Das Resultat erinnert an Referenden in Luxemburg: 80 Prozent der Teilnehmer haben sich in einer europäischen Umfrage gegen die Zeitumstellung ausgesprochen. Eine überwältigende Mehrheit will das Hin und Her abschaffen. Das Resultat kommt nicht überraschend. Erstens, weil die nicht repräsentative öffentliche Konsultation vor allem die Menschen angezogen hat, die eine starke Meinung zur Winter- und Sommerzeit haben. Zweitens, weil auch andere Umfragen schon gezeigt haben, dass immer weniger Bürger die Zeitumstellung befürworten.

Es ist schon erstaunlich. Es gibt wenige so direkt jeden Einzelnen betreffende Eingriffe in unser tägliches Leben wie die Tatsache, dass über eine gesetzliche Verordnung zweimal im Jahr so etwas Grundsätzliches wie die Uhrzeit einfach verschoben wird. Eigentlich würde man erwarten, dass dies nur dank einer äußerst harten Faktenlage zu den Vorteilen möglich sei. Dem ist jedoch nicht so. Ob die Sommerzeit ihre Ziele tatsächlich erreicht – u.a. weniger Energieverbrauch und weniger Verkehrsunfälle –, ist höchst umstritten. Wenn nachvollziehbar ist, dass in Krisenzeiten (während Kriegen oder, wie in der EU, im Rahmen der Ölkrise der 1970er Jahre) solche Maßnahmen beschlossen werden, kann man sich über die fehlende Infragestellung seither nur wundern.

Gleichzeitig ist es bezeichnend für unsere Zeit, dass jetzt eine freiwillige Abstimmung auf einer Internetseite das Ende der Zeitumstellung besiegeln könnte – und nicht etwa eine wissenschaftliche Studie. Und dass jetzt tatsächlich im Raum steht, die Sommerzeit zum neuen Standard zu bestimmen, darf man getrost als dem Zeitgeist geschuldete Huldigung an das Primat der Meinung und des Gefühls über die Natur und die Wissenschaft einordnen.

“Sommerzeit” ist eine denkbar schlechte Übersetzung für das, was im Englischen “Daylight Saving Time” heißt. Letztere Bezeichnung macht nämlich klar, was die Regel (die Winterzeit) und was die Ausnahme (die Sommerzeit) ist. Wobei, selbst die “normale” Winterzeit entspricht in Luxemburg eigentlich nicht dem, was die Natur vorgibt. Gestern ist die Sonne um 6.53 Uhr aufgegangen. Sonnenuntergang war um 20.15 Uhr. Eine Sonnenuhr, die auf eine Tagesmitte um 12.00 Uhr ausgelegt ist, würde die Sonne hingegen von 5.19 bis 18.41 Uhr scheinen lassen – ein Unterschied nicht nur von einer Stunde zur Sommerzeit-bedingten Zeitverschiebung, sondern noch über eine halbe Stunde mehr. Ginge es rein der Sonne nach, würden Paris und Brüssel, wie bis 1940 und wie heute noch London und Lissabon, eine Zeitverschiebung von einer Stunde gegenüber Berlin vorsehen müssen.

Unser Körper, dessen innere Uhr nicht von Swatch, Casio oder Rolex, sondern vom Sonnenlicht abhängt, wird durch die Unterschiede zwischen der Uhrzeit, wie sie von der Natur einerseits und dem Gesetzgeber andererseits vorgegeben ist, belastet. Die Sommerzeit macht demnach unausweichlich aus allen Morgenmuffel. Zu den vehementesten Verfechtern der Abschaffung der Zeitumstellung gehören daher die Chronobiologen, jene Wissenschaftler, die die “innere Uhr” des Menschen studieren.
Es gibt also viele gute Gründe, auf die Zeitumstellung zu verzichten. Der einzige rationelle Weg, dies zu tun, ist jedoch, zur “normalen” Zeit zurückzukehren: zur Winterzeit.

15 Kommentare

    • Laut Chronobiologen genau wie in Luxemburg: der Moment am Tag, der (für die Netzhaut) am hellsten ist, wird als “Mittag” empfunden. Allerdings gehen nicht alle Menschen gleich damit um. Man unterscheidet so zwischen den Chronotypen “Lerche” und “Eule”.

      • Verstehe es immer noch nicht richtig. Die Leute in Cayenne sind also mit der inneren Uhr näher an der wirklichen Zeit als die Leute in Grönland. Nahe an den Polen ist das Ungleichgewicht grösser. Habe Bekannte die wechselnd in Luxemburg und nahe am Äquator wohnen. Die innere Ausgeglichenheit ist am Äquator wesentlich höher, sagen die!

  1. “vor allem die Menschen angezogen hat, die eine starke Meinung zur Winter- und Sommerzeit haben.”

