Der Brexit spaltet nicht nur die britische Bevölkerung, er droht nun auch die Konservative Partei zu zerreißen. Vor allem Boris Johnsons zunehmend groteskere Mätzchen fangen an, den verantwortungsbewussten Teil der Partei in Aufruhr zu bringen. Denn Johnson scheint unbedingt mit wehenden Fahnen und “all guns blazing” untergehen zu wollen. Doch hat er nicht das geringste Recht dazu, die Partei und die ganze Nation mit seinen persönlichen Götterdämmerungsfantasien mit ins Verderben zu reißen.

Was er und seine Kumpane an den Tag legen, hat nur wenig mit Mut und Innovationsfreude zu tun, so wie sie es gerne selber darstellen, sondern einiges mit schierer Gewissenlosigkeit: Johnson ist “reckless”, rücksichtslos und unbesonnen, er spielt, ohne mit der Wimper zu zucken, mit der Zukunft Großbritanniens Roulette. Russisches Roulette.

So wie andere prominente Brexiteers findet er nichts daran, aus ideologischer Verbohrtheit, wenn nicht gar aus reinem Spaß an der Freud die wirtschaftliche Existenz von Millionen seiner Landsleute – auf den Inseln wie auf dem Kontinent – aufs Spiel zu setzen.
Zum politischen Kriminellen wird man nicht nur, indem man einen Krieg vom Zaun bricht oder einen Völkermord inszeniert.

Indem die Brexit-Hardliner einen Abgang ihres Landes aus der EU anstreben, der im Endeffekt ihrer Nation zwangsläufig schweren wirtschaftlichen und sozialen Schaden zufügen wird, machen sich ausgerechnet sie, die ihren Patriotismus so gerne monstranzartig vor sich hertragen, zu Verrätern an der Wohlfahrt ihrer Nation.
Derweil geht die Suche nach einer provisorischen Lösung weiter, die den 27 wie den Briten etwas mehr Zeit einräumen würde, das angekündigte Desaster eines Hard Brexit doch noch abzuwenden.

Leider gibt es auf britischer Seite ein paar Oberschlaue, die offenbar der Meinung sind, dass man – indem man den Popanz Hard Brexit nur fleißig genug schwenkt – den Kontinentalen zusätzliches Cherry-Picking abtrotzen kann. Doch bei den 27 hat man längst die Absicht gemerkt und ist verstimmt. Derlei Konzessionsschinderei wird in der Rest-EU zusehends als Zumutung, wenn nicht gar schlicht als Frechheit empfunden.
Was die Brexiteers dem Volk, das sie mit Lug und Betrug an der Nase herumgeführt haben, natürlich nicht gestehen wollen: Der beste Deal für das UK in dieser traurigen Schmierenkomödie ist und bleibt die Absage des Brexits. Pure et simple. Jeder “norwegische” Deal würde die angeblichen Nachteile des Drinbleibens mit den ganz realen des Draußenstehens kombinieren. Während ein Hard Brexit sich zu einem der beknacktesten und unbegreiflichsten Akte der politischen und wirtschaftlichen Selbstverstümmelung aller Zeiten auszuwachsen drohte.

1 Kommentar

  1. Wie sagte mein Freund Gregory aus Manchester, Brexit ein Drama in drei Akten, Shakespeare hätte es nicht besser schreiben können. Am Ende landen alle Hexen auf dem Schafott. Übrigens Gregory wird Asyl beantragen in Frankreich, Belgien oder Luxemburg.

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