Vier Jahre ist es nun her, dass sich Abertausende Flüchtlinge auf den Weg nach Europa machten. Fotos von angespülten Kindern, überfüllten Camps und aufgezogenen Zäunen füllten die Zeitungen. Damals war die Rede von einer Flüchtlingskrise. Nicht, weil es diesen Menschen so schlecht ging, sondern weil die Europäer befürchteten, dass ihre Lebensweise bedroht ist.

Die Politiker, die Journalisten und die ganze Gesellschaft sind mittlerweile weitergezogen. Doch die Flüchtlinge sind immer noch da. Nur hat sich herausgestellt, dass die Krise nicht die Europäer betrifft, sondern die Menschen, die ihr Land wegen Krieg und Diktaturen verlassen mussten. Und das Bild, das wir gerade abgeben, ist nicht sehr glorreich. Die Menschen, die uns vor vier Jahren so sehr interessiert haben, interessieren uns heute nicht mehr. Sie werden nicht in die Gesellschaft integriert, kämpfen Tag für Tag um Anerkennung und ein Fünkchen Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Das gilt nicht nur für Länder wie Griechenland oder Italien, sondern für die reichsten unter den europäischen Ländern. Das gilt auch für Luxemburg. Wenn sich Privatpersonen mehr um die Situation der Flüchtlinge sorgen als der Staat, dann ist das beschämend. Wenn ein Flüchtlingshelfer im Radio von einer „nicht menschenwürdigen“ Situation in Luxemburg spricht, dann ist das umso beschämender. Die Flüchtlingskrise mag für die Europäer in Vergessenheit geraten sein. Für die Betroffenen ist sie aber immer noch Alltag.

 

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9 Kommentare

  1. Auch wenn ich mit der Grundaussage des Kommentars absolut einverstanden bin – ist es nicht auch die von den Medien inflationär verwendete, schlussendlich aber nichtssagende Rhetorik der “Krise”, die den Menschen ein Gefühl der unsicheren Zukunft gibt und somit eher den Populisten als den Hilfsbedürftigen dient??

  2. Ich weiss ja nicht, in welcher Welt Herr Wildschutz lebt, aber unsereiner wird tagtäglich in den Medien, in der Politik und ggf. als auch im Berufs- und Privatleben mit der “Flüchtlingsproblematik” konfrontiert. Und wenn ein Flüchtlingshelfer (wie wird diese Tätigkeit übrigens definiert?) Luxemburg vorwirft, Flüchtlinge hierzulande ” nicht menschenwürdig” zu behandeln, dann würde ich hierzu sehr gerne Details hören. Beruflich habe ich regelmässig ebenfalls mit Flüchtlingen zu tun und denke daher behaupten zu können, dass hierzulande sehr wohl sehr viel getan wird, sowohl von Staat und Steuerzahler als auch von Privatinitiativen. Menschenunwürdige Zustände habe ich nirgends gesehen – insbesondere wenn man bedenkt, aus welchen Verhältnissen die meisten dieser Leute stammen – und wer sich über mangelnde Integration beschwert, sollte vielleict kurz daran erinnert werden, dass Integration per Deginition Willen und Einsatz voraussetzt – in erster Linie von der zu integrierenden Person selbst.

  3. „Die Menschen, die uns vor vier Jahren so sehr interessiert haben, interessieren uns heute nicht mehr. Sie werden nicht in die Gesellschaft integriert, kämpfen Tag für Tag um Anerkennung und ein Fünkchen Hoffnung auf eine bessere Zukunft.“

    Eine gewisse Versachlichung der bisher so emotional und moralisierend geführten Flüchtlings-und Migrationsdebatte ist zu begrüssen. Irgendwann muss die rosarote Brille abgesetzt und der Kopf eingeschaltet werden. Wer mit bestimmten Wertvorstellungen aufgewachsen ist, ist nicht unbedingt bereit für ein Leben in Europa, Integration hin oder her. Die Aufgenommenen sind gefordert sich hier anzupassen, nicht anders rum; dabei sollte man ihnen helfen, jedoch will (oder kann) nicht jeder die hiesigen Werte und Regeln akzeptieren und somit sind früher oder später Probleme vorprogrammiert. Schwierig!

  4. @ Realist & Paula: Auch ich arbeite täglich mit ‘Neuzuzüglern’ (nicht jeder ist ein ‘Flüchtling’) und ich stimme euch beiden zu 100 % zu. Mich würde interessieren auf welchen Fakten im Alltag die Aussage des Herrn Wildschutz basiert.

  5. Kenne einige aus dem emaligen Jugoslawien, wenn ich mit irgendeiner Satzung im Steuerrecht oder Kommerzrecht nicht klar kam, musste ich nur die Emaligen fragen, konnten mir meistens helfen, sogar ohne Entgeld.

  6. “Wenn ein Flüchtlingshelfer im Radio von einer „nicht menschenwürdigen“ Situation in Luxemburg spricht, dann”… hat nur einer etwas gesagt, was Sie offenbar nicht überprüft haben und dennoch als den allgemeinen Zustand in Luxemburg darstellen. Man solte sich nicht hinreißen lassen von pauschalen Aussagen und von diesen auf den generellen Zustand schließen. In Luxemburg wird sehr viel für diese Menschen getan und sehr viele Menschen engagieren sich dafür, dass das so ist. Lassen Sie deren Arbeit nicht durch Einzelne schlecht reden.

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