Vor den in knapp einem Jahr stattfindenden Olympischen Spielen in Tokio werden US-amerikanische Athleten unterschreiben müssen, keine politischen (oder religiösen) Zeichen während der Veranstaltung zu setzen.

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USA, Santa Clara: Eine Cheerleaderin der San Francisco 49ers kniet während der Nationalhymne vor einem NFL-Vorsaison-Fußballspiel zwischen den 49ern und den Dallas Cowboys. Bei der Nationalhymne zu knien ist im US-Football ein Ausdruck des Protest gegen Ungleichbehandlung vor allem von afroamerikanischen Sportlern.
Foto: John Hefti/AP/dpa

Nachdem es jüngst bei den panamerikanischen Spielen zu einem Kniefall eines Fechters und einer gereckten Faust einer Leichtathletin während der Hymne kam, ist das Olympische Komitee der Staaten in Alarmbereitschaft, vor allem, weil die Welle des Protests im US-Sport nicht abzuebben scheint.

Die begann im September 2016, als der Quarterback der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, während der Nationalhymne auf die Knie ging. Er wollte dadurch ein Zeichen gegen die Polizeigewalt und die strukturelle Benachteiligung der Schwarzen in seinem Land setzen. Und knüpfte somit an den legendären Protest der Leichtathleten Tommie Smith und John Carlos bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko an. Bei der Siegerehrung reckten die Sprinter die schwarz-belederte Faust in den Himmel, das Zeichen der Black-Power-Bewegung.

Während Smith und Carlos damals vom Olympischen Komitee der USA nach Hause geschickt wurden, hat Kaepernick seit der Saison 2016 keinen neuen Verein gefunden. Seine Aktion aber fand zahlreiche Nachahmer, sodass der US-Profisport seither turbulente Zeiten erlebt. Vor allem im American Football, der mit Baseball ureigenen Sportart der Amerikaner, ist der Aufruhr groß. Football ist eine gigantische Sportshow, umrahmt mit einer riesigen Portion amerikanischen Pathos. Was freilich nicht immer so war.

Patriotischer Zinnober noch recht neu

Dass die Spieler während der Hymne auf dem Platz stehen sowie der ganze Zinnober um Flagge und Militär sind erst seit 2009 fester Bestandteil der Football-Spiele. Und zwar nur aus dem Grund, da damals das Verteidigungsministerium die Profiliga NFL mit mehreren Millionen Dollar sponserte. In der in zehn Tagen beginnenden neuen Saison ist es ein hoher zweistelliger Millionenbetrag, den sich das Pentagon kosten lässt, um Flagge, Hymne und Streitkräfte in einem möglichst guten Licht einem Massenpublikum präsentieren zu können.

Da stören die Aktionen der Kaepernicks und Co. natürlich ganz gewaltig, zumal der US-Sport (genau wie inzwischen auch der europäische Spitzenfußball) ein milliardenschweres Hochglanzprodukt ist. Die Basketball-Liga NBA, deren Spieler wie in der NFL mehrheitlich von schwarzer Hautfarbe sind, hat darauf reagiert und in den Spielerverträgen festgehalten, dass die Spieler bei der Nationalhymne stehen müssen, ansonsten ein sattes Bußgeld droht.

Der blinde Patriotismus siegt demnach über die freie Meinungsäußerung, und das ausgerechnet im „Land of the Free“ … was in Zeiten von Präsident Trump nicht wirklich verwundert. Der sorgt mit seiner Hetze gegen Einwanderer und Muslime dafür, dass der Riss durch die USA immer tiefer wird. Und trotzdem manifestiert sich der Widerstand aus dem Sport immer wieder. Zuletzt bot Megan Rapinoe dem Präsidenten bei der Frauenfußball-WM die Stirn und gelangte so zu weltweiter Popularität. Die protestierenden Sportler riskieren dabei viel. Neben rechten Shitstorms in den sozialen Netzwerken setzen sie lukrative Werbeverträge oder aber wie im Fall Kaepernick ihre gesamte Karriere aufs Spiel.

5 Kommentare

  1. Jeder hat das Recht auf freie Meinungsausserung aber nicht wann und wo er will. Was würde wohl geschenen wenn Abtreibungsgegner oder Trump-Fanatiker oder Waffenfanatiker während eine kulturellen oder sportlichen Verantstaltung ihr politisches Anliegen vorbringen würden?

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