Wer bisher von Robotern in der Arbeitswelt redete, sprach in der Regel von klobigen Maschinen, die in Fabriken stumm und zuverlässig Autos zusammenbauen, den Menschen von körperlich schwerer Arbeit entlasten. In der Zwischenzeit erobern Roboter die Büros. Diese an den herkömmlichen PC erinnernden Rechner haben mit den Industrierobotern gemeinsam, dass auch sie dem Menschen Arbeit abnehmen, aber solche, die bisher allein Letzterer ausführen konnte, weil nicht nur Muskelkraft, sondern Intelligenz, Fachwissen erfordert war.

Längst können Maschinen, die zuvor mit entsprechenden Daten gefüttert wurden, Artikel über ein Fußballspiel verfassen oder Geschäftsberichte erstellen. Roboter unterstützen Ärzte bei der Diagnose und Behandlung von Patienten. In einzelnen Bereichen wie etwa der Radiologie könnten Computer die Auswertung der Röntgenbilder und MRT-Aufnahmen vollständig übernehmen, schreibt der US-amerikanische Sachbuchautor Martin Ford in „Der Aufstieg der Roboter“.

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Berufe, deren Diplominhaber bisher auf eine sichere und ein gutes Einkommen garantierende Karriere hoffen durften, bleiben von der fortschreitenden Digitalisierung und Automatisierung nicht verschont. In Anwaltskanzleien erledigt intelligente Software Arbeiten, mit der sich angehende Anwälte bisher befassten. Zu Jahresbeginn seien in den 50 umsatzstärksten Sozietäten Deutschlands 14 Prozent weniger Anwälte zu Partnern ernannt worden, so die deutsche Wochenzeitung Die Zeit im Oktober 2016. Schon bald könnten 50 Prozent der Aufgaben, die derzeit noch Jungjuristen erledigen, von Algorithmen übernommen werden.

Das Rechtswesen Deutschlands unterscheidet sich vom luxemburgischen. Dennoch lassen solche Zahlen aufhorchen. Und beschäftigen auch angehende Juristen und Wirtschaftswissenschaftler hierzulande, wie das vergangene Woche von den Vereinigungen von Jura- und Ökonomiestudenten Aneld bzw. Anesec organisierte Rundtisch-Gespräch über Innovation und Digitalisierung in ihren Berufen zeigte.

Eine der Schlussfolgerungen der Runde: Intelligente Software wird die Arbeit vereinfachen, da sie Routine-Aufgaben übernimmt. Was wiederum dem Einzelnen mehr Zeit für „kreative“ Arbeit lassen wird. Auch in Zukunft werde es Anwälte und Steuerexperten geben, die mit ihren Kunden von Angesicht zu Angesicht Probleme besprechen und nach Lösungen suchen werden, so eine der optimistischen Aussagen. Für fantasievolle Steuervermeidungskonstrukte dürfte der Mensch ohnehin bis auf Weiteres unersetzlich bleiben, könnte man dem hinzufügen.

Die größte Herausforderung für die zukünftigen Berufseinsteiger wird demnach darin bestehen, sich immer wieder infrage stellen zu können, neue berufliche Fähigkeiten zu erlernen, um den intelligenten Maschinen einen Schritt voraus zu sein. Den passenden gesetzlichen Rahmen dazu muss die Politik schaffen bzw. anpassen. Sie müsste sich jedoch genauso darum bemühen, das soziale Sicherheitsnetz so eng zu knüpfen, dass auch Working poors mit akademischen Graden nicht hindurchfallen werden. Denn der Weg zum Staranwalt bzw. genialen Unternehmensführer wird in Zukunft weitaus schwieriger werden. Prekarisierung droht, sich auch in ehemals bombensicheren Berufen breitzumachen.

Zeit zur Anpassung bleibt. Ausgerechnet ein Kenner der Materie, Rodney Brooks, langjähriger Leiter des Laboratoriums für Künstliche Intelligenz und Informatik am Massachusetts Institute of Technology, setzte dem überschwänglichen Technologie-Optimismus einen Dämpfer auf. Künstliche Intelligenz werde ständig überschätzt, schrieb er im Oktober in der MIT Technology Review. Das war in den Jahren 1960, 1980 der Fall und ist es auch heute. Aber die langfristigen Perspektiven seien sicherlich unterschätzt. Die Frage sei nur, wie man langfristig definieren soll.

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