Am Donnerstag gilt erstmals in Luxemburg der Europatag vom 9. Mai als Feiertag. Die Regierungskoalition in Luxemburg hatte sich bemüht, das entsprechende Gesetz rechtzeitig durchs Parlament zu bringen, damit möglichst noch in diesem Jahr, in dem die Wähler dazu aufgerufen sind, am 26. Mai an den Europawahlen teilzunehmen, jeder in den Genuss des freien Tages kommt.

Damit nimmt Luxemburg eine Vorreiterrolle in der Europäischen Union ein. Bislang hat kein anderer EU-Mitgliedstaat den 9. Mai zum Feiertag erhoben, so wie es einst im Europäischen Verfassungsvertrag vorgesehen war. Dieser wurde nach den ablehnenden Referenden in Frankreich und in den Niederlanden entschlackt, wobei unter anderem der Teil zu den Symbolen der EU – wie die Flagge, die Hymne, der Euro und eben der Europatag – gestrichen wurde. Im dabei entstandenen Lissabonner Vertrag erklären nur mehr 16 Mitgliedstaaten, darunter auch Luxemburg, dass „der Europatag am 9. Mai für sie auch künftig als Symbol(e) die Zusammengehörigkeit der Menschen in der Europäischen Union und ihre Verbundenheit mit dieser zum Ausdruck bringt“. Demnach war es nur konsequent, den 9. Mai hierzulande als Feiertag einzuführen. Weshalb hätte es sonst dieser Erklärung bedurft?

Nun aber: Wie begeht man in angemessener wie feierlicher Weise einen Europatag? Immerhin hat das Land den Vorteil, nicht nur Standort, sondern auch Sitz mehrerer europäischer Institutionen zu sein. Ein Europafest wird bereits seit Jahren unter reger Beteiligung dieser Institutionen und Bürger aller Mitgliedstaaten, wenn auch nicht am 9. Mai selbst, so doch an einem dazu zeitnahen Samstag, in Luxemburg-Stadt abgehalten. Dieses Mal übermorgen Donnerstag auf der „Plëss“. Und in Schengen, dem in europapolitischen Dingen mittlerweile geschichtsträchtigen Ort am Ufer der Mosel, lädt die Regierung aus Anlass des Tages in den Mittagsstunden zum Apéro ein.

Doch wird das reichen? Sicherlich nicht. Es genügt nicht, „fir Iessen a Gedrénks“ zu sorgen. Da wird sich noch einiges mehr finden müssen. Denn Feiertage brauchen, damit sie einen Sinn ergeben, etwas Tiefergehendes. Sie brauchen ein Zeremoniell, das die Bedeutung dieses besonderen Tages betont. Der ersten rot-blau-grünen Regierungskoalition ist es vor einigen Jahren gelungen, eine solche Feier für den luxemburgischen Nationalfeiertag in der Philharmonie einzuführen. Das Besondere daran: Nicht die Nation, sondern die Menschen, die in diesem Land leben, stehen dabei im Mittelpunkt und werden zur Geltung gebracht, indem jene, die sich für ihre Mitmenschen und das Land eingesetzt haben, geehrt und gewürdigt werden. Das könnte als Inspiration für eine Feier zum Europatag dienen.

Vielleicht könnten an diesem Tag jene Menschen gefeiert werden, die sich abseits der Politik für die europäische Idee oder Werte einsetzen. Wie zum Beispiel jene Organisationen, die im Mittelmeer Menschen aus den Elendsregionen dieser Welt aus dem Wasser fischen und damit das humane und hilfsbereite Europa verteidigen. Luxemburg könnte als Vorreiter ein Zeichen setzen, wie diese Verbundenheit mit der Europäischen Union, von der in der Erklärung zum Lissabonner Vertrag die Rede geht, gefeiert werden kann.

7 Kommentare

  1. Was glauben Sie, wie die Luxemburg diesen Europatag begehen werden? Wetten in Trier wird am 9. Mai fast nur Luxemburgisch gesprochen. Oder sollen wir unsere Häuser mit der Europafahne beflaggen und uns am Vormittag auf dem Gemeindeplatz einfinden, um uns eine schale Rede seitens des Bürgermeisters anzuhören, der zu diesem Anlass sein Herz für Europa entdeckt hat, und gemeinsam die Europahymne singen, deren Text wohl kaum jemandem bekannt sein dürfte? Danach müsste dann aber für das leibliche Wohl gesorgt sein, denn ohne Essen und Trinken können wir kaum feiern, was auch immer. Den unvermeidlichen Apéro nicht zu vergessen, ob in Schengen oder auf dem Helperknapp mit dem verwaisten Bürgermeisterstuhl. Hauptsache am 9. Mai ist frei. Es lebe Europa!

      • an M. Schmidt: Doch es gibt einen Text. Ist auch vielen bekannt, dass es diesen Text gibt, auch wenn die meisten Europäer ihn nicht auswendig mitsingen können.

        Freude, schöner Götterfunken,
        Tochter aus Elisium,
        Wir betreten feuertrunken,
        Himmlische, dein Heiligthum.
        Deine Zauber binden wieder,
        Was die Mode streng getheilt,
        Alle Menschen werden Brüder,
        Wo dein sanfter Flügel weilt.

        • Und wie lautet der französische, der englische oder der italienische Text? Die wenigsten Europäer könnten wohl ” die Hymne an die Freude ” mitsingen, weil sie ganz einfach der Sprache Goethes nicht mächtig sind.

  2. Lëtzebuerg huet eng Nationalhymn mat Text, déi Wéinegst awer kënnen dësen Text. Ët ass schummenswärt, dass eis Fussballnationalspiller beim Spillen vun der Heemecht nët amstand sinn matzesangen. Jo, ech weess, sie si keng Sänger. Trotzdeem.

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