Ende vergangenen Jahres hat Justizminister François Biltgen den Entwurf zur Reform des Strafvollzugs im Parlament deponiert. Wichtiges Element in dieser Reform, die zu einer besseren Wiedereingliederung von Straftätern führen soll, ist das “Centre pénitentiaire” in Givenich. Am Freitag besuchte Großherzogin Maria Teresa die Einrichtung im Osten des Landes.

Die Philosophie dieser Einrichtung, die derzeit 94 Bewohner zählt (wovon 7 Frauen sind) ist, dass die Bewohner keine “normalen” Gefangenen sind. Einmal verurteilt und unter gewissen Bedingungen können die Häftlinge Givenich tagsüber verlassen, um zum Beispiel einer geregelten Arbeit nachzugehen (offener Vollzug). Oder aber der Häftling ist in einem der hauseigenen Ateliers beschäftigt. Zu den Hauptaktivitäten im sich auf 140 Hektar erstreckenden Gelände zählen Landwirtschaft, Gärtnerei, Kochen, Schreiner- sowie Schlosserarbeiten. Die Nacht müssen die Betroffene aber immer (in ihrem Zimmer eingeschlossen) im “Centre pénitrentiaire” verbringen.

Neues Leben in Freiheit

Ziel einer solchen Einrichtung ist es, neben einer Kontrolle der Insassen auch die Straftäter progressiv auf die “Zeit danach”, also auf ein erneutes Leben in Freiheit, vorzubereiten. Justizminister François Biltgen erklärte, dass Einrichtungen wie die in Givenich nicht sehr verbreitet seien. Zum Beispiel gebe es im Nachbarland Frankreich nur eine einzige dieser Art. Biltgen unterstrich, dass der humane Strafvollzug (der durch die Reform des Strafvollzugs ausgebaut werden soll) aber kein Ziel an sich, sondern vielmehr einfach eine Voraussetzung für eine erfolgreiche spätere Wiedereingliederung in die Gesellschaft sei.

Eine ähnliche Maßnahme stellt die sogenannte “elektronische Fußfessel” dar. 40 Häftlinge würden derzeit von dieser Maßnahme profitieren und könnten ein fast normales Leben in kontrollierter Freiheit führen. Ein Modell, das in Zukunft noch weiter ausgebaut werden soll, wie Biltgen erklärte. Anfragen seitens der Justiz, die Zahl von 40 Fußfesseln zu erhöhen, lägen bereits vor.

Tom Wenandy/Tageblatt.lu