Zuerst mal die weniger schlechte Nachricht. Jeder, der ein vierbeiniges Haustier sein Eigen nennt, ist vermutlich schon mit der Substanz in Berührung gekommen, ohne dass ihm gleich beide Ohren abgefallen wären. Die Rede ist vom Insektengift Fipronil, dieser Tage wegen des Eierskandals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden. Das Mittel wird zur Bekämpfung von Hautparasiten wie Flöhen und Zecken bei Hunden und Katzen eingesetzt, ist aber verboten bei Nutztieren, insbesondere Geflügel.

Natürlich ist es unverantwortlich, dieses Mittel trotz besseren Wissens in der Lebensmittelproduktion zu verwenden. Die Täter, die das Gift angeblich zur Desinfizierung von Ställen verkauften, gehören vor den Richter und entsprechend bestraft.
Dass der Skandal nun aufgedeckt wurde, ist ein Zufall. Da Fipronil verboten ist, wird bei Laboranalysen nicht systematisch nach ihm und übrigens auch nicht nach anderen Substanzen gesucht, wie Dr. Jean Brasseur am Donnerstag gegenüber www.tageblatt.lu betonte. Ähnlich hatte es auch der Dekan der pharmazeutischen Fakultät der ULB, Pierre van Antwerpen, am Mittwoch im Le Soir formuliert. Es gebe Tausende Giftstoffe. Es sei technisch unmöglich, sie bei allen Lebensmittelproben aufspüren zu wollen.
Der Aufschrei über Fipronil ist dennoch verständlich: Was nicht in die Lebensmittel gehört, darf nicht hinein. Basta.

Doch so radikal lehnen wir Giftstoffe nicht immer ab. Klingt verrückt, ist es aber nicht. Man denke da an den Skandal, der zurzeit die Automobilbranche erschüttert. Obwohl Dieselfahrzeuge auch nach dem geplanten Software-Update noch ein Vielfaches des erlaubten Grenzwerts an Stickoxiden ausstoßen werden, dachte bisher niemand daran, die Dreckschleudern sofort kollektiv zu verschrotten. Auf Kosten Tausender Menschen, die wegen der schädlichen Emissionen an Atemwegs- und anderen Erkrankungen leiden und eventuell sterben werden. „Rund 38.000 Todesfälle wären Forschern zufolge vermeidbar gewesen, hätten Autobauer Abgasgrenzwerte für Dieselmotoren eingehalten. Besonders gefährdet seien EU-Bürger“, schrieb die deutsche Zeit bereits am 15. Mai 2017.

Konsument ist mitverantwortlich

Der Dieselskandal und seine politische Aufarbeitung insbesondere in Deutschland zeigen besonders krass, dass vereinbarte Grenzwerte nicht zwangsläufig einzuhalten sind, dass sie eigentlich bloß eine Kompromisslösung zwischen Industrieinteressen, Politik und Gesellschaft (Arbeitsplätze) sind. Nicht anders verhält es sich mit synthetisch hergestellten Zusätzen in Lebensmitteln, damit diese sich besser verarbeiten lassen, sich länger halten, oder mit der Nutzung chemischer Präparate, um den „Ausschuss“, sprich die Todesrate, in der Massentierhaltung zu minimieren.

Dies sind üble Nebenaspekte eines Wirtschaftssystems, das von seinem Wesen her auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Doch mitverantwortlich ist ebenfalls der Schnäppchenjäger, der Geiz-ist-geil-Konsument. Wer sich damit brüstet, für 50 Euro seinen Einkaufswagen beim Discounter randvoll füllen zu können, sollte sich nicht über Lebensmittelskandale aufregen. Vielmehr sollte er verstehen, dass der niedrige Preis seiner Esswaren zu Lasten des ihn bedienenden, schlecht bezahlten Personals, kleiner Produzenten und fast immer zu Lasten der Tiere geht, weil die Produktionskosten aus Gewinn- und Wettbewerbsgründen auf Teufel komm raus gesenkt werden müssen.

12 Kommentare

  1. Welche Scheinheiligkeit ! “Obwohl Dieselfahrzeuge auch nach dem geplanten Software-Update noch ein Vielfaches des erlaubten Grenzwerts an Stickoxiden ausstoßen werden, dachte bisher niemand daran, die Dreckschleudern sofort kollektiv zu verschrotten. Auf Kosten Tausender Menschen, die wegen der schädlichen Emissionen an Atemwegs- und anderen Erkrankungen leiden und e v e n t u e l l sterben werden.” Sie werden nicht nur e v e n t u e l l sterben sondern ganz sicher ! Genauso sicher wie die-zigtausenden Raucher, denen das Gift im Dieselabgas noch nicht genügt. Darum kaufen die sich noch täglich für viel Geld zusätzliches, krebserregendes Atem-Gift damit es noch etwas schneller geht. Der Staat entblödet sich auch nicht, die Hände aufzuhalten und an diesem tödlichen Gift noch kräftig mit zu.scheffeln. (Absichtlich benutze ich nicht das Wort “verdienen”) Aber Dieselautos will man verschrotten “wegen der Gesundheit der Bürger”. Scheinheiliger geht’s wirklich nicht mehr !

    Fipronil

    • à propos Diesel: Ass et nit och so’u datt bei all Bewegung vun Diesel, Bensinn an och E-Auto) Bremssteps, Dreck an Sand laanscht Stroossen, a.s.w. entsteet an bei Bewegung vum lLanschtfuhren deen obgewirbelt gett an an der Loft verdeelt gett ???? Verusaacht daat keng Loftverschmotzung .

