Persona non grata

08. April 2012 12:02; Akt: 11.04.2012 19:57 Print

Grass in Israel künftig unerwünschtGrass in Israel künftig unerwünscht

Die Empörung in Israel über das Gedicht von Günter Grass hat jetzt handfeste Folgen: Der Innenminister erklärt den Schriftsteller zur Persona non grata.

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Der Sockel des vom Literaturnobelpreisträger Günter Grass gestifteten Denkmal in Göttingen ist am Samstag mit Graffiti beschmiert. Auf dem Sockel der Plastik, die auf dem Universitätscampus an die "Göttinger Sieben" erinnern soll, schmierten Unbekannte "SS! Günni Halts Maul". Die Polizei ermittele wegen Sachbeschädigung, sagte eine Sprecherin am Samstag. (Bild: dpa)

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Israel hat Günter Grass wegen seines israelkritischen Gedichts zur Persona non grata erklärt. Ein Sprecher von Innenminister Eli Jischai bestätigte am Sonntag eine entsprechende Entscheidung. Als Persona non grata, also unerwünschte Person, darf Grass nicht mehr nach Israel einreisen.

Jischai sagte nach Angaben seines Sprechers, das Gedicht von Grass habe darauf abgezielt, "das Feuer des Hasses auf den Staat Israel und das Volk Israel anzufachen". Grass wolle so "die Idee weiterbringen, die er früher mit dem Tragen der SS-Uniform offen unterstützt hat".

Literaturnobelpreisträger Grass hatte in seinem Gedicht angeprangert, dass der Iran von einem atomaren Präventivschlag durch Israel bedroht sei, der das iranische Volk auslöschen könne. Zudem schrieb er, dass Israel den Weltfrieden gefährde. Dies hatte ihm harsche Kritik und den Vorwurf des Antisemitismus eingebracht.

Grass soll nach Iran

Jischai sagte weiter: "Wenn Günter Grass weiter seine verqueren und lügnerischen Werke verbreiten will, sollte er dies vom Iran aus tun, dort kann er sicher ein begeistertes Publikum finden."

Das israelische Außenministerium hatte zunächst bestritten, dass Grass nun Persona non grata sei. Sprecher Jigal Palmor sagte der Nachrichtenagentur dpa, ihm sei nichts davon bekannt: "Das erscheint mir Quatsch, ich weiß nicht, wo das herkommt."

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman kritisierte Grass allerdings nach Rundfunkangaben ebenfalls scharf. Bei einem Treffen mit dem italienischen Regierungschef Mario Monti habe er gesagt, die Äußerungen des deutschen Schriftstellers seien ein Ausdruck des Zynismus. Intellektuelle wie er seien bereit, "Juden auf dem Altar der Antisemiten zu opfern".

(dpa/Tageblatt.lu)

  • Mann vun der Stroos am 10.04.2012 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ein totalitärer, nach A-Waffen strebender Gottesstaat wie der Iran, sondern Israel soll laut Herrn Grass die wahre "Bedrohung des Weltfriedens" sein. Man lernt doch nie aus. Ach wie gut, dass es da noch ein paar ehemalige Waffen-SSler gibt, die uns die Welt erklären.

    • de Philosoph am 10.04.2012 21:56 Report Diesen Beitrag melden

      Dir gesitt dat ganzt e bëssen eesäiteg. Et ass richteg, dass den Iran ee sougenannte Gottesstaat ass. D'Géigefro muss awer och erlaabt sinn. Wat ass Israel dann? Korrekt, och ee Gottesstaat! Scho vergiess, d'Geschicht vum "gelobten Land" a vum biblesche Kinnek David séngem Räich? Prinzipien aus dem alen Testament beaflossen de Gesellschaftsmodell an Israel enorm. Informéiert Iech emol, bevir der hei Lektiounen ausdeelt.

    • Mann vun der Stroos am 11.04.2012 10:29 Report Diesen Beitrag melden

      Wann een Israel e "Gottesstaat" nennt, muss ee Lëtzebuerg mat senger kathoulescher Staatsrelioun an eisem chrëschtlech beaflosste Gesellschaftsmodell och esou nennen. Am Géigesaz zum Iran as Israel awer nun emol e Rechtsstaat, den eise westlech-europäesche Critère vu Fräiheet an Demokratie entsprécht. Iwwregens den eenzegen am No'en Osten. Ob e Palästinenser-Staat dësen Critèren entsprieche géif, woen ech staark ze bezweiwelen. Lektiounen wollt ech hei secher net ginn. Wiem dann och? Ech hunn duerchaus matkritt, wat fir eng Zort Leit sech beim Thema Israel oder Judden ëmmer op sou Foren austobt.

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  • de Philosoph am 10.04.2012 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Nach 64 Jahren Existenz muss die Schonfrist Israels ein für allemal ablaufen. Israel ist nicht unantastbar und schon gar nicht unfehlbar. Günter Grass rückt die Debatte um die nukleare Bedrohung endlich wieder ins richtige Licht. Herr Grass: Lassen Sie sich nicht weichkochen von den Heuchlern, Moralaposteln, Besserwissern und Mitläufern. Sie stehen mit Ihrer Meinung nicht alleine da!

  • humanist am 09.04.2012 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Sie haben nur das geäussert und probiert, den Menschen zu erklären, was viele schon länger denken und fühlen aber keiner sich traut öffentlich zusagen. Auch in Israel oder Iran leben Menschen die einfach nur in Frieden leben wollen,wie wir alle, nur für die Politiker sind das Volk doch schon seitlangem egal,da wird einfach Krieg gespielt obs uns passt oder nicht. Nur meine Meinung. mat beschte gréiss,Humanist;)