Historische Gesten

Historische Gesten
(Reuters/Carlos Barria)

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US-Präsident Obama in Hiroshima

Barack Obama hat als erster US-Präsident Hiroshima besucht. Das Ereignis ist historisch. Die Geste des Nicht-Entschuldigens hingegen fragwürdig. Sie passt jedoch zur gemischten Bilanz von Obamas Präsidentschaft. Sein feines Gespür für historische Zusammenhänge, gekoppelt an seine teilweise erschreckend naiven geostrategischen Entscheidungen, ergab mitunter eine gefährliche Mischung. Im Falle Hiroshimas sind sie, je nach Perspektive, zumindest geschmacklos – oder aber konsequent.

dsabharwal@tageblatt.lu

Nichtsdestotrotz gehört auch dieses Ereignis zu Obamas Streben, sich durch große Gesten oder Entscheidungen in den Geschichtsbüchern zu verewigen. Allerdings ging dies in der Vergangenheit bereits mehrere Male schief. Man erinnere sich an Afghanistan und den Irak. Jeder hatte sich den Rückzug der US-Truppen gewünscht. Doch, wie so oft, hatte man keine Strategie für die Zeit danach. Der Aufstieg der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) fußte genau auf diesem Machtvakuum.

Das Gleiche gilt für den historischen Einsatz gegen Libyens Langzeit-Diktator Muammar al-Gaddafi. Nach seinem Sturz hatte die Obama-Administration nur wenig Konstruktives geleistet. Das Resultat: Mali und die Sahelzone im weitesten Sinne wurden mit Gaddafis Waffen überflutet und die Region zum Terrorparadies. Nur der Iran-Deal und die Normalisierung der Beziehungen zu Kuba werden aus historischer Perspektive unzweideutig sein. Hiroshima sicherlich nicht.