Jeder neue Terrorangriff gibt uns kurzfristig Einsicht in die Sinnlosigkeit allen Seins. Die Brutalität der Gegenüberstellung öffnet uns in einem Augenblick der klaren Wahrnehmung, inmitten nackten Grauens, den Ausblick auf die ultimative Sinnlosigkeit, welche wir dann aber reflexartig wieder schnell auf das terroristische Morden reduzieren.
Seit der Erfindung des sechsten Sinus, der Transzendenz, vergessen wir immer wieder, unser Denken auf die fünf Sinne zurückzubeziehen, dorthin, von wo unser Denken herkommt.

Wir sind mit Recht stolz auf die späteren Fähigkeiten unseres Hirns, abstrakt zu denken. Doch auch der verrückteste Traum, die genialste Eingebung, wie die perverseste Ideologie, sind immer nur einzigartige Vernetzungen verschiedener Rezesse unseres Hirns.
Alles, was Sinn und Unsinn macht, ist in uns. Wir erfinden nichts außerhalb unseres Hirns und unserer Sinne.

Anzeige

Sinn ist in uns und das Leben ist der Sinn. Weil das aber vielerseits nicht genügt, haben wir den transzendentalen sechsten Sinn, von dem wir glauben, dass er über uns schwebt. Aber nur wenn wir vergessen, dass auch er zwingend eine Evolution der fünf menschlichen, allzu menschlichen Sinne ist.

Nur jemand, für den der Sinn des Lebens nicht das Leben selbst ist, kann einen Sinn darin finden, Leben, und dazu noch unschuldiges, zu vernichten.
Wenn es sinnvoll für den Dominikanermönch war, am Fuße des unter Höllenqualen verbrennenden Häretikers, seinen Gott um die gnädige Aufnahme der geläuterten Seele des Verkohlten zu beten, ist es sinnvoll für den islamischen Terroristen, den Ungläubigen zu töten.

Sinn ist nicht absolut. Er ist so vielfältig wie unser Denken.
Wir sind der Sinn. Was wir daraus machen, ist unser Los.

Jean Schiltz

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here