Graues Herbstwetter. Es regnet. Typisch November. Die über 70 Staats- und Regierungschefs, die sich in Paris zur Erinnerung an das Ende des Ersten Weltkriegs auf den Pariser Champs-Elysées eingefunden haben, sind allesamt dunkel gekleidet. Über ihnen schwebt ein Meer aus grau-schwarzen Regenschirmen. Die dunkle Kulisse und die finsteren Mienen wollen irgendwie nicht zum künstlich gestellten und ansonsten doch so harmonisch wirkenden Familienfoto passen. Es soll unbedingt vermittelt werden, dass alle zusammenhalten. Nach dem Motto: Nie wieder Krieg. Wirklich?

Aber was ist mit dem seit Jahren andauernden Massaker in Syrien, an dem einige dieser Staats- und Regierungschefs direkt beteiligt sind? Oder der sich zuspitzenden Situation in Nahost? Oder der russischen Krim-Annektion? Oder den Iran-Sanktionen? Oder dem bröckelnden INF-Vertrag zur Atomwaffenabrüstung? Oder Trumps “America first”- und Anti-alles-Politik? Macron wagt in seiner Rede einen subtilen Exkurs an die Adresse des US-Präsidenten, der sich rühmt, ein Nationalist zu sein. Macron macht klar, ohne Namen zu nennen, was er davon hält. Trump scheint es nicht zu interessieren.

Etwas später, beim Friedensforum, kommt Merkels weiße Weste zum Vorschein, nachdem sie ihren schwarzen Mantel abgelegt hat. So, als wolle die Kanzlerin ihre Unschuld unterstreichen. Weiß ist aber auch die Farbe der Kapitulation. Vor genau 100 Jahren waren es die Deutschen, die kapitulieren mussten, damit wieder Frieden herrscht. Aber heute sind es tatsächlich andere, die den Weltfrieden in Gefahr bringen. Und daraus macht Merkel keinen Hehl. Sie warnt etwa vor der Gefahr für das “europäische Friedensprojekt”. Und UN-Generalsekretär António Guterres spricht von einer verhängnisvollen “Verkettung” wie in den 1930er-Jahren. Dieser Ausblick klingt nicht wirklich wie Friede, Freude, Eierkuchen.

Und genau deshalb ist der Zusammenhalt so wichtig. Der wahre Zusammenhalt. Nicht der aufgesetzte. Und für Rechtspopulismus oder eine Politik der Spaltung à la Trump gibt es erst recht keinen Platz. Wirklich!

6 Kommentare

  1. Ausser Spesen, nix gewesen ? Wurde am Sonntag, ausser wohlfeilen Reden, auch nur eine einzige Entscheidung in Richtung weniger Krieg, weniger Armut, weniger Hunger, von den Damen und Herren unterschrieben, oder gar umgesetzt. Hätte es ihnen nicht in den Sinn kommen können, gemeinsam ( ! ) ihre Armeen zusammenzustutzen, oder ihre NATO-Ausgaben zu reduzieren statt zu erhöhen ? Betroffene Mienen am Arc de Triomphe .. und dann wieder business as usual. Nur erinnern an die tausende Toten statt sich konkret einsetzen dass das Sterben in der Ukraine, im Jemen, in …. ein Ende hat. Hoffentlich hat niemand von ihnen sich eine Erkältung geholt bei diesem kalten Regenwetter, es wäre doch jammerschade.

    • Mir hat irgendwie der Irakkrieg in diesem Artikel gefehlt. Vielleicht die Erwähnung das George B. noch immer irgendwo auf seiner Ranch sitzt und sich seine Begnadigung gesichert hat, aber ansonsten schönes Kommentar. Es ist und bleibt nur eine pure Heuchelei der sogenannten Volksvertreter.

  2. Allerorts werden wieder martiale Töne laut und man schürt die wieder die Angst vor den Russen. Folgsam will man noch mehr Geld in die Nato aufrüstung pumpen. Ungeniert und völkerrechtswidrig hat z.B. Frankreich Syrien bombardiert und auch die deutsche “Verteidigung”ministerin Von der Leyen scharrt schon mit den Hufen, um es den Großen gleichzutun. Bei alledem boomt die Waffenexportindustrie (z.B. an die Saudische Säurefreunde).
    Unreflektiert unterstützt man die Ukraine in ihrer wenig Kompromissbereiten Haltung und verhindert somit eine friedliche Aussöhnung der einstigen Freunde.

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