    • @Rosch. Stimmt ganz genau. Guter genmanipulierte Tabak aus biologischen Anbaugebieten. Dieser enthält immerhin eine Menge Teer, Blei, Benzol, Blausäure und noch 70 andere Gifte, welche nicht auf der Schachtel vermerkt sind. Ob die abschreckenden Bilder, einigen unverbesserlichen, inhalierenden Paffern das Rauchen abgewöhnt, ist fraglich. Auch an der Zapfsäule sucht man vergebens nach den jeweiligen toxischen Auspuffgasen. Auf Margarine und Käse müssen, laut Verordnung, alle Bestandteile fein säuberlich angegeben sein. Natürlich alles für die Gesundheit des Bürgers.

  2. Dann sollte die Politik sich auch mal ernsthaft bemühen, den Büger zu schützen und ihn zu informieren, aber stattdessen setzt die Politik sich gerne die Scheuklappen auf und der Staat verdient ja gut mit am ganzen Elend der Tiere und an anderen Umweltsauereien, die es längst nicht mehr geben müsste. Und, wie so oft, anstatt ein Machtwort des Gesetzgebers, wird auf freiwilliges Handeln der Industrie gesetzt und gehofft und die Presse gibt dem Verbraucher auch noch eine nicht ganz gerechtfertigte Mitschuld an verschiedenen Gegebenheiten. Auch dies ist Scheinheiligkeit…

  3. Und warum werden die Menschen immer älter, wenn alles so schrecklich schlimm ist????
    Sollen die Menschen noch älter werden, und dann kommen dieselben Nörgler und fragen sich wer denen Ü100 alle die Renten bezahlen soll. Und dabei werden es immer mehr die wegen Arbeitslosigkeit oder Minilöhne nichts für später hinterlegen können. Was für ein Hypokriten Gesülze man aber jeden Tag hört. Lebt doch einfach und geniesst den Moment. Ich gehe jetzt in meinen Garten und ernte meine gespritzten Möhren (ohne Maden) und meine überdüngten aber vollreifen Tomaten. Mein Grüner Nachbar schmeisst alles aus seinem Garten auf den Müll und kauft im Bio Laden. Dort bekommt er vollreife Tomaten und Möhren ohne Maden. Wie ist das möglich?

  4. Es gibt kein Dioxin mehr, kein BSE, keine Hormone im Kalbfleisch, keine Würmer in Fischen, keine Hühner- und keine Vogelgrippe mehr, kein Ehec in Sprossen, keine Salmonellen in Nudeln, Glyphosat ist Schnee von gestern, die Dieseldiskussion fängt auch an zu langweilen, irgendwer muss doch das Sommerloch füllen ?!

    • Und ich sage Ihnen wer´s ist, Herr Rosch, es ist ein Grüner, immer dann wenn es keine Bäume umzusägen gib! Und alle fallen drauf rein, sogar der Donald von der CSV.

  5. Ein grünliche Furz im Wasserglas. Obwohl das Läusegift seit 30 Jahren vielen Berufssparten gute Dienste geleistet hat, werden sofort Stimmen laut die verlangen dieses Gift total zu verbieten, nachdem einige wenige über die Stränge schlugen. Vielerorts ist das Gift nicht verboten, sondern als Pestizid beschränkt verwendbar. Beim Diesel Skandal verhält die Sachlage ganz ähnlich. Das Geschrei ist hier schon längst unerträglich geworden. Auf den Plan treten sofort wieder die grünen Querulanten als Trittbettfahrer getarnt, die üblichen Denunzianten, Ignoranten und Dilettanten. Will man eine Diktatur der Doofen errichten, nach dem Motte, “die ganze Macht den Doofen?”

  6. Emmer de Konsument ass schold. Hutt Dir schon emol gefrot ob Dir net och daat nemmlecht kritt, wann Dir mei bezuelt? Kuckt emol vu wou är “Luxusproduit’en” hirkommen.
    Et get Gesetzer dei et anzehaalen gellt, dei gi gemach, och vu Konsumenten, iwwer den Emwee vun de Wahlen. Geldgeil, max Profit sin dei wirklech schëlleg, duerf d’Yacht nach 10 Meter mei laang sin, d’Villa nach 300m2 mei hun? Et gett vill Leit, dei mussen kucke wou a wivill se kaafen. Et sollt een deene kee Reproche maachen, sou lang wei et Leit gett dei alles skrupellos ausnotzen fir hir Fortune ze vergreisseren, obwuel se all de Fric net eleng kënne ausginn, mee dofir nach Generatiounen vu Fils à Papa musse mat durchfidderen.

  7. Nicht das Fipronil ist der Skandal, skandalös ist wie EU Verantwortliche, Regierungen vorgingen.Die Bürger nicht rechtzeitig informieren , im Interesse einer Lobby die verbrecherichen Absichten verheimlichen, versuchen zu beschwichtigen oder unter dem Mantel des Schweigens die Verfehlungen verschwinden lassen .

  8. Déi Argumentatioun erschléisst sech net fir mech.

    No wat soll een da SOSS sichen, wann net no verbuedene Mëttelen?

    Déi erlaabten si jo quasi sécher dran an dat ass jo dann och kee Problem.

    Zu Sandweiler sichen se jo och net no Saachen déi zougelooss sinn, mä no deenen déi et NET sinn.

    Ausserdeem ginn et zënter Joerzéngten Gaschromatographen mat Massespektrometeren mat Datebankubëndung déi _all_ bekannte Chemikalien noweisen, net nëmmen déi erlaabten. (no deene jo och kee normale Mënsch siche géif.)

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