Dass wir im Zeitalter der totalen Überwachung leben, weiß ein jeder. Rätselhaft bleibt aber, wieso wir diese Gegebenheit einfach hinnehmen, uns kaum dagegen auflehnen – als wären diese Kontrollapparate ein erwünschtes Gottsubstitut in einer säkularen Welt. In „Surveiller et punir“ interessierte sich der Philosoph Michel Foucault für die Geschichte der Gefängnisse und erwähnte u.a. Jeremy Benthams Idee des Panopticons – eines kreisförmigen Gefängnisses, in dessen Mitte ein Wachturm steht. Man kann allerdings nicht erkennen, wer und vor allem ob da gerade jemand im Wachturm drinsitzt und die Inhaftierten überwacht. Dass dieses Panopticon mittlerweile zur vielleicht besten Umschreibung des digitalen Zeitalters geworden ist, ist klar.

Aber im Gegensatz zu Benthams Panopticon sind wir nicht eingesperrt, muten uns unseren Häftlingszustand selbst zu. Es wirkt fast, als wären wir einen impliziten Teufelspakt mit den heutigen Überwachungsorganen eingegangen: Das digitale Zeitalter erleichtert uns so einiges, aus reiner Bequemlichkeit geben wir Arbeit an Maschinen ab (wir lesen beispielsweise keine Straßenschilder mehr, sondern lassen Google Maps uns leiten). Dies führt aber dazu, dass diese Maschinen zu mächtigen Kontrollorganen geworden sind.

Weil Wissen heute mehr denn je Macht ist, wir aber Wissen abgeben müssen, um in unserer Komfortzone aus den digitalen Vorzügen Nutzen ziehen zu können, lassen wir ein solches Vorgehen zu. Dazu kommt, dass wir der Überwachung oftmals einwilligen, weil wir ja nichts zu verbergen haben. Dabei wissen wir meist zu wenig über diejenigen, die alles über uns wissen – geschweige denn, was sie mit diesen Kenntnissen vorhaben.

Lesen Sie zum Thema auch den Bericht “Digitale Nabelschnur – Two Pigeons Perching on a Bench im Kasemattentheater”.

Digitale Nabelschnur – „Two Pigeons Perching on a Bench“ im Kasemattentheater

 

1 Kommentar

  1. Toller Bericht. Vielleicht wäre auch die Erinnerung an das Werk vom Weltweisen aus Königsberg Immanuel Kant “Was ist Aufklärung?” sicher angebracht, doch zu viele sehen es nicht und ignorieren es einfach. Nach wie vor ist dieser genannte Essay von Kant heute rezenter denn je.

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