Johnsons „letztes Angebot“ war keines, denn es war von vornherein nur dazu gedacht, den Brexit-Ultras unter den Tories und natürlich den Faragisten zu gefallen. Johnson hat der EU eine Offerte gemacht, von der er genau wusste, dass sie nur scheitern konnte. Und scheitern wird sie, wie gewünscht. Denn sein Traum von irgendeiner hochtechnologischen virtuellen Grenze auf der irischen Insel ist lupenreiner Mumpitz. Dergleichen wurde noch nie in der Praxis erprobt. Und selbstverständlich wird dies in den paar Wochen bis Halloween auch nicht geschehen.

Nun werden die Abgeordneten des Unterhauses den Ministerpräsidenten noch kraft des BennGesetzes dazu zu zwingen versuchen, doch noch eine Verschiebung des Austrittes zu beantragen, doch ist längst bekannt, dass die EU einer Verschiebung nur zustimmen wird, falls London endlich Vorschläge macht, die „legally operable“ sind. Die also mehr darstellen als ein fantasiereiches Wolkenkuckucksheim, das bereits auf dem Papier als geradezu anthologiewürdiges Stück Bullshit erscheint.

Boris’ letztes Angebot war wie gesagt überhaupt nicht an die EU gerichtet, sondern vielmehr an die Leavers zu Hause, denen er nun im kommenden Wahlkampf erklären kann, wie die Europäer (als die sich ein Großteil der Brexit-Jünger ausdrücklich nicht betrachten) seiner Bereitschaft zu schmerzhaften Kompromissen nichts Besseres als eine eiskalte Abfuhr entgegenzusetzen bereit waren.

Viele Menschen fragen sich dieser Tage, wer wohl der westlichen Welt größter Mistkrämer ist: Johnson oder Trump? Nun verfügt Letzterer in ungleich größerem Maße als sein künftiger Vasall aus London über die Fähigkeit, der Geschichte der Menschheit ein nukleares Ende zu bereiten. Im Gegensatz zu Johnson hat Trump aber, selbst in seiner Eigenschaft als König der Lügner, ein gewisses Maß an „Ehrlichkeit“ aufzuweisen: Er hält mit seinen Überzeugungen, dass man Frauen begrapschen darf, dass Dunkelhäutige Menschen zweiter Klasse sind, dass Nazis durchaus feine Menschen sein können und dass das einzige Recht das Recht des Stärkeren ist, nicht hinter dem Berg. Johnson hingegen hat erst tüchtig Kreide gefressen – er ließ kurzzeitig sogar den „Remainer“ raushängen –, bevor er sein Attentat auf die parlamentarische Demokratie des Vereinigten Königreichs hinterrücks ins Werk setzte. Bei ihm kommt zur krankhaften Verlogenheit demnach auch noch eine in die Wolle gefärbte Falschheit hinzu.

Verfügte er in der Tat über ein Minimum an Ehrgefühl und Anstand, hätte er die Schwelle zu 10 Downing Street nicht überschritten, ohne sich zuvor einem Vertrauensvotum des Parlaments gestellt zu haben. Stattdessen zielt er systematisch darauf ab, das Parlament kaltzustellen und – wie Faschisten und andere Autoritäre dies seit jeher tun – sich als nimmermüder Anwalt des „Volkes“ gegen die hinterhältigen „Feinde des Volkes“ – nämlich Abgeordnete und Richter – zu inszenieren.

Mit diesem Mann kann die EU nicht handelseinig werden. Je schneller wir Europäer diesen Kerl los sind, umso besser. Falls der britische Wähler dies denn wünschen sollte, kann er ihn ja durch jemanden ersetzen, mit dem die Suche nach einem Trennungsdeal zu einem für beide Parteien vorteilhaften Ergebnis führen kann. Allein, wir können und wollen sie dazu nicht zwingen.

4 Kommentare

  1. Boris Johnsons Lösung ist keine aber auch der Backstop ist nicht kompatibel mit dem Brexit. Der Brexit macht mit dem Backstop zusammen keine Sinn mehr.
    ursprüngliche Backstopvariante 1: Nordirland bleibt Teil des europäischen Binnenmarkts. Keine Handelskontrollen zwischen Irland und Nordirland, allerdings zwischen Nordirland und Großbritannien: eine solche Landesinnengrenzen ist logischerweise für die Brexiter unannehmbar.
    May Backstopvariante: Ohne Einigung, alos zeitlich unbefristet , bleibt Nordirland Teil des europäischen Binnenmarkts und Großbritannien Teil der europäischen Zollunion. Also keine Handelskontrollen zwischen Irland und Nordirland und keine Zollkontrollen zwischen Nordirland und Großbritannien aber trotzdem Handelskontrollen zwischen Nordirland und Großbritannien zwecks Uberprüfung der EU Standards. GB bleibt auf ewig an die EU gebunden was der Brexitidee widerstrebt den GB könnte keine Freihandelsabkommen verhandeln.
    Johnsons Backstopvariante: Fast wie Mays Vorschlag aber gilt für Waren(LebensmittelAgrarprodukteund Industreiteiel) aber nicht unbedingt für Dienstleistungen und vor allem zeitlich begrenzt und alle 4 Jahre validiert durch das nordirische Parlament
    abschließen

    • Veränderte Landesgrenzen (Sezession) passt auch nicht in die EU-Visionen der Eliten.
      Katalonien und Flandern, aber auch die Basken stehen schon in den Startlöchern.
      Logisch inkoherent ist diese Idee eh.

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