Schulpolitik ist Gesellschaftspolitik. Nur gute, demokratisch funktionierende Schulen garantieren eine gerechte Gesellschaft, ermöglichen den sozialen Aufstieg, sorgen für Integration und Inklusion von Kindheit auf.

Voraussetzung ist, dass das Klima in den Lehranstalten gut ist, dass motivierte Lehrer ihr pädagogisches Wissen in einem angemessenen Rahmen dazu nutzen können, allen Kindern – sowohl jenen mit schneller Auffassungsgabe, im Idealfall sogar noch mit Fleiß gepaart, als auch jenen, die langsamer verstehen oder sprachlichen Nachholbedarf haben – im Rahmen ihrer Möglichkeiten Wissen zu vermitteln, ihre kognitiven Fähigkeiten zu fördern und sie zu mündigen Bürgern zu machen.

Klar, die Schule kann nicht alles – aber alles, was sie kann, sollte sie auch bieten können.
Zurzeit scheint es allerdings eher schlecht um das Klima in den Grundschulen des Landes bestellt. Anders als Minister Meisch (Autor des Buches „Staark Kanner – eng Häerzenssaach“), der nicht müde wird, die positiven Auswirkungen der zahlreichen Reformen der letzten Jahre zu unterstreichen, werden ebendiese Reformen von der Lehrerschaft als Quelle der – wie sie es sieht – aktuellen Misere in den Grundschulen, die in einer „tiefen Krise“ steckten, gesehen.

Diktierte Personalkontingente pro Schule, die zu größeren Klassen führen, ein Bewertungssystem, das die Eltern nicht verstehen, weggefallene Nachhilfekurse, die Einführung von Regionaldirektionen, deren Zweck sich den Lehrern nicht erschließt, ein wachsender Verwaltungsapparat und administrativer Aufwand werden zunehmend als unnötige Belastung gesehen; in diesen Punkten sind sich die Lehrersyndikate SNE und SEW mittlerweile einig.

Jetzt veröffentlichte das OGBL-Syndikat eine Umfrage, an der etwa ein Viertel der Menschen, die den Kindern Lesen, Schreiben, Rechnen und mehr beibringen sollen, teilgenommen haben. Diese bietet ein desaströses Bild des moralischen Zustandes ebendieser Lehrer und Lehrbeauftragten, die sich recht allein gelassen, teils überfordert und nicht respektiert fühlen. Hinzu kommt eine neue Angst, die so sonst nur in Diktaturen auftritt. Trotz Zusage, dass die Aussagen in der Umfrage anonym behandelt würden, gaben einige Lehrer an, nicht teilnehmen zu wollen – aus Angst vor ministeriellen Konsequenzen.

Bereits vor geraumer Zeit sorgte ein Rundschreiben beim Lehrpersonal für Aufregung, das jenen, die zu mündigem Denken und Handeln erziehen sollen, verbot, mit Pressevertretern über Schulangelegenheiten zu sprechen. Es scheint demnach Handlungsbedarf zu geben, und zwar dringenden. Gerade in einem Einwanderungsland, wie Luxemburg eines ist, mit seinen ganz spezifischen Herausforderungen an die Schule, muss diese ohne unnötige Reibungsverluste funktionieren. Mit Geld allein sind die Herausforderungen offensichtlich nicht zu stemmen. Ein echter Dialog ist notwendig und dies bedeutet nicht, wie Patrick Arendt vom SEW es mit leichtem Sarkasmus ausdrückt, dass der Minister sage, „es sei nun Dialog“, sondern dass tatsächlich miteinander geredet wird …

3 Kommentare

  1. Man hätte Meisch nicht ein zweites Mal ans Werk lassen dürfen. Die Wähler, die Eltern und die Lehrer haben davor gewarnt! Die Kinder werden es auch noch zu spüren kriegen, spätestens wenn sie eine Arbeit suchen. Aber zu der Zeit wird Meisch seine Pension genießen, und die Kinder werden sie bezahlen.

  2. @Jemp:
    Jo, sëcher huet den Herr Meisch sain Deel un Verantwortung dorun, wéi alles am Schoulwiesen sech weiderentwéckelt. (Dëst konnt een sech awer och virstellen, wann een weess dass hien vunn der DP ass, an een dann 1+1 zesummen zielt).
    Nun asset awer och esou, dass hien net alleng ass. Hien muss och weider no uewen, an och no lénks an riets Rechenschaft ofginn, an hien muss kucken dass et mam ominéisen Budget opgeet. An et ass eben och grad deen, deen den reellen Chef ass, den Budget (op elo an der Educatioun, oder an der Santé, oder…). An deen decidéiert hien nunmol net alleng.
    Esou Szenarien goufen schonn lang am Virraus gesot, an ech denken an soen och dass déi op aneren wichtegen Platzen d’sellwëscht sinn, notamment “Santé” an awer och bei “der Famille” (sprëch, den Maisons Rlais an Co.).
    -> d’Rechnung bezuelen d’Kanner, déi psycho-affektif voller Schwachstellen an Manktumen grouss ginn. An dat alles well een zu 2x 40 Stonnen schaffen muss goen, oder mengt mussen ze goen. D’Rechnung kënnt halt just erréischt Joren duerno, mais se kënnt. Do sinn mir der sellwëschter Meenung.
    => Wou mir ons awer net eenz sinn ass beim Thema “Eegenverantwortung”. Wichteg wier opzehalen ëmmer op d’Leierpersonnal ze klappen, oder den Minister, oder soss een aneren Sündenbock, an unzefänken emol an den Spigel ze kucken an sech ze froen wat een selwer gemach huet, oder kann machen fir dat Boot an eng aner Richtung ze rudderen.
    (Wéi wor nach dës Lescht déi éischt Äntwert vunn engem Lieser op d’Publikatioun vunn dëser ominéiser Studie: “Pff, dat Léierpersonnal… Hunn déi gréissten Pai an sinn ëmmer um Meckeren. Ëmmer dat sellwëscht.” -> meng Äntwert dorop ass hei och beschriwwen).

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