Vor 110 Jahren, am 10. Januar 1909, ist der Landesverband gegründet worden. Die Restrukturierung und Gründung des Genossenschaftsbundes der Eisenbahner erfolgte rund zehn Jahre später, am 10. März 1919. Ein Rückblick.

Von Nico Wennmacher, ehemaliger Präsident des Landesverbandes (FNCTTFEL)

Der nachfolgende Artikel zu diesen Geburtstagen erhebt nicht den Anspruch auf eine 10vollständige und lückenlose Geschichtsschreibung. In den verschiedenen Jahrbüchern, die wir als Landesverband veröffentlichten, wurden bereits wichtige Episoden unserer Gewerkschaftsgeschichte von diversen Autoren beschrieben. Zweck dieses Artikels soll es vielmehr sein, verschiedene Aktionen des Landesverbandes kurz zu beleuchten und deren Auswirkungen auf die soziale Situation der Eisenbahner, der Transportarbeiter, der öffentlichen Bediensteten sowie der Arbeitnehmer insgesamt zu analysieren.

Erste Erfolge durch den Einheitsverband

Der 1909 gegründete Eisenbahnerverband trug den Namen „Generalverband der Eisenbahner des Luxemburger Landes“ und wurde im darauffolgenden Jahr in „Landesverband Luxemburger Eisenbahner“ umbenannt. Anfänglich waren vor allem die Eisenbahnbeamten im Landesverband organisiert, während die Arbeiter aus den Werkstätten und dem Gleisunterhaltungsdienst diesem fernblieben. Diese organisierten sich etwas später im Metallarbeiterverband. Diese Situation war unbefriedigend, da alle Arbeitnehmer aus einem Wirtschaftszweig einer einzigen Gewerkschaft angehören sollten. Dies wurde erreicht durch den Beitritt des Landesverbandes zum Gewerkschaftsbund (CGT) am 28. September 1919, worauf auch die damaligen Arbeitersektionen dem Verband beitraten.

Der so geschaffene Einheitsverband, dem 90 Prozent der Eisenbahnerschaft angehörten, erkämpfte bereits 1921 den Eisenbahnerstatus. Dieser Status, auf den wir noch heute stolz sind, musste in der Folge sehr oft gegen die liberalen und konservativen Kräfte verteidigt werden. Wenn man auch dazu bedenkt, dass Syprolux erst danach, und zwar 1922 gegründet wurde, wird ersichtlich, dass diese Gründung in erster Linie zum Zweck hatte, die Eisenbahnerbelegschaft zu spalten.

Doch nicht nur die Eisenbahner, auch die Trambahner aus der Stadt Luxemburg und aus dem Kanton Esch fanden sehr früh den Weg zum Landesverband. An dieser Stelle sei erwähnt, dass der Landesverband in den 1920er Jahren den Gemeindebeamtenstatus für die damaligen Bediensteten der Straßenbahnen erkämpfte. Heute, fast 100 Jahre später, müssen wir leider feststellen, dass die neue Tramgesellschaft hiervon nichts wissen und ihre Bediensteten mit mickrigen Lohn- und Arbeitsbedingungen abspeisen will. Alle Streiks und Demonstrationen hier zu analysieren, würde unweigerlich den Rahmen dieses Artikels sprengen. Oft wird die Langzeitwirkung solcher Aktionen auf das soziale, gesellschaftliche und politische Leben unterschätzt.

Der Eisenbahnerwarnstreik vom 11. Oktober 1949 wurde allein vom Landesverband durchgeführt und praktisch zu 100 Prozent befolgt. Es ging dabei um die Verteidigung der statutarischen Rechte der Eisenbahner gegen Sparpläne und Entlassungen und für eine soziale Besserstellung. Die Früchte dieses Streiks konnten nicht sofort eingefahren werden. Er bewirkte aber u.a. nach 1951 eine Regierungsumbildung und verbesserte Dialogmöglichkeiten, welche dazu führten, dass der Landesverband viele seiner Forderungen verwirklichen konnte.

#Der gewerkschaftliche Einsatz des Landesverbandes Anfang der 1960er Jahre galt vor allem der großen Gehälterrevision im öffentlichen Sektor von 1963, welche 1964 bei der CFL umgesetzt wurde. Dank des Einsatzes des Landesverbandes wurden vor allem die unteren Laufbahnen aufgewertet. Da der Landesverband die treibende Kraft bei dieser Revision darstellte, wurden ihm aus dem gesamten öffentlichen Sektor viele Sympathien zuteil. Dies führte 1963 zur Gründung der Hauptberufsgruppe Staats- und Gemeindebeamte, dem heutigen Sektor öffentlicher Dienst, innerhalb des Landesverbandes. An dieser Stelle möchten wir den 24-stündigen Streik am 4. April 1974 der Busfahrer der Stadt Luxemburg und des TICE erwähnen. Die bei diesem Streik geforderte bessere Einklassierung der Busfahrer erhielten diese nach einem Regierungswechsel 1977.

