Populisten, Rechtsextreme und EU-Skeptiker haben die Parlamentswahlen in Italien haushoch gewonnen. Zusammen bekamen sie über 50 Prozent der Stimmen. Und die gemäßigten, sogenannten Systemparteien wurden bitter abgestraft. Wie konnte das passieren, fragt man sich. Ist es ein Hilfeschrei oder reiner Protest?

Stärkste Kraft, mit über 32 Prozent der Stimmen, wurde die Fünf-Sterne-Bewegung, die einst unter ihrem Gründer, dem Komiker Beppe Grillo, mit dem “Vaffanculo”-Stinkefinger gegen die Establishment-Parteien auf sich aufmerksam machte. Drittstärkste Kraft wurde die Lega, die einst den Süden vom Norden Italiens abspalten wollte, weil Ersterer zu arm war. Ihr Anführer, Matteo Salvini, sympathisiert heute mit Frankreichs Front-national Chefin Marine Le Pen. Und die Fratelli d’Italia, fünftstärkste Kraft, haben neofaschistische Ansichten.

Viele Italiener fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Die Sozialdemokraten, erst unter Renzi, dann unter Gentiloni, hatten große Reformen angekündigt. Doch gewartet haben die Italiener bis heute. Vergeblich. Und nun ist vielen der Geduldsfaden gerissen. Aber auch Mitte-rechts, damals unter dem Skandalpremier Berlusconi, hat ein trauriges Bild abgegeben. Das erklärt zum Teil das Wahlergebnis.

Auf die Wahlen haben wohl auch manche gewartet, um mit der EU abzurechnen. Brüssel hat sich mit den Austeritätsmaßnahmen bei den Italienern unbeliebt gemacht. Insbesondere, weil viele keinen Nutzen in diesen Maßnahmen sehen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Flüchtlingskrise. Die von der EU beschlossene Umverteilung auf andere Mitgliedstaaten funktioniert nicht.

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