Nach dem „Rauswurf“ der ehemaligen Koordinatoren von Esch 2022, Janina Strötgen und Andreas Wagner, hat das neue Team nun einen radikalen Kurswechsel vollzogen. Mehrere Projekte aus dem Bid Book, die laut Nancy Braun unausgereift und zu teuer waren, wurden gestrichen.

Die betroffenen Künstler bestreiten, dass ihre Projekte nicht durchdacht gewesen seien, und empfinden diese Behauptung der neuen Generaldirektorin als Frechheit. Immerhin war das Konzept gut genug für die Jury, der Stadt Esch den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt zu verleihen.

Was viele Künstler am Projektaufruf aber am meisten stört, ist die neue Regelung, dass Esch 2022 die Projekte künftig nur noch zur Hälfte finanziert.

Wenn Nancy Braun die Kritik daran mit Phrasen wie „es kann ja nicht sein, dass der Staat für alles aufkommen muss“ oder „ohne Fleiß kein Preis“ kommentiert (siehe S. 4), zeigt schon das allein, wes Geistes Kind sie ist.

Die 50-Prozent-Regelung zwingt unabhängige Künstler quasi dazu, sich mit öffentlichen Institutionen oder privaten Sponsoren zusammenzutun, um ihre Projekte bezahlen zu können. Die berechtigte Befürchtung ist, dass sich diese „Mäzene“ mit ihrer Großzügigkeit ein Mitspracherecht an den Projekten „erkaufen“.

Die Konsequenz davon wird sein, dass gesellschaftskritische Ideen und politische Kunst bei Esch 2022 kaum noch Chancen haben werden. Verstärkt wird dieser Eindruck dadurch, dass das „Comité de lecture“, das die Projekte auswählen wird, zum großen Teil aus Mitgliedern des von Politikern und Beamten dominierten Verwaltungsrats von Esch 2022 bestehen soll.

Ob das von der Politik so gewollt war, als sie die Europäische Kulturhauptstadt in den vergangenen anderthalb Jahren vereinnahmte, lässt sich schwer nachweisen. Abwegig ist diese Hypothese aber keineswegs.

 

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4 Kommentare

  1. “Politische Kunst”? Was soll man sich darunter vorstellen? Überlebensgrosse Stalin-Porträts? Kolossalstatuen wie sie früher in Bagdgad und heute noch in Pyöngyang stehen? Sicher, bei einigem Nachdenken fallen einem ein paar wenige gelungene Beispiele politisch motivierter Kunst ein. Etwa Picassos Guernica-Gemälde. Wer sich aber bei einer provinziellen Kulturposse wie Esch-2022 einen Beitrag auf diesem Niveau erhofft, der muss zwangsläufig enttäuscht werden. Ich für meinen Teil erwarte mir ausser den üblichen angepinselten Grobmüll-Installationen und vielleicht noch einem mehrfarbigen Greta-Thunberg-Porträt im Andy-Warhol-Siebdruck-Stil rein gar nichts. Und wer wie Herr Laboulle Kunst offenbar nur noch goutieren mag, wenn der Künstler dem Betrachter seine politische Haltung um die Backen haut, der hat womöglich von Kunst ebenso wenig Ahnung wie von Politik.

  2. Durch Wiederholung wird die Dauerbehauptung nicht wahrer: die früherer Editpress-Mitarbeiterin Janina Strötgen wurden nicht herausgeworfen sondern ihr zeitbefristeter Kontrakt nicht verlängert. Als früherer Arbeitskollege versteht man zwar die Solidarität, aber dieses Kapitel sollte jetzt abgeschlossen werden. Die dauerhafte Miesmacher ist nur noch peinlich.

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