In den vergangenen Wochen streikten gleich mehrmals Gefangene in der Schrassiger Haftanstalt. Wieso genau, konnten wir bislang nicht in Erfahrung bringen. Zwar gibt es seit einiger Zeit auch in Schrassig eine Gefangenendelegation, doch diese ist nur innerhalb der „Mauern“ aktiv und die Kommunikation nach „draußen“ muss vom Gefängnisdirektor genehmigt werden, was dieser aber bislang nicht getan hat. Eine Gefangenengewerkschaft, wie es sie zum Beispiel in Deutschland gibt, hat Luxemburg nicht. Dafür gibt es aber eine Gewerkschaft der Gefängniswärter, die nun paradoxerweise vom Streik der Gefangenen profitiert, um ihre Forderung nach neuem „Material“ durchzusetzen.

Die Vollzugsanstalt Schrassig ist für rund 600 Häftlinge ausgelegt. Im Laufe der Jahre kam es immer wieder zu Überbelegungen. Rund 50 Prozent der Insassen sind Untersuchungshäftlinge. Um Schrassig zu entlasten, wird nun auf „Uerschterhaff“ in Sanem ein Untersuchungsgefängnis gebaut, das in vier Jahren eröffnen soll. Bessere Resozialisierungsmaßnahmen, die Einführung der elektronischen Fußfessel und eine bessere Wärterausbildung werden zurzeit im Rahmen eines Gesetzesprojekts zur Reform des Strafvollzugs in der Abgeordnetenkammer diskutiert.

Wahre Alternativen zum klassischen Strafvollzug, wie es sie z.B. in Norwegen gibt, sind unseres Wissens nicht geplant. Und auch eine Lockerung des Rauschmittelgesetzes würde mit Sicherheit dazu führen, dass das Gefängnis weit weniger überlastet wäre, wie das Beispiel Niederlande zeigt. Doch Justizminister Felix Braz muss aufpassen, dass er „Uerschterhaff“ nachher nicht noch umsonst gebaut hat.

1 Kommentar

  1. ” Umsonst gebaut?” Glaube ich nicht. Mit der zunehmenden Verrohung und Rücksichtslosigkeit die in der Gesellschaft herrscht wird es in Zukunft noch mehr Unterkünfte für Kriminelle geben müssen.

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