Seit 20 Jahren versuchen die Verantwortlichen der Stadt Esch nun schon vergeblich, das seit der Stahlkrise lädierte Image der „Minettemetropole“ aufzubessern und das Wirtschaftswachstum in der Südregion wieder anzukurbeln. Die Uni auf Belval sollte Abhilfe schaffen, doch vier Jahre nach der Eröffnung der „Cité des sciences“ fällt die Bilanz eher ernüchternd aus. Obwohl manche Restaurants und große Geschäfte in Belval durchaus gut besucht sind, stehen in den beiden Einkaufszentren immer noch Lokale leer. Vor allem im Stadtzentrum ist bis auf einige Studentenwohnheime noch kaum etwas von den erhofften Auswirkungen der Universität zu spüren. Esch ist keine Studentenstadt.

Die neue politische Mehrheit im Gemeinderat, die mittlerweile seit über anderthalb Jahren im Amt ist, hat in den vergangenen Monaten einiges unternommen, um ihre Stadt auch für Studenten attraktiver zu gestalten. Gut scheinen den Eschern die neuen Plastikbänke zu gefallen. Eine Attraktion ist auch die vergrößerte „Päischtkiermes“, selbst wenn sie für Studenten nur bedingt ein Highlight darstellen dürfte.

Doch damit hat es sich schon. Vor allem kulturell hat das Escher Zentrum wenig zu bieten. Das Ariston wird nicht genutzt, das Stadttheater hat sein Stammpublikum, doch schafft es bislang nicht, neue Zielgruppen zu erreichen. Die Rockhal und die Kulturfabrik liegen zu weit entfernt, um den Läden, Cafés und Restaurants im Zentrum zusätzliche Kundschaft zu bescheren. Kneipen, die regelmäßig Konzerte veranstalten, sucht man – mit Ausnahme des Escher Kafé im etwas abgelegenen Viertel Clair-Chêne – im Zentrum vergeblich. Und die Künstlergruppe Cueva, deren Ausstellungen durchaus Event-Charakter haben, kann eben nicht jede Woche eine Vernissage veranstalten.

Um jungen Leuten eine zusätzliche Gelegenheit zum „Chillen“ und Feiern zu bieten, haben CSV-Bürgermeister Georges Mischo und seine Koalitionspartner von „déi gréng“ und DP in diesem Jahr das Erfolgskonzept „Wicki Beach“ nach Esch geholt. Das Wetter spielte bislang nur selten mit. Darüber hinaus stellt das von der Gemeinde geförderte Wicki Beach, das immerhin fünf Tage in der Woche geöffnet hat und über zahlreiche (und teilweise illegale) Parkplätze verfügt, eine ernsthafte Konkurrenz für die wenigen Szenekneipen im Escher Zentrum dar, die bekanntlich ihr Hauptgeschäft ebenfalls nicht im Winter, sondern bei Terrassenwetter im Sommer machen.

Nun hofft Esch auf die Europäische Kulturhauptstadt 2022 und die Aufnahme der Südregion in das Unesco-Programm „Man and the Biosphere“. Doch diese Förderprogramme sind keine Selbstläufer. Esch ist nicht Florenz. Esch verfügt nicht über prachtvolle Bauten und Kunstwerke aus der Renaissancezeit. Esch hat auch keinen Palast, keine Kathedrale, keine Basilika und kein mittelalterliches Schloss. Die Medicis von Esch waren die Schmelzherren und später die Arbed. Ihr Erbe gilt es zu bewahren und sinnvoll zu nutzen. In Belval wurde das größtenteils versäumt. Jetzt bietet sich auf den Brachen Esch-Schifflingen und „Terre Rouge“ erneut die Gelegenheit, um Esch zu einer Renaissance zu verhelfen.

Der Erfolg hängt auch von politischen Entscheidungen ab. Der zuletzt in Mode gekommene Diskurs à la „Esch könnte so schön sein, wenn nur die Escher nicht oder anders wären und die Presse positiver berichten würde“ bringt letztendlich niemanden weiter, sondern trägt nur zu einer weiteren Spaltung der Gesellschaft bei. Es kann auch nicht im Interesse einer Demokratie sein, dass die Presse ihren Lesern eine heile Welt vorgaukelt. Erst wenn die Renaissance gelingt, wird niemand mehr eine Ursache haben, Esch schlechtzureden.

13 Kommentare

  1. Esch as um Enn!!! Owes gin d’Trottoiren eropgeklappt,esoufern der nach do sin! An fir dass d’Lobby mengt,mat neien “Geschäftsquartieren” den Image ze verbesseren,ass absolut lächerlech.
    An e puer Joer ass Belval total verkomm an erennert elo schon irgendwei un “Tati-Ville” (aus den Filmer vum Jacques Tati).Lauter “cubes” an grujeleg Architektur.Des Weideren wärd do en Paridies fir Krimineller gin.
    An dann get och nach geplangt,dat Selwecht op Terres-Rouges ze machen! Einfach Blödsinn.Souwisou hun d’Leit keng Suen mei fir deck akafen ze goen.Et geht bei Verschidden schon em d’plakesch Existenz.Quo Vadis!!!!

