Wurde in der Bommeleeër-Affäre jahrzehntelang in eine falsche Richtung ermittelt? Spätestens seit der eidesstattlichen Aussage und der zweitägigen Befragung des deutschen Historikers Andreas Kramer vor Gericht, gibt es Zweifel. Es gibt aber auch Zweifel an der Person Andreas Kramer. Entweder der Mann ist ein Verschwörungstheoretiker und benutzt den Prozess als Bühne, oder er sagt die Wahrheit, leidet aber bis heute unter dem zum Teil blutigen Geheimnis seines Vaters und dessen Terrortour durch Mitteleuropa.

BND-Offizier Johannes Kramer mit dem Decknamen “Cello” soll als Agentenführer die Anschläge in Luxemburg zwischen 1984 und 1986 verübt haben. Der Publizist Dr. Andreas von Bülow sieht Verbindungen zu anderen Anschlägen in der Zeit des “Kalten Krieges” . “Das Schema gleicht sich. Der Ablauf der Attentate in zahlreichen europäischen Ländern verlief immer nach festgelegten Regeln. So wurden unter anderem in Südtirol im Norden Italiens in den 80’er Jahren zahlreiche Strommasten gesprengt,” erklärt von Bülow am Donnerstag gegenüber Tageblatt.lu. Er glaubt den Aussagen von Kramer. Von Bülow sieht, wie auch der Historiker Andreas Kramer, Ähnlichkeiten zum Wirken der rechtsradikalen NSU-Terroristen in Deutschland. Er nennt in diesem Zusammenhang auch die Terroranschläge der RAF (Roten Armee Fraktion). Konkrete Beweise dafür gibt es allerdings nicht.

“Stay Behind”-Übung der Bundeswehr

Andreas von Bülow hat nach eigener Aussage in seiner Tätigkeit als Staatsekretär im Verteidigungsministerium zwischen 1976 und 1980 an einer Übung der Bundeswehr bei Biberach in Baden-Württemberg teilgenommen. Dort trainierten damals die Fernspäher der Bundeswehr. Die Elitetruppe war im Kriegsfall als “Stay Behind” im militärischen Sinne vorgesehen und sollte sich von den Truppen des Warschauer Paktes überrollen lassen und im Hinterland aktiv werden.

Der Historiker Kramer und dessen verstobener Vater Johannes, welcher für den BND arbeitete, sind von Bülow nicht bekannt. Dr. Andreas von Bülow war unter anderem Staatsekretär im Verteidigungsministerium und wenig später Bundesminister für Forschung und Technologie unter dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Von Bülow machte sich später als Publizist mehrerer politischer Sachbücher einen Namen. Darin tauchen auch “Stay Behind”-Aktionen auf. Allerdings genießt der Publizist den Ruf, Verschwörungstheorien zu verbreiten.

fo/Tageblatt.lu