Arbeiten wie die, die René Mackel mehrere Jahrzehnte ausgeübt hat, gibt es heute nicht mehr. Sie gehören zur industriellen Revolution des 20. Jahrhunderts und muten fremd an im 21. Jahrhundert. Inmitten der digitalen Revolution wundert das nicht. Generationen von Menschen haben so ihr Berufsleben verbracht und zum damaligen Wohlstand des Südens beigetragen. Es gab hier Arbeit, physisch anfassbare Arbeit. Smartphones, Mr. Google und Jobs, bei denen jeder genauso sauber, wie er morgens zur Arbeit ging, abends wieder nach Hause kam, gab es dort kaum oder nur sehr wenig.

Jahrzehntelang war das so und niemand, der mehrere Generationen von „Schmelzaarbechter“ in der Familie hatte, konnte sich etwas anderes vorstellen. Das Einkommen war klein, die Ansprüche bescheiden, die Solidarität untereinander groß.

Heute ist das Schnee von gestern. Die Betriebe sind abgebaut, verkauft oder Industriedenkmäler. Die Solidarität bröckelt langsam, aber sicher, Werte haben sich geändert. Arbeitsplätze werden zunehmend virtuell und nie mand weiß, wo die Reise für bestimmte Berufe schlussendlich enden wird. Da ist es umso wichtiger, an andere Zeiten zu erinnern. Die Arbeitskraft und Lebensweise von damals nicht ganz einzu motten. Das lässt Rückschlüsse auf das Arbeiten heute zu.

Wenn der Schifflinger Bürgermeister, übrigens ein Bäckerssohn und studierter Lebensmittelchemiker, sich für das Museum einsetzt, hat er eines erkannt: Er bewahrt damit die kulturelle Basis seiner Gemeinde. Das Museum erinnert daran, dass es noch vor relativ kurzer Zeit ganz anders in der Berufswelt ausgesehen und dass auch Schifflingen ein Erbe hat.

Der Zeitpunkt, eine Lanze für das Museum zu brechen, ist günstig. Noch ist das Schicksal der Industriebrache nicht gänzlich besiegelt.

4 Kommentare

  1. Jede Industriestadt sollte sich solche Andenken bewahren, Belval hat den Hochofen, Differdingen behält später vielleicht den Teil einer Greystraße, Düdelingen die Bleche? Schifflingen war doch berühmt für die Drahtstraße, wäre schön, wenn man davon was behalten könnte, u.a. Walzen Schleifmaschinen usw. Solches Material in Natura zu sehen ist jedenfalls besser als auf Fotos.

  2. Wieso hat die Schifflinger Gemeinde das Resistenz-Museum denn auf gegeben ? Ja klar, Mr Weimerskirch war damals nicht Bürgermeister, aber seine Partei im Schöffenrat. Paradoxer geht es wohl nicht.

  3. An wann haut en probeiert eng Fabrik ze bauen wou “Arbeschter” keinten dran eng gudd Schaff fannen, zum Beispil, Yogurt oder Steewollfabrik, dann sinn d’Politiker aus der “Arbeschter”partei dergeint.
    Gudd dass mer virun 150 nach net dei Nimbimentaliteit haaten.

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