Bettencourt-Affäre

09. Februar 2012 15:21; Akt: 09.02.2012 15:39 Print

Schlecht für Sarkozys WahlkampfSchlecht für Sarkozys Wahlkampf

Mitten im französischen Präsidentschaftswahlkampf kocht die Korruptions- und Spendenaffäre um die L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt (89) wieder hoch.

storybild

In dem Anklageverfahren wird Eric Woerth, früherer Arbeits- und Budgetminister, "passive missbräuchliche Einflussnahme" vergeworfen. (Bild: AFP)

  • Artikel per Mail weiterempfehlen

Die Justiz in Bordeaux leitete in der Nacht zum Donnerstag nach rund zwölfstündiger Vernehmung ein Anklageverfahren gegen den früheren Arbeits- und Budgetminister Eric Woerth ein. Der 56-Jährige gilt als enger Vertrauter des amtierenden Staatschefs Nicolas Sarkozy. Im Präsidentschaftswahlkampf 2007 kümmerte er sich unter anderem um die Kampagnenfinanzierung.

Nach bislang unbestätigten Zeugenaussagen hat Woerth illegale Bargeldspenden von dem inzwischen entlassenen Vermögensverwalter der reichsten Frau Frankreichs angenommen. Patrice de Maistre soll dann für die Zuwendungen mit einem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet worden sein. Maistre hat außerdem Woerths Frau Florence für ein Jahresgehalt von 200.000 Euro in der Vermögensverwaltung von Bettencourt angestellt.

Anklageverfahren

In dem Anklageverfahren wird Woerth "passive missbräuchliche Einflussnahme" vergeworfen. Den Untersuchungsrichtern liegen demnach stichhaltige Beweise vor, dass Woerth sich im Gegenzug für eine Zuwendung für einen Orden für Maistre einsetzte. Das Korruptionsdelikt kann im Höchstfall zehn Jahren Haft und 150.000 Euro Geldstrafe bedeuten. Woerth drohen darüber hinaus weitere Anklageverfahren. Die Vernehmungen gingen bereits am Donnerstag weiter.

Die 89 Jahre alte Bettencourt steht mittlerweile unter Vormundschaft ihres Enkels Jean-Victor Meyers. Die Milliardärin leidet nach Einschätzung von Ärzten an einer Mischung aus Alzheimer und anderen Demenzformen. Bettencourt verfügt nach Schätzungen des US-Magazins "Forbes" über ein Vermögen von etwa 23,5 Milliarden US-Dollar (17,8 Mrd. Euro). Sie hatte sich mit ihrer Tochter in den vergangenen Jahren einen erbitterten Streit über ihren Gesundheitszustand. Françoise Bettencourt-Meyers hatte die Zurechnungsfähigkeit ihrer Mutter wiederholt infrage gestellt. Diese wiederum behauptete bis zuletzt, geistig fit zu sein.

Das Anklageverfahren gegen seinen früheren Minister Woerth kommt für Präsident Sarkozy zu ungünstiger Zeit. Es gilt als sicher, dass der amtierende Staatschef bei den Wahlen in knapp drei Monaten erneut antreten will. Auch Sarkozy selbst wurde schon von einer Angestellten der Bettencourts bezichtigt, einen Umschlag mit Geld erhalten zu haben.

(dpa/Tageblatt.lu)

Kommentare (0 Kommentare)
Es sind noch keine Kommentare vorhanden.
Neues Thema erstellen
Bitte geben Sie Vorname und Name ein. Ihr Beitrag wird nach Prüfung veröffentlicht. Beleidigende, rassistische, nicht in Schriftsprache verfasste oder nicht sachbezogene Beiträge werden gelöscht. Freigeschaltet werden die Beiträge von 7 bis 19 Uhr.

Vorname/Name: 
Titel: 
Ihr Beitrag
(max. 600 Zeichen):