Franz Fayot musste sich in seiner ersten Woche als LSAP-Präsident gleich zweimal mit einem Vorwurf auseinandersetzen. Dem Vorwurf des Nestbeschmutzers. Der Journalist Romain Hilgert hat Fayot als solchen im Land bezeichnet, da er in der Vergangenheit Kritik an der eigenen Partei geübt hat. Und der CSV-Politiker Gilles Roth sagte auf RTL, dass Fayot mit seiner Kritik an Luxemburgs Steuerpraktiken das eigene Nest beschmutzen würde.

Der Begriff des Nestbeschmutzers ist dabei weder neu noch unschuldig. Er wird in Politik, Wirtschaft oder auch Sport verwendet, um jemanden zu diffamieren. Um jemanden öffentlich an den Pranger zu stellen, ihn negativ zu sanktionieren. Nach dem Motto: Seht her, er will uns allen schaden, Schande über sein Haupt!

Dabei ist dieses Vorgehen höchst bedenklich. Denn es handelt sich um eine diskursive Praktik, die bestenfalls zu archaischen Clan-Gesellschaften passt. Niemand soll die natürliche Ordnung der Dinge infrage stellen. Kritik als Hochverrat.

Das steht jedoch konträr zum modernen Denken, wie wir es seit der Aufklärung kennen. Denn Kritik ist der Motor der Entwicklung, der Treibstoff der Erkenntnis.
Doch es gibt noch ein zweites Problem mit dem Begriff des Nestbeschmutzers. Denn wer ist eigentlich der Nestbeschmutzer: derjenige, der auf den Schmutz zeigt, oder derjenige, der ihn zu verantworten hat?

Oder wie der Schriftsteller Max Frisch einmal gesagt hat: „Die das Nest schmutzig machen, zeigen empört auf einen, der ihren Schmutz bemerkt, und nennen ihn den Nestbeschmutzer.“

5 Kommentare

  1. Hilgert und Roth haben wahrscheinlich Max Frisch nie gelesen. Beide haben mit sich genug zu tun, der eine mit seinem Wochenblatt, damit dieses nicht noch mehr an Niveau verliert und der andere mit seiner zerstrinnenen Partei. Für Hilgert dürfte eine derartige Diffamierungskampagne kein Neuland sein. Er sollte nur achtgeben, nicht im eigenen Sumpf zu ersticken. Und Roth sollte aufpassen, dass ihm seine peinliche Selbstbeweihräucherung nicht den Atem verschlägt und die Luft nimmt. Wer im Schmutz steckt, soll nicht zu sehr auf sich aufmerksam machen.

  2. Ohne den Artikel fertig zu lesen. Gilles Roth sollte sich möglichst im Hintergrund halten mit seinen Bemerkungen.
    Als CSV-Fuzzi müsste er doch die Geschichte mit dem Balken im Auge kennen. Oder,Herr Roth. Die Scheisse vor der eigenen Tür wegkehren,dann kann man wieder in die Vollen treten.

  3. Es gibt keine Partei an der nicht Kritik geübt werden kann. Eine Partei ist eine Ansammlung von Menschen und die sind nun mal nicht alle gleich, auch wenn sie im Grossen und Ganzen die gleichen Ziele verfolgen. Es fallen Entscheidungen die nicht bei jedem auf Zustimmung treffen und die eben auch nicht immer die richtigen sind.
    Ich habe mich nicht weiter mit Ben Fayot beschäftigt. Dass er aber Kritik nicht nur an der Konkurrenz, sondern auch an der eigenen Partei übt, lässt ihn in einem guten Licht erscheinen.

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