Die amerikanische Autorin Susan Sontag beschreibt in ihrem Werk “On photography” (1977), wie sich die Fotografie ihrer Zeit veränderte: “(It) has become almost as widely practiced an amusement as sex and dancing – which means that, like every mass art form, (it) is not practiced as an art. It is mainly a social rite, a defense against anxiety, and a tool of power.” Dass sie diese drei Komplexe zusammen denkt und sie mit etwas nur angeblich Harmlosem, nämlich dem Fotografieren, in Verbindung bringt, wirkt ebenso passend wie besorgniserregend, zumal die Aussagen auch noch auf die heutige Situation zutreffen.

Das Machtelement rührt unter anderem daher, dass man anhand jener Bilder, die man zeigt, seine eigene Geschichte mittels eines einzigartigen Storytellings erzählen kann. Bezieht man dies beispielsweise auf Aufstände in Diktaturen, so ergibt sich die Möglichkeit einer alternativen Erzählung zu jenem, was die staatlichen Medien für die Wahrheit halten.

Ebenso entsteht aber auch Raum, um einseitige, verkürzte Versionen von Ereignissen zu erzählen. Weil die Macht vor allem darin liegen kann, Dinge nicht zu zeigen, die relevant für das Gesamtgefüge gewesen wären. Dies tun nicht nur Pärchen, die sich stetig streiten, aber herzzerreißende Schmusebilder posten, sondern auch viele Medien erliegen immer mehr einer Art Versnapchatisierung des Inhalts.

3 Kommentare

  1. Heute muss anscheinend alles im Bild festgehalten werden, ob aussagekräftig oder nicht. Meist wird belangloses Zeug fotografiert. Das Foto ist nur eine Bestandaufnahme, das Festhalten im Bild eines kurzen Augenblicks. Das was der Fotograf dabei empfand ist nicht oder nur schwer weiterzuvermitteln. Das Foto kann missbraucht werden und aus einem Kontext herausgerissen, nicht die gewollte Situation widergeben. Eines der aussagestärksten Aufnahmen und Zeitzeuge, ist die vom niederknieenden Kanzler Willy Brandt in Warschau.

  2. Madame Schaaf, Dir hutt haut am tageblatt esou een interessanten Artikel zu desem (selfie) Thema, zu deem ech Iech wollt gratuléiren, an Iech soen, datt ech wéinst esou gudden Artikelen gären d’tageblatt abonnéiert hun, an daat säit iwwer 40 Joër.

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