Wenn ein neuer Künstler oder eine Künstlerin auf eine Bühne tritt, kann die Erwartungshaltung ihm oder ihr gegenüber sehr stark variieren. Wenn man eine Frau ist und sich zu allem Überfluss noch Hip-Hop als Genre ausgesucht hat, können so manche Gemüter schon mal in Wallung geraten. Nicht selten wird dann recht viel in diesen Menschen, der eigentlich Kunst machen will, hineinprojiziert und sich beispielsweise eine neue Botschafterin für Frauenbelange erhofft. So besteht das Risiko, dass sich auf das fokussiert wird, auf das die betreffende Person selbst am allerwenigsten Einfluss hat, nämlich ihr Geschlecht. Dieses steht im Rampenlicht, während die Kunst im Schatten verharren muss.

Das passiert sicherlich überwiegend nicht mit schlechter Absicht und doch verfehlt es das Ziel um Längen. Statt eine Normalisierung und Inklusion in den Kulturbetrieb voranzutreiben, steht die Frau wie etwas außerordentlich Exotisches im medialen Raum – oder besser gesagt im Käfig, vor dem die Besucher sich positionieren und sie anstarren.
Natürlich wird es immer Kunstschaffende geben, für die ihre Kunst und ihr Geschlecht zwei untrennbare Elemente sind. Aber es darf ebenso Künstlerinnen und Künstler geben, für die dies nicht in erster Linie eine Rolle spielt. Um herauszufinden, welcher Fall bei dem jeweiligen Gegenüber zutrifft, bietet es sich mehr an, erst mal zuzuhören statt sie, wenn auch wohlwollend, nur auf ein Merkmal zu reduzieren.

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