Bei den ehemaligen Ausstellungshallen (Hall Victor Hugo) auf Limpertsberg fand am Freitag eine Gedenkfeier an den 30. August vor 77 Jahren statt, als die Nazibesatzer die Zwangsrekrutierung verkündeten. Die Bevölkerung reagierte am 31. August 1942 mit einem Generalstreik, auf den die Nazis mit dem Ausnahmezustand, Sondergerichten und Erschießungen antworteten. Insgesamt forderte der Krieg rund 5.700 Opfer unter der luxemburgischen Bevölkerung.

Warum jedes Jahr an dieses Ereignis erinnern? Weil wir aus der Geschichte lernen sollen, den Opfern einer Generation dankbar sein sollen, „weil der Schoß noch fruchtbar ist“ …?

Noch am Donnerstag schrieb der rechtsextreme Blog „Politically Incorrect“ über den Kriegsbeginn am 1. September (also morgen vor 80 Jahren): „Die Lüge vom ‘Überfall auf Polen’ 1939“. Geschichtsleugner sind ein Problem, der wieder aufkeimende militante gewaltbereite Extremismus ein weiteres, und beide gehen oft Hand in Hand.

Wie das Tageblatt gestern meldete, wurden in Frankreich kürzlich Mitglieder einer rechtsextremen Organisation wegen einer Aktion gegen Flüchtlinge zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die Meldung ist im Bereich rechtsextremer Straftaten zwar die rezenteste, aber nur ein Beispiel unter vielen. Ein trauriger Höhepunkt der rechtsextremen Gewalt war die Ermordung des deutschen CDU-Abgeordneten des hessischen Landtags Walter Lübcke am 2. Juni dieses Jahres. Der Mann wurde wegen seines offenen Auftretens gegen Fremdenfeindlichkeit vor seiner Ermordung aufs Übelste mit Begriffen aus dem Naziwortschatz der Dreißigerjahre beschimpft.

Bis dato gibt es in Luxemburg noch keinen militanten Extremismus und keine Partei, die man als geradeheraus faschistisch bezeichnen kann. Das Tageblatt berichtete ebenfalls voriges Jahr, dass es (noch) keine sogenannten Feindeslisten der Rechten hierzulande gibt. Aber keine Beweise für etwas zu finden, bedeutet ja nicht, dass etwas nicht existiert. Auf Luxemburg bezogene ausländer-, schwulen- und fortschrittsfeindliche sowie nationalistische Kommentare finden sich dagegen zuhauf auf Facebook.

Ein beliebtes Mittel der Rechten – Kritiker wegen Verleumdung zu verklagen – wird allerdings auch in Luxemburg gerne angewandt. Das Bertolt-Brecht-Zitat „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“ (aus „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ von 1957) ist wieder aktueller denn je, brandaktuell in Deutschland (AfD) und in Italien (Salvini).

Es wird nun Stimmen geben, die sagen, dass man den Teufel nicht an die Wand malen soll. Aber genau das ist vonnöten: Es gilt zu handeln, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Angesichts des Erstarkens des Rechtsextremismus in Europa (AfD in Deutschland, Lega Nord in Italien) erübrigt sich wohl die Frage, warum jedes Jahr an den Generalstreik von 1942 erinnert werden soll.

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