den letzten Jahren in Luxemburg wohnte?

Dringende Frage

Am Sonntag hatte Frankreichs Innenminister, Bernard Cazaneuve, bekannt gegeben, dass sich der mutmaßliche Attentäter unter anderem auch in Luxemburg aufhielt, ohne weitere Details zu nennen. Aus Sicherheitskreisen in Deutschland hieß es, der Mann habe einen Asylantrag dort gestellt (Link).

Mosar will des Weiteren wissen, ob er von den Sicherheitsbehörden erfasst wurde und ob sich Belgacem hierzulande straffällig wurde. Schließlich will der Abgeordnete wissen, ob der mutmaßliche Attentäter der Terrororganisation Islamischer Staat nahe stand und ob die Luxemburger Behörden beim Erfassen von Belgacem, Hinweise zu möglichen Attentaten in Paris bekommen hätten. Und wenn ja, ob sie diese auch an die zuständigen Behörden in Frankreich weitergeleitet hätten, so der CSV-Abgeordnete.

Polizeirevier attackiert

Mit einem Metzgerbeil bewaffnet und “Allahu Akbar” rufend, war der Mann am ersten Jahrestag der “Charlie Hebdo”-Anschläge auf ein Polizeirevier im Pariser Viertel Goutte d’Or losgegangen. Er wurde von Polizisten erschossen. Tarek Belgacem, wie der Mann aus Tunesien hieß, trug zu diesem Zeitpunkt auch eine Sprengstoffgürtel-Atrappe.

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