Jede Zeit hat ihre Kunst, die je nach Land und Situation stark variieren kann. Auch im etwas spätzünderischen Luxemburg ist das Street Art nun endlich den Kinderschuhen entwachsen und es zieren unter anderem zahlreiche Graffiti sowie Wandmalereien den öffentlichen Raum. Esch oder auch das kleine Kahler im Westen des Landes sind zwei von vielen Beispielen. Nun fällt aber allgemein die fast schon übermäßige Professionalität mehr ins Auge, als dass es kritische geschweige denn politische Botschaften wären, welche die Wände schmücken.

Diese Kunstrichtung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert, sie erfuhr eine Läuterung und ist mittlerweile quasi im Mainstream angekommen. Gemeinden, ja sogar unser wertes Kulturministerium finanzieren derartige Projekte mittlerweile teils mit. Nichtsdestotrotz ist man geneigt, sich zu fragen, ob es 2018 wirklich nichts mehr zu sagen gibt und vielleicht so manche Werke an Wänden genau deswegen so viel Zuspruch finden. Gerade weil sie alles andere als unbequem sind. Weil sie sich eingliedern in ein reines, feines Bild, das Luxemburg nach außen hin kommunizieren möchte, während es seine Probleme mit dem güldenen Besen unter den Teppich kehrt.

Schafft Street Art es in Luxemburg, nicht nur visuell ansprechende, sondern vor allem auch realistische Abbildungen der Gesellschaft auf künstlerischem Weg auf die Wand zu bringen, oder verändern sich die Stadtbilder nur dahingehend, dass sie in all ihrer Sterilität ein klein wenig bunter werden? Sowohl Künstler als Betrachter sollten sich fragen, ob sie wirklich hinter die frisch dekorierten Wände, auf das Leben, das da ist, schauen wollen oder wir letztendlich ein Übermalen beklatschen, das lediglich das versteckt, was wir nicht sehen wollen.

4 Kommentare

  1. Die märchenhaften bis leicht surrealistischen “Street Art” Werke in Esch illustrieren diese überlegungen vorzüglich : angenehm fürs Auge, verständlich für jedermann (die Dali-Referenz muss sogar namentlich ins Werk integriert werden, damit’s auch jeder kapiert), triviale Inhalte und somit vor allem mit dekorativem Anspruch. Waren Graffitis und dergleichen vor nicht allzu langer Zeit noch ein Aufschrei der Vernachlässigten, scheint’s heute der Lifestyle-Ausdruck eines bürgerlichen Hipstertums zu sein, der Stadt und Dorf in verträumte sub-urbane Disneyworlds verwandelt… Erinnert das nicht an Adornos Ausdruck der “Entkunstung der Kunst”? Danke, Frau Schaaf!!

  2. Right on spot!!! Daat hun “Sie”, den “BigBrother”, schon probéiert mat Déiereparkmolereien ze verstoppen.
    Elo gin d’Kënschtler vun “Mir wëlle bléiwe waat mer sin” – Stammdëschdépotisten, schon prä-zenseiert! Daat huet nët mat CSV alleng ze din, wuar och schon bei der LSAP de Fall, aus der Zeit stammen d’Déiereparkiwermolungen vun den Graphs.
    <> 😉

  3. Interessanten Artikel, an interessanten Kommentar vun dem den net kann ernimmt ginn 😉
    Et ass een Domaine wou ech net esou dohem sinn, duerfir, Merci iech 2 🙂

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