Wenn Beschwerden aus der luxemburgischen Kulturszene laut werden, heißt es nicht selten, diese solle erst einmal für ihre eigene Professionalisierung sorgen, bevor sie Forderungen stelle.

Nun stellt diese plumpe Antwort erstens häufig ein schlechtes Ablenkungsmanöver dar, des Weiteren verfehlt sie aber auch die Entwicklungen des letzten Jahrzehnts. Besonders gilt dies für den Jazz, von dem man ohne Zweifel behaupten kann, dass er den Kinderschuhen schon eine gute Weile entwachsen ist. Die in dieser Ausgabe porträtierten Musiker stellen nur ein Beispiel unter vielen dar. Diese Musikrichtung hatte in Luxemburg bereits vor Schumacher große Talente hervorgebracht und auch nach Meis werden noch viele weitere hinzukommen.

Was sich jedoch definitiv verändert hat, sind der Ausbildungskontext und die Plattformen, auf denen sich Jazzmusiker entwickeln können. Wenn sie Luxemburger Konservatorien verlassen, haben sie bereits ein hohes Niveau, das ihnen an Musikhochschulen beim Vorspielen zugutekommt. Trotz zahlreicher Auslandsaufenthalte kehren viele zurück und tragen zu einer weiteren Etappe in der Entwicklung der Musikgeschichte des Landes bei. Das Nation Branding findet unaufgefordert und ohne großen politischen Firlefanz statt, weil es natürlich vonstattengeht. Dafür braucht es nämlich keine Politiker, sondern Raum, in dem Künstler sich entfalten können.

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