… – laut Robert Bassing, Bierhistoriker und früherer Verkaufschef bei den “Brasseries réunies de Luxembourg” – zehnmal im Jahr brauten (cf. “Onse Be’er ass gudd!”, Editions Schortgen).

Robert Schneider rschneider@tageblatt.lu (Bild: Tageblatt)

Spuren erster Brauereien im Stadtviertel Clausen gehen auf das Jahr 1511 zurück, seit 1825 wurde von Michel Mousel an diesem Standort Bier unter seinem Familiennamen produziert und vertrieben. Das Datum 1511 dürfte somit als Geburtsstunde des Bierbrauens mit gewisser methodischer Konsequenz in Luxemburg angesehen werden: Seit 500 Jahren also gibt es bereits Brauereien und Braukunst im Land und (fast) niemand merkt etwas davon. Soweit wir wissen, war das Jubiläum lediglich Thema eines Festwagens beim Wiltzer “Gënzefest”; ansonsten herrscht Funkstille. Nach der Fusion der “Brasseries réunies de Luxembourg” mit der Diekircher Brauerei (2000) und der Übernahme der so entstandenen “Brasserie de Luxembourg Mousel-Diekirch” im Jahre 2002 durch die belgische Gruppe Interbrew, die später in InBev aufging und heute zum weltgrößten Bierkonzern AB InBev gehört, ließ das Interesse an der Marke Mousel nach.

Seit der Schließung der Clausener Brauerei wurden die Mousel-Biere zwar weiter in Diekirch produziert (unter Zusatz von Farbstoffen, für Bierliebhaber auch außerhalb des deutschen Reinheitsgebotes ein “no go”). Echtes Interesse an der Marke hat der multinationale Produzent allerdings nicht: Der aktuelle Internetauftritt der “Brasserie de Luxembourg” nennt Mousel nicht einmal mehr in der Auflistung seiner Produktpalette und erwähnt die Sorte nur noch am Rande.

Zwischenzeitlich wurde das einst stolze Bier der Hauptstadt von einer großen deutschen Gastronomiezeitschrift zum “schlechtesten Bier Luxemburgs” gekürt.

Schnell wechselnde belgische Direktoren

Ob die schnell wechselnden belgischen Direktoren der “Brasserie de Luxembourg” (der letzte kam im Februar) überhaupt eine Ahnung haben, welches Jubiläum da anstand, oder ob ganz bewusst auf einen Bezug zum früheren Standort Clausen verzichtet wird, entzieht sich unserer Kenntnis. Schade ist es allenfalls, dass das Jubiläum (bislang) verpasst wurde.

Auch die kaum noch in Erscheinung tretende “Fédération des brasseurs”, der zuletzt ohnehin nur noch die “Brasserie nationale” (Bofferding und Battin) und die Wiltzer Brauerei Simon angehörten, nutzte die Gunst des Jahres 2011 nicht.

Ob in einigen Jahren in einem Land, das auf eine lange Biertradition mit einst 35 Brauereien (1865) zurückblickt – von denen damals die größte die “Brasserie Henri Funck” war –, außerhalb von Bascharage überhaupt noch Bier gebraut werden wird, ist fraglich.

Zwar schlägt sich die Wiltzer Brauerei noch recht gut, wohl auch dank der dynamischen und jungen Chefin Betty Fontaine, doch haben es Brauereien dieser Größe immer schwerer, die notwendigen Investitionen wirtschaftlich zu stemmen.

AB InBev wird den Produktionsstandort Diekirch aufgeben und Luxemburg nur mehr zum Vertrieb u.a. auch belgischer Biere nutzen. Ob die Pläne der Investorengruppe Saphir zum Bau einer neuen Brauerei in Diekirch Realität werden, ist immer noch fraglich.

Bleibt neben einer kleinen artisanalen Brauerei in Clausen (Clausel-Bier) nur noch die Bofferding-Brauerei, die auf Expansionskurs ist und neben der Großregion u.a. auch China als Exportziel entdeckt hat.

In Luxemburg-Stadt und in Esch, einst ebenso wie Düdelingen stolze Braustädte, riecht es längst nicht mehr nach fermentierendem Gerstensaft. Ein Stück nationaler Identität geht somit verloren. Schade.

Robert Schneider