Eigentlich hätte die Kulturredaktion des Tageblatt Grund zur Freude. Einer der drei Ankläger im „FCK LXB“-Prozess, bei welchem dem Hip-Hop-Künstler Turnup Tun gezielte persönliche Beleidigung vorgeworfen wurde, kam nämlich gewissermaßen unserer Empfehlung nach, einen sogenannten „Diss-Track“ gegen den Angeklagten zu verfassen. Wir befanden, dass sich die, in dieser Kunstsparte durchaus geläufige, künstlerische Umgangsweise mit Konflikten doch besser eigne als ein juristischer Krieg. Frei nach dem Motto „Make art, not war“.

Der nun von Dan Schmitz auf Facebook veröffentlichte „Song“ sowie auch das Gebaren des mittlerweile freigesprochenen – alles andere als medienscheuen – Tonnar-Sprosses weisen aber darauf hin, dass das innergesellschaftliche Problem, das durch diesen Prozess erneut zutage trat, noch längst nicht gelöst ist. Es haben sich lediglich zwei bereits bestehende Fronten verhärtet.

Dan Schmitz präsentiert in seinem Video nun Beschimpfungen, die durch ein wenig melodisches „Bumsfallera“ unterbrochen werden, das mehr auf eine Art Aggro-Schlager denn auf Hip-Hop schließen lässt. Abgesehen von der eher abstrakt gehaltenen Form tauchen Aufforderungen wie „Féck eis Riichteren“, „Féck eis ganzt Gambia“ und „Féck déi Lénk alleguer“ auf. Schmitz behauptet zu Anfang, dies sei ja nun wohl nicht strafbar, da er sich fortan als Künstler bezeichne. Die in rechten Kreisen florierende Zweckentfremdung der Kunst- und Meinungsfreiheit schreitet also nach wie vor stetig voran. Ein Schelm, wer erahnt, dass der Ausgang des Prozesses wenig neues Bewusstsein geschaffen hat, sondern eher mehr Wasser auf die Viktimisierungs-Mühlen bestimmter politischer Bewegungen gießt.

Dies liegt eventuell nicht zuletzt auch daran, dass der Auslöser alles andere als ideal konzipiert war. Die Gepflogenheit des Genres in allen Ehren, aber jener Jung-Rapper, der in seinem am Mittwoch bei YouTube veröffentlichten, derweil fast 10.000 Mal angeklickten neuen Track „freeturnup“ schwadroniert „Wee geet fir seng Gang an de Bing? Den Turnup!“, beging bei seinem „FCK“-Song einen äußerst amateurhaften Fehler. Sich genauso, wenn nicht sogar aussagekräftiger gegen Fremdenhass in Luxemburg positionierend, haben David Fluit und Maka MC vor zwei Jahren einen Track veröffentlicht, der „Theo Jein“ hieß. Der Vorteil: Kein Theo Jein konnte Anklage erheben, da es keinen Theo Jein gibt. Und doch wusste jeder, um was es in diesem Lied ging. Dieser Kunstgriff ist nicht neu. Er hat bereits etliche Jahre auf dem Buckel und verhalf schon zahllosen Künstlern dazu, dem Tod oder Urteilen zu entrinnen und trotzdem ihre Mitmenschen zu sensibilisieren.

Wenn aber nicht unbedingt die Sache, sondern eventuell das Ego mehrerer Menschen im Vordergrund steht, dann können solche Angelegenheiten ganz schön eskalieren. Dann diskutiert auch die Justiz, die sich in diesem Fall nicht nur mit Ruhm bekleckert hat, über den Wortsinn von „Féck“ statt über Fremdenhass. Wir haben eine tiefe Spaltung in Luxemburg und diese lässt sich bei weitem nicht mehr nur an Kommentarspalten bei FB ablesen. Es ist essenziell, dass diese Diskussion ohne unfreiwillige Werbung für die Tonnars, Theins, Keups und Schmitzens dieser Welt auskommt, sondern endlich verstanden wird, dass wir ein ernstes Wörtchen miteinander reden müssen, auch wenn das unglaublich anstrengend wird. Und ja: Sowohl das rechte wie auch das linke Lager wird sich sicherlich Angenehmeres vorstellen können, aber es ist bitter nötig, wenn Luxemburg nicht total vor die Hunde gehen soll.

13 Kommentare

  1. Schmitz zufolge haben Künstler Narrenfreiheit und dürfen sich alles erlauben. Also wenn jemand beispielsweise seinen Nachbarn aufs Gröbste beschimpft und vor Gericht kommt, genügt es, dass er sich als Künstler ausgibt um freigesprochen zu werden? Das ist doch eine Pervertierung der Kunst!

  2. Ich frage mich wieso diesen sogenannten “Künstlern” überhaupt soviel Aufmerksamkeit zugesprochen wird ? Solchen niveaulosen Spielchen sollten die unter sich selbst ausmachen, denn je mehr Beachtung man Ihnen schenkt desto bedeutsamer sie sich fühlen werden. Das einzige was eventuell Interessant sein könnte ist die Begründung des Freispruchs von Seiten des Gerichts.

    Noch ein kleines Wort an Frau Schaaf Autorin des Artikels. Ich hoffe sie haben den letzten Satz als kleine Satire eingebaut, denn von solchen Zänkereien von “Künstlern” geht Luxemburg sicher nie vor die Hunde.

  3. Primitiv und vulgär mehr kann man dazu nicht sagen, aber wie gesagt es ist eben die Narrenfreiheit, Pardon Künstlerfreiheit dann sei es eben so, meines Erachtens nur einen Niveaulosigkeit}

  4. Den Artikel iwert d’ Lidd, ass weit besser ewei d’ Lidd selwer.
    Denkt en den Text vum Lidd ewech, bleiwt nach d’ Musik. Naja !
    Sinn och fir absolut künstlerech Freiheet,
    Ma anerem Vokabulär, kann een dat selwecht, besser soen.

  5. Ist denn ein respektvoller Umgang miteinander in unserer heutigen Gesellschaft so schwer, auch auf künstlerischer Ebene? Sollte es nicht eben die Aufgabe von Kunst und Kultur sein mit dem guten Beispiel voranzugehen? Anscheinend besteht heute die Kunst vorwiegend aus Schockieren. Umso lauter, umso dreister umso kunstvoller! Hauptsache man macht auf sich aufmerksam, Inhalt und Niveau der Aussage sind Nebensache!

  6. “dass diese Diskussion ohne unfreiwillige Werbung für die Tonnars, Theins, Keups und Schmitzens ”

    Eigenartig. Ist das nun für oder gegen die T………?
    Total aus dem Thema gerissene Ansicht. Zweck nebulös.

  7. Die in rechten UND LINKEN Kreisen florierende Zweckentfremdung der Kunst- und Meinungsfreiheit schreitet stetig voran. Wer Politiker am Arbeitsort oder Wohnort “besucht” oder mit Adressenangabe dazu aufruft ist kein Demokrat. Einer Spaltung der Gesellschaft wie in Deutschland sollte verhindert werden.
    Wer Hetze und Hass andern vorwirft, sollt selber nicht zum Hetzer werden.
    Der Artikel bringt es auf den Punkt und zwar dass alle “miteinander reden müssen”, und zwar nur mit Argumenten und eben auch verstehen dass es verschiedene Standpunkt geben kann.

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