    • “An fir dass d’Lobby mengt,mat neien “Geschäftsquartieren” den Image ze verbesseren”
      -> Dat ass sëcher richteg, mais ass keen letzeboiegt Phänomen. An enger Zait wou den Mënsch sech an anerer definéiert duerch dat wat hien besëtzt, sinn d’Akafszentren an Butteker halt den Mekka aus der Relioun genannt “Kapitalismus” an “Konsum”.
      “Des Weideren wärd do en Paridies fir Krimineller gin.”
      -> An wisou wier dat laut iech esou?
      “An dann get och nach geplangt,dat Selwecht op Terres-Rouges ze machen! Einfach Blödsinn.”
      -> hei géif ech iech Recht ginn, mais awer aus aneren Grënn.
      “Souwisou hun d’Leit keng Suen mei fir deck akafen ze goen.Et geht bei Verschidden schon em d’plakesch Existenz.”
      ->Den zweeten Deel stëmmt sëcher, mais bei villen geet et awer nach ëmer duer fir een neien I-Phone/I-Pad, een neien SUV, oder een neien Plasma. Deemno, wann naischt méi geet, schéingt “eppes neies kafen” awer nach ëmmer ze goen. Et féiert schlussendlech, wann och ganz kurzweileg, zu engem klengen Glécksgefill.

      • Gir hut och Recht wann Dir sot dass et emmer durgeht fir I-Phone,SUV etc.Den Mensch ass eben keen Homo Oeconomicus mei.Hien setzt den besoin primaire (Iessen,Wunnen etc) un dei lescht Stell,dat heescht,Luxus an Topegkeeten sin mei wichteg wei dei gesot besoins primaires.
        Des Weiteren ass dei kleng Kriminatilte’et schon do deck vertrueden (hun dat vun Spezialisten erfuer)..genausou wei se an der Uelzechtstross präsent ass.

        De Mensch muss durch irgend faiten erem zereck op de Buedem vun den Tatsachen bruecht gin an muss ophalen den Gott Mammon unzebieden.Den Senn vum Liewen ass net mei unerkannt.

  2. Fragen sie mal einen Geschäftsmann der in der längsten “Geschäftsstraße” wie viel er Mieten zahlen muss! Früher schien mir die Uelzechtstrooss viel sauberer, oder irre ich mich? Früher konnte der einfache Arbeiter hier auch mal ein paar Schuhe zum angemessenen Preis kaufen, früher habe ich vom Schneider Heynen meine kurze Hosen bekommen oder auch mal ein Hemd für den Sonntag, früher hat uns der Emil aus der Kneipe auf dem Scheunenboden versteckt, wenn der Bello nach Schülern suchte welche den Gottesdienst am Donnerstag “vergessen” hatten, tja früher! 🙁 Kulturhauptstadt 2022, bitte vergessen sie’s.

  3. Loyer ze heich, Parking ze deier an zevill Klengkriminaliteiet ob de Stroossen . Et kann een den Dealer an ganz Esch nokucken wei se hier Geschäfter maachen . Just eis force de l’ordre kritt naischt mat an am Schäffenrot setzen der just dei d’Jicken net hun endlech mol eppes zum Positiven ze änneren.

  4. Hallo, wo kommen die “wunderschönen” pinkfarbenen Dinger denn her, möchte so eins für meinen Schrebergarten! Es wertet besonders auf.

  5. Et darf een emer dreemen. D Staat Esch ass net meei scheein. Knaschtesch an et sinn och deei deier Baenken deei dat retten, se sinn emeol net scheein .D Awunner machen neischt fier et proper ze haalen, et ass eng Schaan.

  6. Es gibt doch überhaupt keinen grund mehr dorthin zu gehen. Es gibt nichts was man nicht auch woanders herbekommt. Man bekommt das gleiche wie in einem Supermarkt, nur dass die mehr Auswahl haben, Parkplätze näher am Laden und kostenlos sind, sie sind Überdacht, Sicherer, Sauberer, Hübscher, die Angestellten sind oft Freundlicher etc etc…
    Ich Wohne in Esch, ich bin schneller und einfacher in Foetz zum Einkaufen als in der Einkaufsstraße in Esch und bekomme das Gleiche, ohne angepöbelt oder angebettelt zu werden. Ich meide das Escher Zentrum wo es nur geht.

  7. “Esch ist keine Studentenstadt.”

    Genau, déi ginn doudsécher net an d’Postkutsch iessen, mä präiswäert Nuddel- a Schnitzelrestauranten wéi an all deenen anere Studentestied gëtt et och keng.

    Mengen se d’Studente géinge bei Namur Kaffi drénken?

  8. Seit 20 Jahren haben die Verantwortlichen der Stadt Esch die Leistungsträger und kaufkräftige Bürger vertrieben. Eine ausgeglichenen Sozialstruktur hätte der Stadt mehr gebracht als diese verzweifelten Versuche die Geschäftswelt zu beleben. Bei der Urbanisation der Nonnenwiesen z.B. hat man den ursprünlich vorgesehenen sozialen Mix zugunsten von meher sozialem Wohnungsbau umgeändert. Symptomatisch ist auch die Affaire um den Diva, wo Publikumsmagnet Valerius vertrieben wurde. Langfristig bleibt nur die Hoffnung, dass die Uni mit ihren Forschern und Studenten das soziostrukturelle Problem etwas entschärfen

  9. Nachtrag: “wenigen Szenekneipen” wieso Mehrzahl? Welche sollen das denn sein, ausser dem Pitcher , die in Konkurrenz mit dem Zielpublikum des Wikibeach stehen?

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