Umweltministerin Carole Dieschbourg („déi gréng“) stellte dieser Tage ihre Kampagne „Null Offall Lëtzebuerg“ vor. Einerseits soll die breite Öffentlichkeit mehr für das Thema Abfallvermeidung sensibilisiert werden, andererseits geht es darum, das Ende der Einwegkunststoffe, wie von der Regierung für das Jahr 2021 vorgesehen, einzuläuten. Dem Abfallberg an Plastik soll der Garaus gemacht werden. Gemeinsam mit den Bürgern, die aufgerufen sind, an gleich fünf Workshops teilzunehmen.

Bei den Wahlen am 14. Oktober legten die Grünen bekanntlich mächtig zu. Mit einem Plus von drei Sitzen waren sie es, die es der blau-rot-grünen Koalition überhaupt ermöglichten, weiterzuregieren. Seitdem haben sich die Machtverhältnisse innerhalb des Dreierbündnisses merklich verschoben. Die Grünen haben deutlich an Einfluss gewonnen. Sie sind es, die gegenwärtig den Ton angeben. Die Politik unseres Landes trägt mehr und mehr ihre Handschrift. Kurz: Grün beginnt zu wirken.

Luxemburg war in den vergangenen Jahrzehnten alles andere als ein Musterschüler in Sachen Umweltschutz. Man denke nur an die Strafe in Höhe von fast drei Millionen Euro, die Luxemburg jährlich aufgrund seiner schlechten Abwasserqualität an die EU zahlen musste. Weil es in unserem Land nicht genug Kläranlagen gibt und diese Problematik stiefmütterlich behandelt wurde. Weil dem Umwelt- und Klimaschutz nicht ausreichend Aufmerksamkeit zukam, sind die Baustellen nun zahlreich. Ob indes die gegenwärtig an den Stammtischen und in den sozialen Netzwerken heftig diskutierte Preiserhöhung auf den Mineralölprodukten zwecks Reduzierung des Tanktourismus auch dazugehört, sei an dieser Stelle einfach mal dahingestellt.

Zurück zum Plastik: „Großes entsteht im Kleinen“ prangt auf einem Schild, wenn man in Schengen die Brücke nach Perl überquert. Wie in ganz Deutschland ist man uns auch dort in der Grenzgemeinde, die mittlerweile vielen Luxemburgern zur Wahlheimat geworden ist, in Sachen Vermeidung von Verpackungsmüll schon lange mehrere Schritte voraus. Neben grüner und normaler Abfalltonne, einem Recyclingpark für Glas und Papier kommt dort ein sogenannter „gelber Sack“ für Plastik, Folien und Co. zum Einsatz. Bereits am 1. Januar 2003 wurde bei unseren deutschen Nachbarn das Pfandsystem für Einwegverpackungen von Getränken für Glas, Plastik und Dosen eingeführt.

Großes entsteht immer im Kleinen und fängt stets bei jedem Einzelnen an. Das aktive Miteinbeziehen der Bürger bei der Abfallvermeidung könnte sich als Glücksgriff entpuppen. Vorausgesetzt, das Unterfangen wird nicht halbherzig angegangen. Es sieht also ganz danach aus, als ob demnächst neben dem kostenlosen öffentlichen Verkehr ein weiteres Argument in die Vitrine des viel zitierten Nation Branding gestellt werden kann. Von Zero Waste sind wir noch weit entfernt. Oder um es etwas poetischer und frei nach Johann Wolfgang von Goethe zu formulieren: Es werden noch einige Frühlinge ins Land ziehen, bis es denn heißt: „Vom Plastik befreit sind Strom und Bäche.“

4 Kommentare

  1. @ Tageblatt: es wäre schön, wenn Sie regelmäßig über die Fortschritte am Ausbau der Luxemburger Kläranlagen berichten würden . Seit wir 2013 vom EUGh verklagt worden sind, hört man nichts mehr. Ihr Artikel vom 7. Februar 2019: http://www.tageblatt.lu/meinung/editorial/baden-verboten-wegen-der-wasserqualitaet-der-luxemburger-fluesse/ lässt darauf schliessen, dass noch nicht viel passiert ist, oder?

    Die Grünen wollen Diesel und Benzin zum Luxusprodukt umfunktionieren, obschon wir sie tagtäglich brauchen. Der Shitstorm auf Claude Turmes ist gerechtfertigt: “wenn uns nichts einfällt, erhöhen wir die Steuern”, damit das Elektroauto bald so “billig” kommt wie der Verbrennungsmotor. Dass die Grünen mal gegen Atomkraft waren, scheint ihnen entfallen zu sein. Und der Atomkraftausstieg wird nicht passieren, wenn Elektro-Autos sich durchsetzen. Glücklicherweise haben die Verbraucher genug Verstand, diese Autos eher fürs Hobby zu kaufen als für den tagtäglichen Gebrauch.

    Gratisplastiktüten zu verbieten, war lange überfällig. Die Grünen haben sich getraut. Chapeau!

    Und nun die Ecobox. Das ist eine wirklich gute Sache. Nur müsste der Deckel noch transparent werden und sie könnte für sehr viele Einkäufe eine echte Alternative sein. Das Pfand bekommt man zurück, sobald man sie wieder abgibt und der Hausmüll wird erheblich abnehmen. Auf lange Sicht auch eine finanzielle Erparnis.

    Die Grünen könnten einiges bewirken, wenn sie nicht immer wieder den Geldbeutel der Verbraucher als Lösung für ungelöste Probleme hernehmen würden. Leider sind sie nicht mehr wählbar, wenn sie die langsame Accisenerhöhung so wie angekündigt tatsächlich durchsetzen, statt echte Alternativen zu präsentieren.

    Zum Thema Treibstoff eine weitere Frage: Pierre Ravarin hat in einem anderen Artikel diesen Link geteilt. https://www.keyou.de/ Ist das tatsächlich eine ungefährliche Alternative? Könnten Sie dazu eine Recherche machen? Danke im Voraus.

  2. Zu allererst wäre es nötig das Umweltbewusstsein, vor allem der Jüngeren , zu erhöhen: wenn ich mir hier in Esch die Straßen und Trottoirs anschaue wird mir übel -es wird einfach alles weg geschmissen, was man nicht mehr braucht, angefangen von Plastikverpackungen , aber auch Flaschen , Dosen , Papier, Zigarettenkippen etc…ist scheinbar cool , irgendeiner wird’s ja schon wegräumen ! Von den Hinterlassenschaften unserer geliebten Vierbeiner gar nicht zu reden …

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