Rezenten Studien zufolge ist der Durchschnittsintelligenzquotient der Menschheit dabei, zu sinken. Es ist das erste Mal in der Menschheitsgeschichte – oder zumindest, seitdem wir intelligent genug sind, unsere Intelligenz zu messen. In Frankreich ist der Landesdurchschnitt, laut einer Studie, die die Zeitschrift Intelligence veröffentlicht hat, zwischen 1999 und 2009 um 3,8 Punkte gefallen, im Allgemeinen sei seit der Mitte der 90er-Jahre eine Rückentwicklung zu vermerken. Weiteren Zahlen zufolge sinkt der IQ mittlerweile alle zehn Jahre um etwa zwei Punkte.

Interessanterweise beginnt diese Tendenz zeitgleich mit dem Aufschwung von Internet und der epistemischen Revolution, die mit dem World Wide Web eingeläutet wurde. Was zu folgendem Paradoxon führt: Obwohl wir mit dem Internet und dem Smartphone eine Enzyklopädie in unserer Hosentasche mit herumschleppen, nutzen wir dieses Instrument eigentlich viel zu wenig, um unseren schwindenden Intellekt zu stimulieren.
Bildungsminister Claude Meisch möchte zu einer Optimierung der technologischen Ausstattung in den Schulen beitragen, indem jeder Schüler in Kürze über ein Tablet verfügen soll. Bedenkt man aber, wie wenig der Großteil der Erwachsenen die epistemische Revolution, die man in der Verbindung zwischen dem Wissensfundus des Internets und der Verfügbarkeit des Smartphones sehen kann, nutzt, dürften Zweifel aufkommen: Keine intellektuelle Stütze, keine der technologischen Krücken, die uns das Leben erleichtern, wurde bisher so dämlich eingesetzt wie das Smartphone.

Ein Fallbeispiel: Einer Vielzahl der Konzertgänger fällt während eines Rockkonzerts nichts Besseres ein, als ihr Handy hochzuhalten, um den Song zu filmen oder Fotos zu schießen. Dabei interessiert sich niemand für diese Bilder, schaut sich keiner diese schlecht gefilmten Videos an – und man verpasst dabei nicht nur das Konzert, sondern stört auch noch die realen Aficionados. Dabei könnte man das Handy ja, falls denn überhaupt notwendig, nutzen, um sich (vor dem Konzert) über die Band schlauzumachen, die vorherigen Setlists aufzurufen, um zu wissen, was gespielt wird, oder sich in die Alben der Künstler zu vertiefen.

Mit dem Internet verhält es sich wie mit der unendlichen Bibliothek in der Kurzgeschichte „Die Bibliothek von Babel“ von Borges: Jede Wahrheit findet man irgendwo versteckt, sich in dem Informationsdschungel zurechtzufinden, muss aber erst erlernt werden. Es ist heutzutage weniger wesentlich, das Wissen zu behalten, als dass wir lernen müssen, wie und wo wir es finden und wie wir es beurteilen und einsetzen – kurzum: Unser Umgang mit den Daten muss neu erlernt werden, wir müssen unser Hirn gänzlich umtrainieren, weil ganz andere Funktionen beansprucht werden.

Der Datenwust, dem wir jeden Tag begegnen, führt dazu, dass wir schneller als sonst eine Vielzahl an verschiedenen Informationen auffassen müssen – die Metapher der zahlreichen Fenster, die wir auf unserem Bildschirm öffnen und schließen, zeigt schon, in wie viele Welten wir tagtäglich eintauchen. Das Resultat? Wir sind weniger konzentriert, da wir uns auf einer Vielzahl von Ebenen aufhalten. Wir lesen ständig diagonal, werden fahrlässiger, werden zu Meistern des Ungefährs.

Der IQ misst nicht die Kreativität: Hier scheint das Dahinschwinden unserer Intelligenz nicht statt zu finden. Vielleicht sollte man also wieder öfter ins Theater gehen oder ein Konzert besuchen. Und das Smartphone zu Hause lassen.

4 Kommentare

  1. Seit die meisten Menschen das Buch zur Seite gelegt haben, verlernt haben mit der Feder zu schreiben ,ihr Leben den Rechner überlassen haben , scheint die Welt großen Schrittes zurückzuschreiten.Wen wundert’s ,wenn die Kommunikation nur noch aus der Zeichensprache kunterbunte Männchen besteht, wir unseren Kindern die Phantasie abgraben, die Kinder sterilen Kinderhorten überlassen, das Spiel auf der Straße ,der Natur ersetzt wird durch das neueste Smartphone.Ob ein Theaterbesuch oder Konzert das Übel einer geistig immer mehr verkommenden Gesellschaft verhindern, bezweifele ich.

    • Das erklärt wahrscheinlich wieso mein IQ während den letzten Jahren immer weiter gestiegen ist: die Referenz 100 ist stetig gesunken…;)

  2. De Kommentar ass excellent an op de Punkt.

    Mir brauchen eng Medieneducatioun fir eis Kanner, dat muss scho gemässecht an der Primärschoul ufänken. Kritescht Denke muss gefërdert ginn, dass mol erëm d’Leit d’Geschichten hannerfroen a recherchéieren, déi an de soziale Medie gedeelt ginn. Kuerz nogoogelen, a scho weess een dass Quatsch verbreet gëtt.

    Aktuellt Beispill “bff” op FB, all Dag verbreet iergend een aneren de Blödsinn weider, fir d’Leit virun den HACKER ze warnen. Awer selwer NULL Anung vun der Matière.

    Mir ziichten eis eng Welt voller Besserwësser erun, déi just nach an den Internet ginn, fir hir Meenung bestätegt ze kréien, net méi fir ze kucken ob se net awer falsch leien.

    D’Medie mussen och an d’Verflichtung geholl ginn. Kuckt emol wéi hautdesdaags Titele vun Artikelen d’Leit just nach wëlle lackelen. Op der enger Säit mussen se esou schreiwen, soss geet jo kee méi kucken, wann d’Info schonn am Titel steet, op där anerer Säit dréit een dozou bei, dass et na schlëmmer gëtt. Masseverblödung gëtt esou just nach beschleunegt.

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