Als Steve Bannon noch in Amt und Würden war, erklärte er einmal, dass die beste Methode, die politische Agenda der Demokraten zu kontern, der Wirtschaftsnationalismus sei. Und sein damaliger Herr und Gebieter erwies sich ja auch recht bald als ein gelehriger Anhänger dieser These.

Doch noch sind die USA keine Despotie und noch gibt es offensichtlich Instanzen, welche sich dieser Tendenz entgegenstellen. In der Tat hat die United States International Trade Commission am Freitag die Absicht der US-Regierung, das Flugzeugprogramm C-Series des kanadischen Herstellers Bombardier mit fast 300% Strafabgaben beim Import in die USA zu belegen, einen Riegel vorgeschoben. Diese Abgaben hätten, falls sie in Kraft getreten wären, der C-Series den Hals umgedreht.

Boeing hatte die Kanadier wegen Dumpings verklagt, obwohl der Hersteller in der Größenklasse der C-Series kein eigenes Flugzeug anzubieten hat und ergo auch keinen Schaden durch unlautere Konkurrenz hätte erleiden können. Doch Boeing hat offensichtlich Geschmack gefunden an dem, was der US-Präsident am liebsten tut: Bullying. Kleinere Konkurrenten sollen unter Androhung oder Anwendung nackter Gewalt aus dem Weg geräumt werden.

Dabei war die Vorgehensweise der US-Firma schon allein aus dem Grunde scheinheilig, weil sie – über den Umweg von maßlos überteuerten Militärprogrammen – ebenfalls massiv staatliche Subventionen erhält, die letzten Endes selbstverständlich auch den zivilen Produktreihen zugutekommen.

Wobei zivil und militärisch in dieser Branche nicht immer klar zu unterscheiden ist: Mit einer Boeing 737 kann man sehr wohl Urlauber nach Malle karren, man kann sie aber ebenso mit Torpedos bestücken und auf U-Boot-Jagd gehen. Wie dem auch sei: In dieser Branche zumindest funktioniert das Trickle-down. Vom Steuerzahler zum Großkapital.

Die ganze Affäre Boeing vs. Bombardier bekommt aber definitiv einen schalen Beigeschmack, wenn man sich der Tatsache bewusst wird, dass Boeing seit einiger Zeit versucht, sich den größten Bombardier-Konkurrenten, nämlich die brasilianische Firma Embraer, unter den Nagel zu reißen, um sich so endlich ein Standbein auch in der Kategorie 100 bis 150 Sitze zu sichern.

Offensichtlich wollte also der US-Konstrukteur mithilfe Washingtons schon mal rein prophylaktisch den Markt bereinigen, bevor man überhaupt auf diesem präsent war.
Genau wie Trump scheint Boeing das Recht des Stärkeren anzubeten. Nur dass dies halt nicht immer besonders schlau ist.

Erstens hängt Boeing vom weltweiten Export noch mehr als vom US-Binnenmarkt ab und sollte daher eigentlich ein Gegner von protektionistischen „Dirty Tricks“ sein.
Zudem haben es die Amerikaner brillanterweise nun fertiggebracht, dass dem europäischen Erbfeind Airbus die Kontrolle über die kanadische C-Series quasi für den symbolischen Euro in den Schoß fiel, so dass diese nun auf den Weltmärkten der zweiten Generation der E-Series von Embraer definitiv zu einer extrem ernsten Konkurrenz erwachsen dürfte.

Aber nun gut, eine der faszinierendsten Triebfedern der Geschichte war halt schon immer die „law of unintended consequences“.

1 Kommentar

  1. “Kleinere Konkurrenten sollen unter Androhung oder nackter Gewalt aus dem Weg geräumt werden.” Leitmotiv des Präsidenten Trump , auch hinsichtlich von Verbündeten wie die Kurden. Die Vasallen Trumps in der US Botschaft auf Limpertsberg fanden es nicht nötig , wäre es doch angebracht gewesen , der politischen Korrektheit wegen ,einen Beamten abzustellen , die Protestler gegen die türkische Agression zu empfangen.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here