Es dürfte nun schwierig werden für die parteiinternen Kritiker in der SPD, entscheidende Argumente gegen eine Neuauflage der großen Koalition mit den Unionsparteien zu finden. Inhaltlich wurde alles andere als wenig erreicht und bei der Verteilung der Ministerressorts wurden die Sozialdemokraten weit über ihrem Gewicht bedient.

Dieser Aspekt der Verhandlungen lässt allerdings klar erkennen, dass die bleibende Bundeskanzlerin Angela Merkel alles daransetzt, dass der Mitgliederentscheid bei ihrem alten/neuen Koalitionspartner möglichst glatt über die Bühne geht. Ob die SPD-Basis das durchaus sehenswerte Verhandlungsergebnis honorieren wird, ist alles andere als ausgemacht.

Selbst wenn man in Rechnung stellt, dass langjährige, treue Parteigenossen eher immun gegen einen Zeitgeist sein dürften, der verlangt, gegen die oben Etablierten zu opponieren, hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten aufgrund des Zickzackkurses und einer gewissen Perspektivlosigkeit hinsichtlich notwendiger und grundlegender Veränderungen doch ein Frust angestaut, der nach einem Ventil sucht.

Auf der anderen Seite dürfte jedoch klar sein, dass eine Ablehnung der GroKo unweigerlich zu Neuwahlen führen wird, die die SPD, deren politischer Marktwert mittlerweile unter die 20-Prozent-Marke gerutscht ist, vollends abstürzen lassen würde. Insofern dürfte die beste unter den schlechten Optionen der Versuch sein, Zeit in einer Regierungsbeteiligung zu gewinnen und diese bis zu den nächsten Wahlen zu nutzen.

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