Geehrte Herren Eberhard, Linden und Ries. Geehrtes Präsidium des Syfel, des Dachverbandes der Kirchenfabriken.

Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter. Und die Welt ist voller Leute, die glauben, das Pulver erfunden zu haben. Jahrelange Berufserfahrung lehrt mich, in welche Kategorie ich persönlich werdende Kritik einzustufen habe. In einem an mich gerichteten Schreiben (Tageblatt, 17. Januar 2018) reagieren Sie auf meinen Tageblatt-Kommentar vom 30. Dezember 2017. In diesem Schreiben verunglimpfen Sie viele Bürger dieses Landes. Ich sehe mich daher gezwungen, Ihnen zu antworten. Auch wenn es „moutarde après dîner“ ist, da die Kirchenfabriken inzwischen nicht mehr existieren. Ich tue es sehr ungern. Ich werde nachstehend aus einem Text zitieren, den Sie, Herr Linden, in Ihrer Eigenschaft als Vizepräsident des Syfel verfasst haben. Der Titel des Textes lautet: „Trennung von Kirche und Staat. Eine Scheidungstragödie und ihre Tücken“ …

1) Sie alle drei belehren mich, dass Kirchenfabriken auf das 12. Jahrhundert zurückgehen und durch das Dekret von Napoleon lediglich neu geordnet wurden.
Ich zitiere Sie, Herr Linden, aus o.g. Text:
„Eine Institution von 1809, die auch noch auf Napoleon zurückgeht … ist im 21. Jahrhundert nicht mehr angemessen“. Was denn nun?
Geht es um Institutionen, die 1809 geschaffen wurden, oder um solche, die ins 12. Jahrhundert zurückgehen und 1809 modernisiert wurden? Entscheiden Sie sich.

2) Sie alle drei belehren mich, es würde sich in der ganzen Diskussion mitnichten um eine Trennung von Kirche und Staat handeln. Keine Trennung? Meine Güte. Worüber haben Sie, Herr Linden, Eberhard und Ries, denn die ganze Zeit geredet und geschrieben? Daher wohl die vielen, unseligen „Missverständnisse“.

3) Sie schreiben, der von Ihnen benutzte Terminus Spoliation würde sich nicht auf die „Enteignung der Juden Anfang des 20. Jahrhunderts“ beziehen, sondern auf die Enteignung in der Französischen Revolution.
Ich bleibe dabei: Im Zusammenhang mit einer „Institution von 1809“ kann man nicht von Spoliation reden. Die Französische Revolution kann keine Institution von 1809 enteignet haben, weil es diese Institution zu ihrer Zeit noch nicht gab. Es ist daher auch nicht möglich, dass einer Institution von 1809 etwas zurückgegeben worden sei, was ihr vorher gehört haben soll. Die enteigneten Güter gehörten entweder dem Bistum, Klöstern oder Ordensgemeinschaften. Die Kirchenfabriken von 1809 wurden lediglich mit der Verwaltung der zurückgegebenen Kirchengüter beauftragt. Sie wurden mit dem Dekret nicht zu Eigentümern genannt.

4) Die Kirchenfabriken haben als Gesprächspartner den Erzbischof, dem sie unterstehen. Dieser hat laut Dekret von 1809, Artikel 87 das Recht, zu jeder Zeit Einsicht in die Konten zu verlangen. Die Institutionen von 1809 sind daher allerhöchstens innerkirchliche Beteiligte. Auf nationaler Ebene können sie nicht verhandeln. Sie können nicht verbindlich für die Luxemburger Kirche unterzeichnen. Das kann nur der Erzbischof.

5) Ohne auch nur den geringsten Bezug zu meinen Kommentar am Jahresende fordern Sie drei mich dazu auf, Zitat: „Vergleichen Sie doch einmal die Verordnung zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Kirchenfabriken in Luxemburg vom 2. März 1943 von Gauleiter Gustav Simon mit dem umstrittenen Gesetzesentwurf 7037. Die Parallelen sind mehr als auffällig.“

Ich werde das nicht tun. Ich bin aber entsetzt darüber, mit welcher Leichtigkeit Sie, meine Herren, alle die, die nicht Ihrer Meinung sind, in die Nähe der Nazis rücken.
Sie diskreditieren und beleidigen mit diesem Nazi-Vergleich nicht nur die ganze Regierung, den Innenminister, der ihn vor das Parlament gebracht hat, den Erzbischof und den Generalvikar, der ihn aufs „Schlimmste verurteilt“.
Sie diskreditieren und beleidigen auch die Mitglieder des Parlaments und viele Bürger im Land, die sich 2012 zu rund 67% für eine Trennung von Kirche und Staat ausgesprochen haben.

Vor allen diskreditieren Sie sich selber und sie diskreditieren das Syfel. Ich glaube nicht, dass alle Syfel-Mitglieder Ihren Vergleich mittragen. Zu viele von ihnen wissen, welchen schlimmen Nazi-Verbrechen mit ähnlichen Vergleichen und Parallelen der Boden bereitet wurde. Ihr Vergleich ist eines Syfel unwürdig. Ich bitte Sie dringend, künftig von solchen Parallelen in an mich gerichtete Schreiben abzusehen.

6) Ihre Texte erinnern mich vom Niveau her an meine Zeit als 14-15-jähriger Gymnasialschüler in Echternach. „Poetisch, pathetisch, romantisch“ stand einmal auf dem Prüfungsbogen eines Mitschülers und auf meinem. Wir hatten gerade Borchert gelesen „An der heutigen Zeit vorbei, unsachlich“, lautete die Begründung des Deutschlehrers. Weil es naheliegend war, diese Kritik mit dem Titel des Buches zu verknüpfen, habe ich mir gemerkt: Wenn du unsachlich wirst und dich von Emotionen leiten lässt, dann musst du den Zeitgeist treffen. Es darf nicht wie aus längst vergangenen Zeiten in das Heute herüberklingen. Ansonsten riskierst du, dich sehr schnell statt inmitten einer spannenden, aktuellen Diskussion dort wiederzufinden, wo das Syfel unter seiner aktuellen Führung heute leider steht und wie der Titel des Buches von Wolfgang Borchert lautet: „Draußen vor der Tür“.

2 Kommentare

  1. Bravo Herr Kennerknecht.
    Ich hoffe,dass der Sieur Linden sich nunmehr seines eigentlichen Berufes widmen kann. Er ist Deutschlehrer im Gymnasium in Echternach. Gut,dass diese Peinlichkeiten nun vorbei sind. Nach dem dubiosen ” Fir de Choix”-Trio nun auch das Aus für das Syfel. Wir können wieder in die Zukunft blicken..

Schreiben Sie einen Kommentar zu Konz Eveline Antwort abbrechen


Please enter your comment!
Please enter your name here