Vergangene Woche entschied die Kuratorin der Manchester Art Gallery, Clare Gannaway, das Werk “Hylas and the Nymphs” des englischen Malers John William Waterhouse, auf dem mehrere nackte, unheilbringende Frauen zu sehen sind, abzuhängen.

Liest man nun so manchen Online-Kommentar oder auch vereinzelte Leitartikel in luxemburgischen Zeitungen, hat man den Eindruck, dass viele nicht begriffen haben, um was es bei der Aktion eigentlich ging. Es handelte sich nicht um einen Akt der Zensur oder ein Interpretationsdiktat, sondern derzeit besteht die Möglichkeit, seine Meinung zum Thema auf einem Post-it auszudrücken und es an jene Stelle zu pinnen, an der sich das Gemälde befand.

Inhalt der Diskussion soll explizit sein, wie Bilder mit einem derartigen Inhalt heutzutage gezeigt werden könnten. Es geht um den Rahmen – und zwar nicht jenen des Bildes, sondern um die Art und Weise, mit dem Thema umzugehen. Damit ist u.a. gemeint, dass die Gesellschaft scheinbar erneut lernen muss, konstruktiv und kritisch über Nacktheit (unabhängig vom Geschlecht) und die Darstellungen ebendieser zu diskutieren.

Solange nackte Haut von Medien, Werbeagenturen oder HobbypöblerInnen zweckentfremdet wird, kann dies nicht gelingen. In Ermanglung eines natürlichen Umgangs mit etwas eigentlich Natürlichem bleibt auch eine sinnvolle, natürliche Debatte verwehrt.

1 Kommentar

  1. Ich gebe Ihnen im Allgemeinen Recht, verstanden haben die Chose in Luxemburg die wenigsten Journalisten.

    Ich möchte nur zwei Bemerkungen machen, wenn es gestattet ist:
    1. Nackheit ist, denke ich, nicht natürlich, sondern ein kulturelles Konstrukt, allerdings ist Natürlichkeit auch ein solches Konstrukt. Fazit: es gibt keinen „natürlichen“ (man müsste wohl „spontanen“ sagen) Umgang mit Nacktheit.
    2. Es stellt sich doch die Frage, ob diese Aktion nicht Aussruck eines neuen Puritanismus ist. Die Kunst im 20. Jahrhundert steht wohl eindeutig für anything goes. Dass sich im, nicht mehr ganz jungen, 21. Jahrhundert derart über ein paar Brüste echauffiert werden kann, deute ich als Zeichen für eine neue Prüderie.

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