    Also doch repräsentativ, denn Menschen, denen die Zeitumstellung egal ist, haben sich eben nicht geäussert. Nichts tun ist auch eine Wahl.

    Harte Fakten? Eine Studie zum jetzigen Zeitpunkt könnte keine harten Fakten, sondern nur subjektive Hypothesen liefern, denn mit der Zeitumstellung wurde jahrzehntelang OHNE STUDIEN an der körperlichen Zeituhr RUMGEPFUSCHT. Wir sind alle mehr oder weniger in “Unordnung”, manche kurzfristig, manche langfristig.

    Da sich abzeichnet, dass wir bei Sommerzeit bleiben werden, hoffe ich, dass es diesmal nach ein paar Testjahren wissenschaftliche Studien geben wird, denn Sommerzeit ist möglicherweise nicht die Lösung. Doch das können nur harte Fakten nach ein paar Jahren zeigen. (Ich habe mich auch für Sommerzeit ausgesprochen, obschon ich nicht sicher bin, ob uns das gut tun wird – wir haben eben noch keine Erfahrung in der Hinsicht.)

  2. Toll, maache mer dat. Um 18h well am August däischter, am Wanter well um 14h. Wee brauch scho VItamin D… Leit gi komeschweis meeschtens vun 8-17h schaffen a ginn duerno virun d’Dier, net well moies um 4 oder 5h fiir Sport ze maachen. Am Fong misste mer permanent Summerzäit +30min hun.

  3. Dass viele eine dauerhafte Beibehaltung der Variante “Sommerzeit” wünschen, liegt eigentlich auf der Hand: Sie hat sich schlichtweg bewährt. Vergessen wir nicht: Auch im bisherigen Zeitwechsel-System haben wir immerhin sieben Monate lang die sog. Sommerzeit. Und die Menschen schätzen es nun mal, abends, nach der Arbeit, aber auch an freien Tagen, mehr “späte” Helligkeit zu haben – haupts. aus Freizeit- und gesellschaftlichen Gründen. Nennen wir es Lebensqualität. Morgens, wenn ohnehin Büro oder Schule anstehen, führen wir sowieso ein Kunstlicht-Leben. Wen stört’s? Sieht man sich einmal die sog Winterzeit im Hochsommer an und nimmt als mitteleuropäische Beispiele Berlin oder Prag, dann sehen wir, dass die Sonne schon weit vor 4 Uhr nachts aufgeht. Das kann keiner gebrauchen – und noch dazu heizt die Sonne die Atmosphäre dann viel zu früh zu stark auf: Wer hat dann noch bis 7 oder 8 Uhr die nötige Schlafqualität (wenn wir schon von gesundheitlichen Effekten sprechen)? Ohnehin haben sich Gesellschaft und Lebensrhythmus seit Abschaffung der vermeintlichen Normalzeit (“Winterzeit”) erheblich verändert. Und dem sollte Rechnung getragen werden. Und sollte sich kein europäischer Konsens finden: Die Fortsetzung des bisherigen Zeitwechsels wäre zumutbar und keine Katastrophe. Mit Winterzeit im Sommer wäre das schon schwieriger.

    • @gudi, danke jetzt brauche ich nicht mehr soviel zu schreiben. wenn abschaffen + winterzeit: dann lassen wir´s doch lieber so wie es jetzt ist. im sommer vor 5 uhr hell bringt niemandem was, und im winter erst gegen oder nach 9 uhr morgens hell stört mich persönlich nicht. da arbeite ich wie so viele, und von denen die nicht arbeiten gehen viele in die schule.

  4. Immer Sommer, nur im Winter nicht. Aber da haben wir ja die Sommerzeit. Was will man mehr? Die ganz Bequemen müssen die Uhren nicht mehr vor-oder zurückstellen. Und die Hähne brauchen sich auch nicht mehr umzustellen.

  5. Die Zeit(Uhr) wurde vom Menschen erfunden. Die Natur hat unsere innere Uhr so eingestellt,dass wir uns mit dem Licht bewegen(tagaktiv). Dass man in modernen Zeiten so lange wie möglich auf der Terrasse Bier schlürfen will und das als Lebensqualität empfindet hat mit Biologie und Wohlempfinden nichts zu tun. In Frankreich gibt es Gemeinden wo Schilder darauf hinweisen,dass nachts ab 23.00 die Straßenbeleuchtung abgeschaltet wird.
    So spart man Energie ohne an der Uhr zu drehn. Man stelle sich Luxemburg vor mit nur der hälfte aller Straßenlaternen ab 24.00 Uhr.

    • Dass noch niemand auf diese Idee gekommem ist! Aber wir brauchen ja nicht zu sparen, besonders nicht an Energie. Wir, das reichste Lande in der EU, schöpfen aus dem Vollen.

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