Rajoy hat den katalanischen Traum nicht zum Platzen gebracht. Gesetze gegen Träume, das hat noch nie funktioniert – wie sollen sie auch? Der konservative spanische Premier hat diese Wahlen gewollt. Seine Niederlage hat er sich selber zuzuschreiben. Die Polizeigewalt beim Referendum am 1. Oktober hat ihn und den spanischen Staat vollends diskreditiert in Katalonien.
Eine Staatsgewalt, die mit Knüppeln Menschen vom Wählen abhält, das waren Bilder, die auch Resteuropa aufgrund seines mehrheitlichen Schweigens schlecht dastehen ließen.
Es waren Bilder, die um die Welt gingen und all jenen in die Hände spielten, die sich ein geschwächtes, geteiltes Europa herbeisehnen, um ihr autoritäres Regieren zu rechtfertigen. Sie konnten den Finger in die spanische Wunde legen und ihren Unterstützern sagen, schaut her, wie die, die uns undemokratisches Vorgehen vorwerfen, mit Menschen umgehen, die sich Freiheit und Selbstbestimmung wünschen – ein gefundenes Fressen für populistische Autokraten, wie die Welt sie gerade in beängstigender Regelmäßigkeit hervorbringt.
Die Unabhängigkeitsfrage lässt sich nicht auf einen Punkt reduzieren. Was dem katalanischen Traum aber einen bitteren Bei geschmack gibt, ist der ihm beiwohnende Egoismus: Eine reiche Region will weniger mit dem ärmeren Rest des Landes teilen.
So etwas kostet Sympathiepunkte, und die braucht die Region in der Welt, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Mit der ideellen Unterstützung von Autokraten lässt sich bei der Europäischen Union nichts einlösen.
Zusätzlich verstärkt wird dieser Eindruck, da die Wirtschaftskrise ab 2007 die Unabhängigkeitsbewegung befeuerte. Spanien stand damals am Abgrund, Katalonien verhältnismäßig blendend da. Doch in Krisenzeiten sollte Solidarität oberstes Gebot sein. Alles andere untergräbt jegliches Vertrauen. Ewig auf stur schalten und die Polizei losknüppeln lassen, allerdings auch. Bleibt zu hoffen, dass die Menschen in Katalonien und Spanien sich einmal wiederfinden können, unter welcher Form auch immer.

2 Kommentare

  1. Rajoy bezieht sich bisher nur auf Gesetzen, verkalkuliert sich bei dem Ausgang der zweiten Wahlen. Jetzt muss er Staatsmännisch handeln und mit ein Plan für die Zukunft her. Mal schauen ob er das kann.

    • Der kann NIX, genau wie Merkel, Orban, Juncker und Kurz, ausser den Reichen die Taschen noch mehr fuellen! Neoliberalismus und Konservatismus gehoeren auf den Muell der Geschichte.

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