Die imposante Nordstrecken-Demonstration des Landesverbandes vom 8. Juni 1980 und eine nachfolgende Streikdrohung bewirkten, dass sich die politischen Entscheidungsträger mit dem Erhalt, der Modernisierung und Elektrifizierung dieser Strecke einverstanden erklärten und die notwendigen Finanzmittel hierzu bereitstellten. Darüber hinaus wurde mit dem Kampf für diese Strecke eine andere Transportpolitik hierzulande eingeleitet. Der Indexstreik von 1982 bleibt untrennbar mit der Sozialgeschichte unseres Landes verbunden. Als einzige Gewerkschaft stand der Landesverband seit den ersten Indexmanipulationen von 1981 auf der Bresche, um mit der Losung „d’Fanger ewech vum Index“ gegen diese anzukämpfen. Der Generalstreik für den Index am 5. April 1982, an dem sich mit Ausnahme der CGFP, der FEP und der Aleba alle Gewerkschaften beteiligten, bewirkte auch nicht die sofortige Wiedereinführung des Indexmechanismus. Er ist aber nicht unschuldig am Wahlausgang von 1984 und an einer Regierungskonstellation, die den Index wieder einführte.

Das Jahr 1998 beinhaltete viele gewerkschaftliche Aktionstage, vor allem im Eisenbahnsektor. Die Eisenbahner/innen streikten am 19. und 20. Januar, um gegen die Abschaffung des Pensionssystems für öffentliche Beamte und Eisenbahner zu protestieren. Am 21. Juli – also am Tag, an dem die Pensionsreform in der Abgeordnetenkammer votiert wurde – beteiligte sich der Landesverband an einem 24-stündigen Streik des gesamten öffentlichen Sektors. Vor allem der 48-stündige Warnstreik führte zu wesentlichen Verbesserungen im transitorischen Pensionssystem für die statutarisch Bediensteten.

Streiks und Demonstrationen

Im selben Jahr streikten die Eisenbahner/innen am 23. November während zwei Stunden, um gegen die europäische Liberalisierungspolitik zu protestieren. Trotz verschiedener Streiks und Demonstrationen konnten die europäischen Eisenbahnergewerkschaften die Liberalisierung in ihrem Sektor nicht verhindern, aber hinauszögern. Außerdem gelang es ihnen, verbindliche europäische Mindestarbeitsbedingungen für das fahrende Personal durchzusetzen. Die sozialen Auseinandersetzungen hierzulande im Eisenbahnbereich Anfang der 2000er Jahre waren geprägt durch die europäische Liberalisierungspolitik. Die damaligen Pläne der Eisenbahn-Generaldirektion beinhalteten Laufbahnverschlechterungen, die Nichtumsetzung von ausgehandelten Arbeitsbedingungen und die Aufteilung der integrierten Eisenbahn in sieben Filialen. Da auf dem Verhandlungsweg keine Erfolge zu erreichen waren, kam es am 9. Mai 2003 zu einem 24-stündigen Streik. Da kurz danach, im Jahr 2004, Legislativwahlen an der Tagesordnung waren, verschwanden die Abbaupläne in der Schublade.

Die Restrukturierungsgespräche zwecks Anpassung an die europäischen Liberalisierungsrichtlinien wurden im Herbst 2005 unter besseren politischen Voraussetzungen innerhalb einer Tripartite weitergeführt. Diese Gespräche wurden am 20. Dezember 2005 mit einem Kompromiss abgeschlossen. Wir konnten durchsetzen, dass die CFL als integrierter Betrieb erhalten blieb und dass die Eisenbahner ihren öffentlichen Status behielten. Leider mussten wir einwilligen, dass der Gütertransport in die Filiale „CFL Cargo“ ausgelagert wird, da als Alternative die Aufgabe dieses Transportes im Raum stand. Mit diesem Kompromiss waren allerdings die Arbeitsbedingungen für Eisenbahner/innen noch nicht in trockenen Tüchern. Es bedurfte weiteren gewerkschaftlichen Drucks und klarer Aussagen des damaligen Transportministers Lucien Lux auf dem Kongress des Landesverbandes am 16./17. Juni 2006, um zu dem großherzoglichen Reglement über die Arbeitsbedingungen zu kommen, die für alle Eisenbahner des Landes, mit Ausnahme der Straßenbahnfahrer, rechtlich verbindlich sind.

 

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