Wir sind Helden

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So führen Regierungsparteien Wahlkampf: Eine Pressekonferenz jagt die nächste, es wird Bilanz gezogen, eingeweiht, angekündigt und laut nachgedacht, alles im Glanz des Ministeramtes und mithilfe der Schlagkraft eines gut geölten Beamtenstabs. Streng nach dem Motto: Wir sind Helden.

2018 unterscheidet sich dabei wenig von anderen Wahljahren. Das Drehbuch für einen Wahlsieg in Luxemburg enthielt über lange Zeit die immer gleichen Kapitel. Zwei Jahre vor dem großen Termin beschließt die Regierungsmehrheit Steuerentlastungen. Es folgen möglichst viele Bilder mit internationalen Politgrößen, von denen man auf jedem Gipfel immer mal den einen oder anderen abfangen kann. Abschließend wird staatstragend Bilanz der Legislatur gezogen, wobei kein Zweifel daran gelassen wird, dass die Wahl eigentlich nur eine kurze Ablenkung ist, ehe man sich weiter in den Dienst des Landes stellen wird.

Bei aller Zuversicht dank vielversprechender Umfragen beobachtet die CSV dieses Treiben derzeit mit Nostalgie, aber auch mit jeden Tag etwas größer werdendem Unbehagen. Immerhin haben die Christsozialen dieses Drehbuch über lange Jahre äußerst erfolgreich durchgespielt und sind so von Regierungsbeteiligung zu Regierungsbeteiligung gesegelt. Und zur Wahrheit der verlorenen Wahlen von 2013 gehören nicht nur Regierungskrise, Geheimdienstskandal und Endzeitstimmung um die scheinbar unvermeidbare schwarz-rote Koalition. Nein, dazu gehört auch, dass es die ersten Wahlen seit sehr langen Jahren waren, denen keine Steuererleichterungen vorangegangen waren und in denen, wegen des vorgezogenen Termins, das altbewährte Drehbuch nur eingeschränkt durchgespielt werden konnte.

Wie alle Oppositionsparteien versucht die CSV auf anderem Weg, ihre Medienpräsenz zu maximieren. Das Wahlprogramm wird in Häppchen serviert. Der Spitzenkandidat bemüht sich um Fototermine bei befreundeten Staats- und Regierungschefs, um wenigstens etwas internationalen Glanz abzubekommen.

Doch bei aller Verunsicherung, je näher der Wahltermin rückt, scheint die CSV keine grundsätzlichen Zweifel an der ihr förderlichen Stimmungslage im Land zu haben. Sie führt weiter einen Gefühlswahlkampf, hält sich fern von forschen Zukunftsvisionen. Im Gegenteil, allzu konkrete Vorschläge bieten doch nur Angriffsflächen. Vor allem erschweren sie die Kunst, jedem alles und sein Gegenteil zu versprechen, ohne dass es zu sehr auffällt. Die CSV verkauft demnach weder vergangene Erfolge noch neue Ideen, sondern ein Gefühl. Sie gibt das typische Wahlversprechen einer konservativen Partei: Dass es mit ihr an der Macht wieder sein wird wie in der guten alten Zeit – auch wenn diese in Wirklichkeit nie so gut war, wie sie im Rückblick verklärt wahrgenommen wird.

In einem Land, in dem Wahlprogramme nur selten im Zentrum des Wahlkampfs stehen, in einer Zeit, in der Fakten gegenüber der gefühlten Wirklichkeit hintenanzustehen haben, kann man der CSV ihre Strategie kaum verdenken. Auch die Wahlresultate von 2013 erklärten sich schließlich durch ein Gefühl, den Wunsch nach Veränderung. Die Frage ist demnach weniger, warum sich die CSV so gefühlsduselig gibt, sondern eher: Welche alternative Kuscheldecke haben die anderen Parteien anzubieten?

3 Kommentare

  1. Die beste Kuscheldecke wäre zum Beispiel der Erfolg dieser Regierung.
    Wie wär’s damit? Wenn auch nur ein Zeichen von ihr käme…”Hey Leute.Wir wollen weitermachen,macht ihr mit!?”
    Wär doch mal was. Statt dessen geht’s in Lauerstellung.Huch,wenn die CSV gewinnt wollen wir auch dabei sein.
    Also ab auf Mariens Schoß…..Zukunft geht anders.

    • Es sieht so aus, als ob die jetzigen Koalitionäre Angst vor der eigenen Courage hätten. Indem sie sich nicht trauen, verunsichern sie den Wähler nicht nur, sondern geben sich von vorneherein geschlagen. Und welcher Wähler wird schon zu den Verlierern zählen wollen? In diesen Zeiten ist Mut angesagt und Selbstvertrauen, nicht Anbiederung an den vermeintlich Stärkeren, die CSV. Und wer sagt, dass diese überhaupt so stark ist? Wann und womit hat sie das bewiesen?

  2. Held ist, nach dem Sprachbrockhaus, ein aussergewöhnlicher Mensch, der besonders Hervorragendes und Tapferes leistet. Weit und breit sehe ich in unserer politischen Landschaft niemanden auf den dies zutrifft.. Alle wollen sie glänzen. Fragt sich nur womit und wodurch. Unsere Politiker tun sonst nichts, wenn überhaupt, als ihre Pflicht!

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