Das Hintergründige ist, dass ein Mediziner die Ausstellung organisiert hat, der inhaltlich mit dem Spendenempfänger nichts zu tun hat. Und dass er sich außerdem als Botschafter der Künstler seines Landes versteht.

Luxembourg Centre for Systems Biomedicine
Fundraising macht laut Philippe Lamesch rund ein Prozent des Gesamtetats des „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ (LCSB) aus. Die im letzten Jahr gesammelten 30.000 Euro sind in eine Langzeitstudie geflossen, um die Ursachen von Parkinson besser zu verstehen und letztendlich Therapieformen zu entwickeln. „Parkinson wird erst diagnostiziert, wenn es schon viel zu spät ist“, sagt Lamesch.
Die „Substantia Nigra“ ist ein kleiner, an und für sich unscheinbarer, dunkel gefärbter Teil des Mittelhirns. Erst wenn dort ca. 80 Prozent der Zellen abgestorben sind, kommt es zu den für Parkinson typischen Symptomen.
„Wir wissen, dass es rund ein Dutzend Genmutationen gibt, die Parkinson verursachen“, sagt Lamesch. Einem berühmten Parkinson-Kranken hat die Stammzellenforschung schon geholfen. Michael J. Fox, bekannt aus „Back to the Future“, erkrankte im Alter von 30 Jahren. 2000 gab er seine Schauspielkarriere auf. 2013 feiert er dank einer neuen Medikamentenkombination sein Comeback als Seriendarsteller.
Ein anderes Beispiel ist Google-Gründer Sergey Brin, bei dem die Genmutation bereits festgestellt wurde, die Krankheit aber noch nicht ausgebrochen ist. Mit den Spenden der diesjährigen Ausstellung sollen Post-Doc-Stellen finanziert werden, um weitere Forschung für das LCSB zu betreiben. Das Institut beschäftigt derzeit 250 Mitarbeiter.

„Kunstmäzen“ wäre dem bescheiden und offen wirkenden Hals-Nasen-Ohrenarzt mit Praxis in Differdingen wahrscheinlich viel zu hoch gegriffen. „Philanthrop“ auch. Für Gilles Weidig ist das Engagement für die Kunst ein Hobby, sein Hobby. Und er hat eine Mission. „Ich persönlich finde, die luxemburgische Kunst ist nicht so schlecht wie ihr Ruf das manchmal scheinen lässt“, sagt er, „es gibt hier, im Gegenteil, qualitativ sehr hochwertige Kunst.“
Zwar hat er sich mit den modernen Klassikern auseinandergesetzt, aber für die zeitgenössische Kunst schlägt sein Herz.

Ein Herz für die zeitgenössische Kunst

Der Grund ist ein so einfacher wie einleuchtender. „Ich mag das so sehr, weil ich das selber nicht kann“, sagt er. Also betätigt er sich als Kurator für andere, die in seinen Augen eine breitere Öffentlichkeit als bisher verdienen.
Das hat offensichtlich Überzeugungskraft. Nach der Kulturfabrik hat er zum zweiten Mal luxemburgische Künstler dazu bewegt, an einer Ausstellung teilzunehmen, deren Verkaufserlöse nicht ausschließlich in die eigene Tasche wandern. 28 Künstler haben mitgemacht, es sind auch sehr junge dabei wie Sandra Biewers, Sandra Lieners oder Sarah Schleich.
Die Aufteilung Spenden-Künstlereinnahmen ist ein Sowohl-als-auch-System. Teile der Erlöse gehen an das „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ (LCSB), das hierzulande federführend in der Erforschung der Parkinson-Krankheit ist. Der Rest ist für den Künstler.

„Das Konzept war nie, wir wollen etwas geschenkt haben“, erklärt Weidig, „es ist immer noch das Werk des Künstlers. Wenn es verkauft wird, haben wir Glück gehabt, wenn nicht, geht es zurück.“ Das „Wir“ bezieht sich auf den Co-Kurator, der neben seiner offiziellen Funktion als Fundraiser für das LCSB selbst künstlerisch aktiv ist. Philippe Lamesch macht Kunstdrucke. Er kennt die Idee, mit Kunst Geld für den guten Zweck zu sammeln, gut. In den USA wird Philanthropie dieser Art großgeschrieben.

Erfahrung mit Kunst für den guten Zweck

Der Fundraiser hat lange Zeit dort gelebt und persönliche Erfahrungen als Künstler mit dieser Art von Spenden. „Ich bin damals sehr oft angesprochen worden, ob ich nicht ein Werk für derartige Zwecke hergeben will“, erzählt er.
Gestört hat ihn immer, dass es ruhig ein Werk der Sorte „Ladenhüter“ hätte sein dürfen. Im Falle eines Verkaufs hätte der Künstler und Spender Lamesch keinen müden Cent gesehen. „Mehr als das gute Gefühl, etwas für die Allgemeinheit getan zu haben, hat man dabei nicht“, sagt Lamesch. Im Nebeneffekt kommt bei einer Ausstellung mit Werken, die niemand wirklich haben will, zwangsläufig kein gutes Niveau zustande. „Deshalb machen wir hier alles anders“, sagt er.
Bei den Vorteilen, die bei „Art2Cure“ auf der Hand liegen, wundert es nicht, dass die rund 80 Werke schnell zusammenkamen. Viele sind extra für die Ausstellung entstanden. Den Künstlern bleibt etwas von dem Erlös bei einem Verkauf.

Die Präsentation im Licht durchflutenden und im Übrigen gut frequentierten Foyer der Banque International à Luxembourg (BIL) hat mindestens die gleiche Wirkung wie die Präsentation bei einem eingesessenen Galeristen. Und es gibt zwei, die sich aktiv um das Marketing kümmern. Sieht aus wie eine echte Win-win-Situation und nicht eine schön- oder sogar herbeigeredete nach dem Motto „der Zweck heiligt schon irgendwann die Mittel“.

Tageblatt.lu/wie